Death Race 2000

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Release: 1975
deutscher Titel: Frankensteins Todesrennen



Jack Logan: Hallo, ich bin Jack Logan und bei mir ist Sam Burton. Wir haben uns hier eingefunden, um ein wenig über verschiedene Filme zu plaudern und zu diskutieren. Gleich mit unserem ersten Film wollen wir tief in die Abgründe der menschlichen Schaffenskraft eindringen und uns näher mit dem Genre des Trashs auseinander setzen.

Sam Burton: Das ist korrekt. Es handelt sich bei angesprochenem Film und keinen anderen als DEATH RACE 2000 aus dem Jahre 1975, auf deutsch FRANKENSTEINS TODESRENNEN, den man zu recht als Perle dieses Genres bezeichnen kann. Paul Bartel, der später den indirekten Nachfolger CANNONBALL drehte, führte Regie und kein geringer als Roger Corman zeigte sich als Produzent verantwortlich.

JL: In den Hauptrollen sind nebenbei bemerkt David Carradine und, man höre und staune, Sylvester Stallone zu finden. Stallone, der zwei Jahre später mit Rocky in die Oberliga Hollywoods aufstieg, muss sich hier noch mit einer eher zweifelhaften Charakterrolle zufrieden geben. Dazu kommen wir aber später noch. Sam, worum geht es überhaupt in diesem filmischen Machwerk?

SB: Tjaaa, worum geht es im Film DEATH RACE 2000? Bei diesem Werk handelt es sich, wie man bereits dem deutschen als auch dem Originaltitel entnehmen kann, in erster Linie um einen Renn-Film. Wer allerdings nun erwartet, auf einen Streifen alá Tage des Donners, Indianapolis oder The Fast and the Furious zu stoßen, wird bitter enttäuscht werden. Denn auf der Strecke zwischen dem Start, New York, und dem im Film als New Angeles bezeichneten Ziel zählt nicht nur die beste Zeit allein, sondern auch, wie viele Zusatzpunkte die Teilnehmer erreichen können. Zusatzpunkte wirst du Dich jetzt fragen? Ganz genau: Das töten von unbeteiligten Passanten bringt den tapferen Teilnehmern dieses gefährlichen Rennens quer durch Nordamerika je nach Alter und Geschlecht Punkte. So treten 5 Fahrer inkl. Navigatoren bei dem als "Transkontinentalen Strassenrennen" an, um den Titel zu gewinnen und als zusätzliches Schmankerl dem Präsidenten der Vereinigten Provinzen die Pfote zu polieren. Nun Jack, nur was wurde aus den Vereinigten Staaten, und wie kann es seien, dass man wahllos Passanten über den Haufen fahren darf?

JL: Genau die Sache mit der Pfote polieren ist der ausschlaggebende Punkt für Frankenstein (DavidCarradine), den mehrmaligen Gewinner des Rennens und absoluter Publikumsliebling. Er ist durch seine vielen Unfälle quasi ein lebendes Ersatzteillager geworden. Ob ein neuer Arm, mit dem er sekundenschnell schalten kann, oder gleich den halben Schädelknochen, bei Frankenstein wurde schon so einiges erneuert. Das ist auch der Grund, weshalb er in einem hautengen schwarzen Latexanzug durch die Gegend läuft, sein Gesicht unter einer Maske verborgen und irgendwie wie ein Mitarbeiter in einem SM-Studio aussieht... Trotzdem fährt er aber wieder, denn er verfolgt einen Plan der unmittelbar mit Mister Präsident zu tun hat, der im Film tatsächlich nur Mr. Präsident heißt. Ansonsten hätten wir da noch Machine Gun Joe (Sly Stallone), der einen äußerst aufbrausenden Charakter hat, was zusätzlich durch das auf dem Fahrzeug montierte 2m Bajonett unterstrichen wird. Ferner besitzt sein Fahrzeug statt Scheinwerfer Maschinengewehre - hoffentlich kommt er nicht in einen Tunnel. Die restlichen Fahrer, die Nazi-Hunnin Matilda, das Cowgirl Calamity Jane und Nero the Hero, alle mit entsprechenden Vehikeln (Matilda fährt eine umgebaute V2, Calamity Jane einen Plasik-Ochsen-Renner und Nero eine Art Streitwagen auf einer Corvette), bekriegen sich permanent gegenseitig und dienen dem Film zur allgemeinen Erheiterung. Aber um auf deine Frage zurückzukommen, was im Ami-Land schief gelaufen ist: Der gute Mister Präsident herrscht über die neuen USA, wie es sich ein George W. Bush oder Ronald Reagan wohl nur gewünscht hätten. Er selbst tritt i.d.R. nur auf Videoleinwänden in Erscheinung und mimt gerne den Vater der Nation. Tatsächlich ist das Land aber völlig - entschuldige den Kraftausdruck - im Arsch. Angedeutet herrscht ein totalitäres System das von den Medien in Schach gehalten und kontrolliert wird. Das DEATH RACE ist das einzige große Unterhaltungsspektakel und verläuft klar nach dem Motto "Je Menschenunwürdiger desto höher sind die Einschaltquoten und desto mehr Spaß haben die Zuschauer". Es ist Ausdruck für eine Gesellschaft, der wir uns in unserer Zeit langsam annähern, wie ich finde, und gerade deshalb ist diese versteckte Aussage der Sensationsgeilheit in diesem Trashfilm absolut zeitlos.

SB: Genau der Meinung bin ich auch, allerdings muß ich dem hinzufügen, dass die versteckte Aussage teilweise zu versteckt ist. Der ungeübte Trashfilm-Schauer, wie meine Wenigkeit, der zuvor nur wenige Erfahrungen machen konnte mit Filmen wie diversen Godzilla-Versionen, Godzilla's Sohn oder Godzills's degeneriertem Cousin 4ten Grades, wird bereits in den ersten Minuten mit der puren Ladung Trashes konfrontiert. Keine leichte Sache.

JL: Da hast du wohl Recht. Ich wollte nur kurz darauf hinweisen - näher zu behandeln brauchen wir gesellschaftskritische Punkte allerdings nicht mehr, denn DEATH RACE 2000 ist und bleibt purer Trash. Wobei vielleicht noch kurz auf die Untergrundbewegung hingewiesen werden müsste, die erstens versucht, das Rennen zu sabotieren und zweitens Mr. Präsident loszuwerden. So tiefgründig Ihre Absichten seien mögen, umso bescheuerter sind ihre Sabotageaktionen. Es wird sogar versucht, Frankenstein selbst gegen einen Doppelgänger auszutauschen, doch die schlechte Kopie wird vom Weltklassefahrer sofort und rücksichtslos gepunktet. Das Beste an dieser Sabotagegruppierung ist, dass sie ihre Aktionen völlig unbehelligt durchführen kann, denn Mr. Präsident schiebt alle Sabotageakte auf die hinterhältigen Franzosen... ja genau, richtig gehört!

SB: Oh ja, da ich gelacht!

JL: Erfolgt verspricht sich die Bewegung schließlich durch eine eingeschleuste Spionin, die als Navigatorin bei Frankstein mitfährt. Jedoch muss sie bald erkennen, dass er selbst Ziele verfolgt, die denen der Untergrundbewegung nicht unähnlich sind.

SB: Frankenstein - organisiert und mit klarem Konzept - will, in dem er seine Hand, die durch eine Handgranate ersetzt wurde, beim Händeschütteln mit Mr. President alles in die Luft jagen und das Land auf diese Weise befreien. Lassen wir das Debakel kurz außer acht, wo der Doppelgänger einfach von seinem Original in die ewigen Doppelgänger-Jagdgründe geschickt wird, sind die Aktionen der Untergrundbewegung durchaus sehr erfolgreich - und da beginnt sich der Zuschauer auch zu fragen, ob der Film Ihn nicht einfach verarschen will. So stürzt unsere Arier-Prinzessin Mathilde samt Naviator und VII durch einen aufgemalten Tunnel einen 100 Meter tiefen Abhang hinunter (zugegeben, die Explosion war ganz nett), scheidet Nero the Hero durch eine Baby-Bombe aus dem Turnierverlauf aus, ach ja auch aus dem Leben (wieder ne nette Explosion). Und unsere Frau am Steuer, Calamity-Jane, deren Navigator von Machine Gun Joe zu Punkten verarbeitet wurde, scheitert beim Einparken auf einer Landmine. So bleibt unser Augenmerk auf die beiden letzten Fahrer gerichtet. Nun fragt man sich, nachdem man Frankensteins Motiv bereits kennt (Mr. President ermorden), was Silvester Stallones allais Machine Gun Joe Viterbo's (allein der Name verdient einen Oscar) Motiv ist. Mir würde es speziell Geld oder Ruhm einfallen, aber auch hier wird der Zuschauer überrascht. Joe fährt für den Hass! Ja, für den HASS! Dazu fällt mir nichts mehr ein...

JL: Auch wenn sein Charakter zweifelhafte Motive hat, ist Stallone doch völlig in seinem Element: Rumbrüllen, fluchen, sich daneben benehmen. Nur das er mal das Arschloch spielt ist ungewöhnlich, aber schließlich befinden wir uns noch nicht in den Zeiten von Rocky und Rambo und Stallone war auf - milde ausgedrückt - fragwürdige Rollen angewiesen. Wo ich aber gerade bei fragwürdigen Rollen bin: Wie es sich für einen echten Trashfilm aus den 70igern gehört, wird auch viel wert auf nackte Haut gelegt. Ob Navigatorin, Fahrerin, Haupt- oder Nebendarstellerin, alle weiblichen Charaktere in diesem Film sind eigentlich nur Objekte, die neben ein bisschen Zickenterror jedoch mit ihren Reizen zu überzeugen wissen.

SB: Und natürlich dienen als die Mädels auch Knutschibärchen für unser aller Liebling David Carradine (RIP). Der bestreitet seine einsame Mission mit stoischem Blick, legt zwischenzeitlich seine Navigatorin flach und punktet gemeine Krankenschwestern, anstelle von unschuldigen Rohlstuhlfahrern. Ja, David hält eben gerne die Moralflagge hoch, sofern man beim dem Film überhaupt von Moral sprechen kann.

JL: Weiß du Sam, man sollte wie gesagt nicht so viel in den Film hinein interpretieren, sondern sich lieber als über Kopf hineinstürzen. Nur so entfaltet er seinen vollen Wahnsinn. Nur so kann man diese Trashgranate in sich aufsaugen, genießen, sich vom ihr verwöhnen lassen! Jedenfalls sofern Trashgranaten weiblichen Charakter besitzen...

SB: Auch wenn du damit vollkommen recht hast, machst du mir gerade ein wenig Angst! Eh... wie siehts mit einer Wertung aus? Ich meine, damit wir hier ganz schnell zum Ende kommen. Volle Punktzahl mit einem dicken Trash-Warnhinweis dahinter?

JL: Auf jeden Fall!

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