8 Blickwinkel

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Gestern war ich mal wieder im Kino und dann auch noch in einem Film, auf den ich doch irgendwie gespannt war: 8 Blickwinkel, ein Actionthriller.

Um nicht zu viel vorweg zu nehmen, es geht um einen Anschlag auf den amerikanischen Präsidenten in Spanien. Keine große Sache, könnte man jetzt denken, aber der Clou am Film ist, dass die Handlung aus verschiedenen Perspektiven gezeigt wird. So soll sich dem Zuschauer immer eine neue Sichtweise darbieten. Da hätten wir zum Beispiel zu Anfang Sigourney Weaver, als Chefin im Ü-Wagen eines amerikanischen Fernsehsenders. Hier wird man quasi in die Geschehnisse eingeführt, ohne allerdings irgendetwas zu erfahren. Das kommt erst später.


Ist alles vorbei, sprich Präsident erschossen und eine nette Explosion später, spult der Film zurück und legt um Punkt 12:00:02 mit dem nächsten Blinkwinkel los. Der kommt von Dennis Quaid, der den heruntergekommenen und psychisch kaputten Specialagent Barns spielt, der für den Präsidenten mal ne Kugel abgefangen hat und nun nach einem Jahr mit einem nervösen Zucken wieder in seinem alten Job ist. Peng, President tot, Bumm, Explosion, Film spult zurück.

Jetzt kommt Forest Whitaker, welcher einen couragierte Tourist spielt, der einfach mal nach Europa geflogen ist, weil er gerade Stress mit seiner Frau hat. Eigentlich mag ich den Schauspieler ja, aber hier spielt einen so unglaublich patriotischen Propagandaamerikaner... das ist schon fast peinlich. Er läuft die ganze Zeit mit seiner Kamera rum, macht einen leicht verstörten und naiven Eindruckt und schafft es trotzem mit seiner Kamera alles, aber auch wirklich ALLES rund um den Anschlag aufzunehmen. Als die Geschehnisse seinen Lauf nehmen, will der Polizei helfen und verfolgt er einfach mal auf eigene Faust den vermeindlichen Attentäter. Zwischendurch rettet er noch zweimal einem (verdammt nervigen) kleinen Mädchen das Leben. Toller Mann, aber leider völlig unrealistisch...


Tja, und dann hätten wir noch die Sichtweise des Präsidenten selber (sehr interessant), die Attentäter (oder sollte ich besser sagen, böse klischeehafte, aus dem nahen Osten stammende, mit selbigen Akzent sprechende, finster drein schauende Terroristen... kein scheiß!), ein spanischer Sunnyboypolizist (der irgendwie unnütz war), ne spanische Braut, der man das Böse in ihrer Seele direkt ansieht und so weiter. Am Ende geht die Handlung auch irgendwann über die vorher durchgekauten Geschehnisse hinauslaufen und alle Handlungsstränge laufen irgendwie mehr stolpernd als logisch zusammen. Dabei gibts dann eine Autoverfolgungsjagt, ein paar Ballereien, ein Selbstmordattentäter (war ja klar) und noch einen Super-Terroristen zu sehen. Der ist erstens eine terrosistische Aussnahme, weil zu seinen Taten gezwungen wird und zweitens so was von scheiße gut ausbildet, dass er tötlicher und genauer Schießen kann als der Hitman, wobei er am Ende gegen einen angeschossenen Specialagend elendig versagt.

Der Spannungsbogen ist solala geraten. Wie schon gesagt, bekommt der Zuschauer direkt am Anfang S. Weavers vorgesetzt, die nicht gerade eine Glanzleistung mit ihrer Rolle vollbringt. Sie wirkt zwar richtig am Platz, aber trotzdem irgendwie gelangweilt und unmotiviert. Jedenfalls hat sie es nicht geschafft, mich mitzureißen, was ich eigentlich gerade am Anfang eines Thrillers irgenwie für Wichtig halte. Nach dem die Handlung immer wieder auf High Noon zurückgespult wurde und der Zuschauer so langsam ein bißchen genervt ist, nimmt der Film endlich Fahrt auf. Hintergründe decken sich auf, die Verfolgung auf die Terroristen beginnt, und am ende kracht es dann nochmal so richtig schön.

Trotzdem kann der Film nicht überzeugen. Die Handlung bekommt der (intelligente) Zuschauer nach der dritten Wiederholung auf dem Silbertablett präsentiert. Etwas undurchschaubarer hätte das ganze ruhig ausfallen dürfen, aber es ist ja schon lange in Mode, dass man dem Publikum unter keinen Umständen zu viel zumuten will. Naja...
Die Charaktere sind allesamt eindimensional und erfüllen sämtliche Klischees: Der heruntergekommene Bodyguard, der plötzlich alles durchschaut und zu alter Heldenhöchstform aufläuft, der Vorzeigeami, der sich aufopferungsvoll und selbstlos in den Kampf gegen den Terrorismus stürtzt und natürlich die bösen Terroristen, die so tolle Sprüche drauf haben, wie "Dieser Kampf wird niemals enden!". Da können auch die Schauspieler nicht mehr viel raushauen.

Ist dann alles überstanden und ist auch der letzte Terrorist erschossen und so weiter, endet alles mit einem CGI-Helikopter, der über die Spanische Stadt aus dem Bild schwebt. Klasse, sah das billig aus. Lustig ist noch zu erwähnen, dass die dummen Terroristen erbarumungslos Bomben hochgehen lassen, Gefangene und Ami's erschießen, sich selber in die Luft sprengen etc. und dann plötzlich auf einer Schnellstraße diesem kleinen (ja genau... das nervige) Mädchen ausweichen und so einen riesen Unfall verursachen... ja ne, is klar...
Ach ja, und die Waffe von Dennis Quaid! Das müsste theoretisch eine Smith&Wesson (http://world.guns.ru/handguns/HG165-E.HTM) gewesen sein (also 15 oder 17 Schuss). Der Kerl ballert mindest 10mal auf den Super-Hitman-Terrorist, der vorher ungefähr 20 CIA Männer problemos ausgeschaltet hat (zwei sogar mit nem Messer schnell hintereinander), und trifft ihn natürlich obwohl er selber schon ne Kugel in der Schulter hat. Danach muss er nochmal - ich tippe grob auf 15 Schüsse - auf einen wegfahrenden Wagen schießen. Als er schließlich doch mal in das Unendlich-Magazin seiner Waffe schaut, sind immer noch etliche Patronen drin. Ich hab gelacht!!!

[EDIT] Habe jetzt schon mehrmals gehört, dass er wohl doch nachläd und ich bin geneigt, dass auch zu glauben, auch wenn es mir jedenfalls nicht aufgefallen ist. Wäre auch schon ein ganz schön dicker Fehler, wenn das Drehbuch dem wirklich ein Unendlichmagazin verpasst hätte ^^


Fazit:
Eigentlich hätte "8 Blickwinkel" richtig gut werden können. Jedenfalls wenn man nur die Erzählweise betrachtet, die so noch nicht sehr oft genutzt wurde und somit unverbraucht sein sollte. Trotzdem ist es am Ende nur ein unterhaltsamer Thriller geworden, der unter einem kränkelnden und durchschnittlichen Drehbuch leidet, welches die meisten Chancen einfach verspielt. Oder um es anders zu sagen: Für so'ne lasche Story musste auf keinen Fall so Aufwand betrieben werden!
Als Zuschauer erlebt man keine Überraschungen, alles ist relativ schnell durchschaubar. Hinzukommt noch der schale Beigeschmack von einer Überdosis Patriotismus, denn die ganze Story ist wieder so unglaublich amerikanisch und Klischeeüberladen, dass es schon wehtut. Im Grunde genommen war der Film fürs Kino zu lau, sofort als DTV wäre er jedoch schon wieder zu edel gewesen... aber sowas weiß man ja vorher nicht...



2 von 5 Zimblemonkeys, einen für den coolen Hitmanterrorist, der mit seiner Schalldämpferknarre so krass abgeht, und einen für Dennis Quaid und Forest Whitaker, weil die sich wenigstens Mühe gegeben haben und ich die als Schauspiel toll finde. Für die besondere Erzählweise gibts Keinen, da sie mit der Story gnadenlos verschenkt wurde.


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