No Country for old men


Professor Zimbel: "Guten morgen, liebe Schülerinnen und Schüler! Ich hoffe sie haben gestern alle gut aufgepasst, denn wir bilden jetzt einen Stuhlkreis und besprechen ‚No Country for old men’. Mr. Savage, wenn sie doch bitte einfach mal beginnen würden.

Savage: „Äh, ja, okay. Also zunächst einmal muss ich sagen, dass ich ziemlich hohe Erwartungen an den Film hatte, schon allein dadurch, dass er schließlich vier Oskars abgeräumt hat und die Unterschriften der Coen-Brüder trägt. Auch durch unterschiedliche Reviews war ich ziemlich gespannt auf den Streifen. Und, was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Vielmehr wurde ich mitgerissen und begeistert.

Wenn ich versuchen müsste, den Film irgendwo einzuordnen, würde ich ihn als Road-Thriller-Gangster-Neowestern-Drama bezeichnen. Jedenfalls trifft es das vorläufig ganz gut.

Die Story ist im Grunde genommen recht einfach gestrickt. Texas, nahe der mexikanischen Grenze, im Jahre 1980: Ein Mann - Llewelyn Moss (Josh Brolin) - findet, während er auf der Jagd weit draußen in der monumentalen Landschaft Texas’ ist, ein Schlachtfeld vor. Scheinbar ist ein großer Drogendeal geplatzt und die Mexikanischen Unterhändler haben sich alle gegenseitig abgeknallt. Moss findet einen dicken Koffer mit ca. einer halben Million harter US-Dollar und nimmt den Koffer natürlich mit und fährt nach Hause zu seiner, ich sag mal minderbegabten Frau. Gleichzeitig ist ein verdammt psychopatischer Killer unterwegs, der bereits von dem Massaker weiß und auch weiß, dass das Geld futsch ist. Er hängt sich an die Fersen von Moss, der mittlerweile auf der Flucht ist, und hinterlässt eine teilweise ziemlich krasse Blutspur. Irgendwann kommt es zum Kampf zwischen den beiden. Gleichzeitig gibt es noch den Countysheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), der sowohl dem Massaker, dem Killer und NAME hinterher forscht und sich währenddessen langsam aber sicher über die schnell wachsende und verändernde Welt und sein Leben darin im Klaren wird. Um es kurz zu machen: Die Story dreht sich eigentlich nur um den Koffer mit dem Geld. Allerdings ist das der Aufhänger für die Coen-Brüder, um sich mit den bis ins Detail skizzierten Charakteren zu beschäftigen - was ihnen schlussendlich auch gelingt.

Der Umstand, dass im ganzen Film kein einziges Mal Musik zu hören ist (bis auf den Abspann), hat mich nicht gestört. Im Gegenteil: Als Zuschauer konzentrierte man sich auf die Personen und die Dialoge. Man wurde förmlich gezwungen, sich mit den Charakteren auseinander zu setzen und sich in manche hinein zu versetzen.

Dazu kommen beeindruckende Landschaftsaufnahmen aus dem Hinterland von Texas, wobei die Kamera oft minutenlang starr ausgerichtet ist. Jede Einstellung, jedes Bild, jede Landschaft mit Hügeln, Sonne und Schatten, scheint akribisch gesucht und gefunden worden zu sein. Wo wir gerade bei der Kamera sind: Schnelle Schnitte oder gar die von mir so verhasste Wackelkamera fehlen hier komplett, obwohl es stellenweise schon ziemlich kracht. Gerade Mr. Anton Chigurh, der gefühlslose und absolut kaltblütige Killer, begeht nicht gerade unblutige Morde, wobei z.B. Erschießungen nicht der Befriedigung der Blutgier der Zuschauer dienen, sondern zweckdienlich sind und irgendwie in die Handlung passen.

Das und die erwähnte Tiefgründigkeit der Charaktere tragen sehr stark zu der ohnehin dichten Atmosphäre des Films bei. Verstärkend kommt noch die Arbeit sämtlich Nebendarsteller hinzu, denn der Film spielt wie gesagt in Texas, genauer gesagt im Hinterland von Texas - Dort, wo quasi nur Hinterwäldler rumlaufen. Da alle Charaktere in dieser Umgebung aufgewachsen sind (den Killer lass ich jetzt mal außen vor), haben alle ein – sagen wir mal – schrulliges Verhalten. Das und so mancher Spruch führen des Öfteren zu einer Art unfreiwilligen Komik im positiven Sinne.

Und dann hätten wir da noch das Ende des Films. Es lässt die Zuschauer plötzlich und mit fragenden Gesichtern zurück. Es hat eigentlich gar nichts mit der Geldkofferstory zu tun, sondern ist in meinen Augen einer der wenigen Anspielungen auf den Filmnamen. Es erklärt sich auch nicht von selber, sondern der Zuschauer muss sich eigene Gedanken machen, was ja heut zu tage ziemlich selten geworden ist. Jedenfalls habe ich den Kinosaal mit nachdenklicher Stirn und den Film verarbeitend verlassen.

Selbstverständlich leisten alle Schauspieler sehr saubere Arbeit. Tommy Lee als nachdenklicher Sheriff, dessen Charakter eigentlich als einziger wirklich zu dem Namen des Films passt und Josh Brolin als Kofferklauender, immer auf der Flucht befindlicher, absolut abgebrühter und abgeklärter Vietnamveteran. Dazu gibt es noch Woody Harleson in einer kleinen Nebenrolle.





Trotzdem stielt einer imo allen die Show: der Killer (Javier Bardem)!

Der Kerl hat vorher nur in kleinen Produktionen mitgemacht, taucht jetzt in einem internationalen Film auf und kassiert gleich den Oscar als bester Nebendarsteller (absolut verdient). Meine Fresse, der hat aber auch ne Arschcoole Pocke gespielt (tschuldigung für den Ausdruck)! Und er hatte eine verdammte Auto-Shotgun mit einem verdammten Schalldämpfer (die er auch sehr eindrucksvoll benutzt hat!). Ich muss unbedingt herausfinden, ob so was tatsächlich möglich ist! *kicher*



Fazit:

No Country for old men ist ein herausragender Film, der seine Oscars verdient hat. Ich muss gestehen, dass ich völlig überrascht war, als ich hörte, dass "The Big Lebowski" und "Fargo" ebenfalls von den Coen-Brüdern sind. Sehr vielseitig, die Jungs! Die Charaktere, die damit verbundene schauspielerische Leistung, die Aufnahmen, alles wirkt sehr gut zusammen und präsentiert so dem gewillten Zuschauer ein atmosphärisch sehr dichtes Gesamtkunstwerk, dass in keinster Weise mit Mainstreamware zu vergleichen ist, aber auch gar nicht einen solchen Anspruch erhebt. Jedenfalls sollte man den Film auf jeden fall gesehen haben und sich vor allem auch drauf einlassen können, denn es ist verdammt schwer ihn akkurat zu beschreiben.

Natürlich sind Meinungen zu Filmen immer subjektiv und ich habe auch schon von vielen gehört, der Film wäre langweilig und das Ende wäre „kacke“ und überhaupt keine Musik und blabla etc… Dazu kann ich nur eins sagen: Leute, guckt euch solche Filme einfach nicht und besucht lieber die Vorstellung von SAW 20 oder sonst irgendeinem Mainstreamscheiß. Ich kann ja auch nichts dafür, dass die wissensfremden Bratzbacken heutzutage nicht mehr klar kommen, wenn sie in einem Film plötzlich und völlig überraschend mit Intelligenz konfrontiert werden! ;D

5 von 5 Zimbelaffen, ganz klare Sache!!!"

Professor: „Ausgezeichnet, Herr Savage. Möchte noch jemand seine Meinung kundtun?"


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