Navy Seals

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Release: 1990

Was macht man(n), wenn er zu viel Testosteron im Körper hat, schießwütig ist und sich für den coolsten Macho auf Erden hält? Genau, er geht zu den Navy Seals, die beste, schnellste überhaupt absolut geilste Eingreiftruppe beim amerikanischen Militär, ach quatsch, der ganzen Welt! Hier kann jeder ordentlich sein Ego raushängen lassen, coole Sprüche drücken und seinen gestählten Körper in hautenge Taucheranzüge pressen. Denn die Navy ist nicht nur ein Job, die Navy ist ein Abenteuer und bietet viel Spaß für alle, die o.g. Eigenschaften erfüllen.

Und genau dazu zählen sich auch die beiden Spaßkanonen Lt. James Curran (Michael Biehn - "Terminator", "Planet Terror") und Lt. Dale Hawkins (Charlie Sheen - "Hot Shots", "Platoon"), wobei Curran der kühlberechnende Anführer der kleinen Truppe und Hawkins der leicht lebensmüde Draufgänger mit nervösen Zeigefinger ist. Mit dem Rest der Truppe sind beide gut befreundet und so verwundert es auch nicht, dass sich alle zusammen zur Hochzeit ihres Gruppenkollegen treffen. Doch von der Hochzeit wird der ganze Haufen per Pieper überraschend zu einem Einsatz gerufen. Mit den platten Worten "Ich ruf dich später an" verlässt der angehende Bräutigam seine Frau und wenig später tauchen die Seals irgendwo im Nahen Osten auf, um ein paar gefangene Amerikaner rauszuhauen. Dabei werden auch zufällig ein paar fette LAW-Raketenwerfer entdeckt. Hals über Kopf reist man mit den Verletzten ab und jagt von nun an hinter den Raketen und dem Anführer irgendeiner fiesen Terrorgruppe hinterher.

Da diese Handlung den gesamten Film aber nicht tragen kann, wurde noch ein bißchen Story um die Charaktere zusammen gebastelt. So trifft man sich zum reichlich Quatsch machen auf einem Golfplatz, Curran und Hawkins graben eine Jornalistin an, die Kontakte zum Terrorgruppenanführer hatte oder man fährt mit Fahrrädern hinter einem Abschlepptransporter her, weil das eigene Auto hops genommen wurde. Klar, dass man bei einer solchen Gelegenheit einfach auf den Hänger springt und entspannt runterfährt.



Was ich eigentlich mit den letzten Sätzen sagen wollte ist, dass die Raketen-und-Terrorbekämpfungshandlung eher im Hintergrund steht. Während man die Ermittlungen so nebenbei führt, wird das Leben der Seals in den Vordergrund geschoben. Dabei sind die Einsätze quasi die Highlights der Männer, in denen sie ordentlich den Macho raushängen lassen dürfen und zeigen können, was sie alles drauf haben. Überhaupt wirkt "Navy Seals" wie eine Art Werbefilm für die Navy. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Charaktere und Inszenierung völlig klischeeüberladen und heroisch triefend darher kommen und sich viele andere Filme dieses Prinzip abgeschaut haben. Insgesamt kommt aber keine Langeweile auf, denn Lewis Teague, der Regisseur, fand einen guten Mix aus Action und Leerlauf.

Schauspielerisch tun sich alle allerdings nicht viel. Micheal Biehn spult souverän seine Rolle runter, kommt dabei aber wie immer symphatisch rüber und gibt somit den geborenen Leader der Seals ab. Überhaupt finde ich es schade, dass seine Karriere nie so richtig in Fahrt gekommen ist. Charlie Sheen hat mit seiner aufgedrehten Art und den überklugen Sprüchen ein bisschen was von Topper Harley aus Hot Shots an sich und ist immer kurz davor, dass er anfängt zu nerven. Der Rest ist größtenteils nur dazu da, damit man ein komplettes Team zusammen hat, in dem Jeder einen coolen Spruch raushauen darf.


Aber kommen wir lieber mal zu dem Teil des Films, um den es sich neben den Werbeeinlagen hauptsächlich dreht: Die Action. Ob in Beirut, irgendwo im nahen Osten oder einfach nur auf dem Golfplatz mit Kollegen: Überall werden dem Zuschauer ein paar nette Stunts geboten. Gerade der letzte Einsatz im erwähnten Beirut hat fast kein B-Movie-Charakter mehr. Die Kulissen sind zwar vorher schon sehr authentisch, aber dieser abschließende Straßenkampf ist der Wahnsinn. Dreckig, fies und unbarmherzig! Gestorben wird dabei auf beiden Seiten und sowohl die bösen Terroristen (natürlich viel, viel mehr), als auch die Seals (natürlich nur ein paar) verlieren Leute im ausufernden Kugelhagel. Schade fand ich allerdings, dass es den Sniper mit dem Codenamen "God" (Bill Paxton) erwischen musste... okay, er war eigentlich unnütz, bis auf seinen Auftritt mit den Scharschützengewehr. Per Infrarot rotzte er seine Gegner durch Meterdicke Wände weg! Ansonsten muss noch bemerkt werden, dass Wert auf halbwegs korrekte Waffenhandhabung und sogar ein bißchen auf Taktik geachtet wurde. So trotten die Seals auch nicht aufrecht stehend und locker aus der Hüfte ballernd wie Halbstarke Affen gemächlich durch die Krisengebiete, was ich persönlich sehr erfrischend fand.

Fazit:
Fans von Propagandafilmen werden "Navy Seals" auf jeden Fall lieben! Alle anderen sollten die Finger davon lassen. Was hier betrieben wird, ist reine Werbung für die Navy und das amerikanische Militärsystem. Dabei sind die Seals immer die besten der besten der Allerbesten, die immer ganz alleine irgendwo unterwegs sind, um die Welt zu retten. Als Genrefan kriegt man hier eine kleine Perle des Actionfilms zu sehen, bei dem man sich entspannt zurücklehnen kann und sein Hirn die nächsten 100min. nicht mehr benutzen braucht. Beim Geballer wirkt alles sehr authentisch, die Explosionen sind groß, die leergeschossenen Magazine reichlich und die Oneline richtig dick auftragen. Reinrassiges Macho-Actionkino auf den Pfaden der 80iger! 4 Logos!!!

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