Missing in Action Teil 2

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Release: 1985

Neulich auf dem Pausenhof der Trash-Academy. Zwei junge Studenten, die gerade aus der Vorlesung "Mögliche Hirnschädigungen bei Unerfahrenen" kommen, unterhalten sich:

A: "Bor, ich hab mir letztens wieder Missing in Action angeguckt!"
B: "Chuck Norris, oder was?"
A: "Aber sowas von! Der rockt ja wohl die Scheiße fett, oder?!"
B: "Das kannste aber laut sagen."
A: "Weißte, was richtig klasse wäre?"
B: "Ne..."
A: "Missing in Action 2! Und zwar ein Prequel! Chuck Norris wird in Vietnam gefangen genommen und schmachtet mit ein paar Witzfiguren in einem Gefangenenlager im Jungel rum."
B: "Klingt gut! Und der Obermacker von dem Lager ist ein sadistisch veranlagter General oder Colonel, oder sowas."
A: "Genau. Aber Chuck Norris ist nicht klein zu kriegen."
B: "Natürlich nicht. Der böse General will nämlich ein Geständnis von dem haben, in dem Kriegsverbrecherei zugeben soll. Was Chucky natürlich nicht macht und somit foltert der General die anderen Gefangenen alle kaputt."
A: "Willst du vielleicht den General spielen, du Psychopath? Egal, und irgendwann entkommt Chucky dann und seine Rache wird ganz und gar furchtbar. Wir brauchen Explosionen und Geballer und, und, und einen Flammenwerfer und eine Brücke, welche den einzigen Ausweg aus dem Lager darstellt..."
B: "...von dem Abhang und dem Wasserfall und den Stromschnellen, den Stolperdrähten und Tretminen etc. mal abgesehen!"
A: "Genau!"
B: "Jou!"

Und so entstand "Missing in Action 2 - The Beginning" ein Jahr später (vielleicht wars auch anders, wer weiß :-) und Chuck Norris kehrte als Col. James Braddock in den Jungel Vietnams zurück. Um die Story ganz kurz zusammen zu fassen: Sein Helikopter wird bei einer Rettungsmission abgeschossen und sowohl die Heli-Crew als auch die Soldaten am Boden werden gefangen genommen. Dort werden die Männer ganze 10 Jahre hält von dem sadistischen Kommandant Yin eingekerkert. Dieser will Braddock mittels verschiedener Foltermethoden an ihm und seinen Leuten zwingen angebliche Kriegsverbrechen am vietnamesischen Volk zu gestehen - was Braddock natürlich nicht macht. Nachdem sich die Ereignisse überschlagen, flüchtet Braddock in den Jungel, will seine Männer aber nicht zurücklassen. Also besorgt er sich ein paar Waffen und zieht in einen persönlichen Krieg gegen Yin.

Das Leben ist kein Ponyhof.

Chuck Norris ist zurück in seiner Paraderolle und was noch viel besser ist, er kann in dieser Beziehung noch einen drauf setzen. Denn mit seinen zerzausten Haaren und Bart, den abgerissen Klamotten und leicht gebückter Haltung gibt er den perfekten Kriegsgefangenen ab. Die anderen Schauspieler auf der US-Army-Seite kannte ich zwar alle nicht, aber auch sie passen ziemlich gut in ihre Rollen. Besonders hervorzuheben ist noch Soon-Tek Oh (Kommandant Yin), der einen richtig schön fiesen und sadistischen Bösewicht abgibt.

Zur Handlung lässt sich eigentlich nur folgendes sagen: Zweckmäßig. Jungelfolter, Ausbruch, Rache sind die drei Akte dieses Films. Das man bei Cannon eine tiefsinnige Story aber nicht erwarten sollte, müsste jedoch hinreichend bekannt sein. Als Negativpunkt muss ich allerdings deutlich die Filmhälfte benennen. Der ganze Foltermist wird so extrem ausgereizt, dass auch der letzte Vollidiot das Thema "Wie bricht man Braddocks Willen am Besten" verstanden hat. Zu mal sorgt das auch für erhebliche Actionarmut weit über die Hälfte des Streifens und damit für zunehmende Langeweile (wenn man nicht gerade Spaß an dem Gezeigten hat). Dazu kommen die üblichen Klischees (Vietnamesen sind entweder Sadisten oder Huren und die GI's allesamt unschuldige Lämmer), die gut durchgekaut werden.

Dafür entschädigt dann aber die Action in der zweiten Filmhälfte. Nachdem Braddock ausgebüchst ist, fängt er auch sofort an, die Soldaten nacheinander zu dezimieren und alles möglich in die Luft zu sprengen oder abzufackeln. Zwischendurch ein paar locker aus der Hüfte abgefeuerte Salven aus seiner erbeuteten MP und der Actionfan ist wieder glücklich. Gerade Explosionen können sich durchaus blicken lassen und auch der Kampf zwischen Braddock und Yin ist richtig schick choreographiert. Da darf Chucky dann auch mal seine Martial Arts Künste auspacken und dem fiesen Mistkerl ein paar ordentliche Tritte und Schläge verpassen.

Fazit:
Gerade heraus herunter gekurbelt, ohne große Längen inzeniert und mit Schicker Jungeloptik versehen, ist Missing in Action 2 - The Beginning durchausehenswert. Gerade die Umgebung sorgt für reichlich Atomsphäre. Die Folterszenen sind zu ausschweifend geraten, dafür darf Norris hinterher so richtig schön Selbstjustiz üben, bei der jedem Menschenrechtsgelehrtem schlecht werden würde. Jedenfalls ist der Streifen alles, nur nicht politisch korrekt und damit (wie fast alles von Cannon) eigentlich nur für den wahren Genrefan ein Genuss! Alles in allem kommt der Film auf runde drei Logos, würd ich sagen.




PS.: Lexikon des Internationalen Films: "Fragwürdiger Film mit Szenen von physischer und psychischer Gewalt, die in ihrem Sadismus kaum zu überbieten sind." Ballerspaß für die ganze Familie!

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