Exit Wounds

(klicke aufs Cover für mehr Infos)

Release: 2001

'What Can Two Men Do Against A Gang Of Crooked Cops?
Whatever It Takes.'

Steven Seagal ist Orin Boyd, ein draufgängerischer Polizist in New York, der ab und zu seine Kompetenzen überschreitet und sich auch gerne mal eindeutigen Befehlen seiner Vorgesetzten widersetzt. Klar, dass eine Degradierung nicht lange auf sich Warten lässt. Nicht nur das sich Boyd plötzlich als Ampelersatz auf einer Kreuzung wieder findet, er muss auch noch an einem Aggressionsabbauseminar teilnehmen. Als er schließlich in die Schusslinie einiger korrupter Polizeikollegen gerät und anfängt auf eigene Faust zu recherchieren, ist die Kacke bald am Dampfen. Freunde werden zu Feinden, Feinde zu Freunde und mitten drin ist
Orin Boyd, der sich mit coolen Moves, Faustschlägen oder roher Waffengewalt immer wieder aus den übelsten Situationen retten kann.

Niemand anderer als John Silver zeigt sich für diese Produktion verantwortlich und vermutlich ist das auch der Grund, warum sich der Streifen endlich mal wieder über die Durchschnittlichkeit der voran gegangenen Seagalstreifen erheben kann (vor allem über The Patriot). Einzig das Drehbuch ist mal wieder dürftig geraten. Da gibt’s zum Beispiel Kokaintransporter, bei denen das Zeug in nasse T-Shirts aufgesaugt wird oder dicke Logiklöcher und Handlungswendungen, die wie ein Schlag ins Gesicht wirken. Wie kann ein ausgebrannter Cop seine bis zum geht nicht mehr aufgemotzte Karre (ein El Camino) schrotten und zwei Szenen weiter vor seinem Hausboot einen nagelneuen dicken Jeep stehen haben, auf dem quasi noch das „Zu Verkaufen“-Schild klebt? Naja, was soll, deswegen guckt man sich einen solchen Film eh nicht an, oder?!

Steven Seagal selbst hat diesem Film übrigens einiges an Verantwortung einbüßen müssen. Keine Mitarbeit am Drehbuch, er tritt nicht als Produzent auf und hatte mit Sicherheit auch kein Mitspracherecht bei den Actionszenen. Lord Steven musste außerdem für Exit Wounds ordentlich abspecken und um ihn Neuzeit tauglicher zu machen, musste der Pferdeschwanz dran glauben. Bei Actionszenen wurde der Lord nebenbei bemerkt auch dass erstmal mit Wirework konfrontiert, worauf er vorher immer verzichtet hatte. Das tut dem Filmspaß aber keinen Abbruch - im Gegenteil - und genau das sollte eigentlich zu denken geben...

Außerdem verkörpert Seagal diesmal nicht seinen klassischen Ex-CIA-FBI-Sonst-Was-Supermacho-Charakter, sondern ist durchaus verwundbar und muss auch schon mal ein paar ordentliche Schläge einstecken – sowohl physisch als auch psychisch. Als (ungewohnter) Ausgleich wurden ihm ein paar lustige Szenen aufs Auge gedrückt, die zwischendurch für den oder anderen Schmunzler sorgen (wie zum Beispiel die Wuttherapie, in der er nach einem lockeren Spruch die komplette Sitzbank auseinander nimmt). Vor allem durch sein markantes Steingesicht und den immer gleichen Gesichtsausdrücken funktionieren diese trockenen Humoreinlagen wunderbar!

Trotz dieser kleinen Lacher auf Seiten des Lords ist es nicht verwunderlich, dass Seagal am Set meistens anpisst rumlief und zwischendurch auch schon mal etwas zu hart mit diversen Stuntleuten umging, was letztenendes sogar zu einer Klage führte (oder vertue ich mich da gerade mit einem anderen Streifen?). Überhaupt soll laut Produzent Silver die Arbeit mit Herrn Seagal schwierig gewesen sein, eben wegen den oben erwähnten nicht existenten Mitspracherechten.

Andrzej Bartkowiak drehte übrigens noch zwei weitere Filme mit fast derselben Besetzung: „Romeo must die“ und „Born 2 die“, beides ebenfalls sehenswerte Actionstreifen. Anthony Anderson und Tom Arnold kommen in allen drei Filmen vor und dürfen immer ordentlich rumblödeln (böse Zungen behaupten, dass ihr Gespräch im Abspann von Exit Wounds die beste Stelle im Film sei… na ja, lustig ist sie definitiv). Ansonsten durfte auch DMX nochmal die Hauptrolle übernehmen und an der Seite von Jet Li böse Jungs verprügeln. Man könnte auch soweit gehen und die Streifen die Bartkowiak – Triologie nennen, denn alle beschäftigen sich mehr oder weniger mit den gleichen Themen.

DMX liefert an Seagals Seite mit Exit Wound einen positiven Einstieg ins Filmbuisness ab. Hätte ich so von einem Musiker (dürfen sich Rapper Musiker nennen?) jedenfalls nicht erwartet. Sowohl schauspielerisch als auch bei Actionszenen macht er eine gute Figur, was er bei seinen nachfolgenden Filmproduktionen ebenfalls unter Beweiß stellen durfte. Da sich DMX und Seagal die Screentime bei Exit Wounds in etwa teilen, sich DMX aber schon aufgrund seines erwähnten positiven Eindrucks mehr als Seagal in den Vordergrund stellt, tauchten nach der Premiere des Streifens sogar ein paar Berichte auf, die den Lord nur als Nebendarsteller und DMX als Hauptdarsteller benannten. Ein paar Songs steuerte er nebenbei auch noch bei, die wunderbar die urbane Atmosphäre unterstreichen.

Was den Film aber wirklich ausmacht, sind die hervorragenden Actionszenen. Schon direkt am Anfang gibt es ein heftiges Feuergefecht auf einer Brücke, inklusive Helikopter (den Lord Steven unrealistischer Weise ganz locker mit einer Knarre vom Himmel holt). Zwischendurch darf sowohl der Lord als auch DMX ne Menge böser Jungs verprügeln, wobei gerade bei Seagal das erwähnte Wirework zum einsatz kommt, um ihn allen Gesetzen der Schwerkraft zum Trotz durch die Luft wirbeln zu lassen. Leider geht dabei auch die raue, direktere Art zu kämpfen verloren, die Fans in älteren Filme wie „Out for Justice“ oder „Marked for Death“ so sehr geschätzt haben.
Alles in diesem Film soll eben mehr ein größeres Mainstreampublikum ansprechen und nicht mehr nur den Action-Nerd. Sehr eindrucksvoll inszeniert finde ich auch immer wieder die Verfolgungsjagd durch die Stadt oder den Kampf in einem umgestürzten Van, der kopfüber eine Straße runterrutscht. Bei diesem Stunt kam leider auch einer der Stuntleute ums leben.
Gegen Ende darf der geneigte Zuschauer dann noch eine deftige Schießerei in einer Lagerhalle bestaunen, in dem ein paar nette Inszenierungen geboten werden. Hier prügelt sich der Lord unter anderem mit riesigen Papierschneideklingen und DMX feuert eine Pumpgun mit einem um den Abzug gebundenen Gürtel ab. Hat man so auch noch nicht gesehen und zaubert Genrefans mit Sicherheit ein Lächeln ins Gesicht.

Fazit:
Mit Exit Wounds schuf
Andrzej Bartkowiak einen ungewöhnlichen Seagalstreifen, der dem Lord den kurzen Rückzug ins Kino ermöglichte. Er hätte diesen Erfolg richtig nutzen und nicht so eine Gurke wie „Halb tot“ nachschieben sollen, die seinen Untergang in die DTV-Ära endgültig besiegelte.Bartkowiak weiß seine Actionszenen gut zu choreografieren und beweißt hier wiederholt seinen Einfallsreichtum. Auch wenn die Handlung manchmal verwirrt und Logiklöcher vorhanden sind, können die Actionszenen, die in regelmäßigen Abständen gut über die Filmlänge verteilt sind, das Ruder immer wieder herumreißen. Mit den Quasselstrippen Anderson und Arnold ist für Humor gesorgt und sogar der Lord darf für den ein oder anderen Lacher sorgen. Sowohl der mal wieder schlanke Seagal, als auch der bis dato im Filmgeschäft unbekannte DMX machen hier ne richtig gute Figur und liefern am Ende ein sehenswertes Duo ab. Exit Wounds ist somit höchst unterhaltsames Actionkino, zwar ohne irgendwelche Handlungstiefen, aber dafür ein Spaßgarant für alle Actionfans. Auch wer nicht so gut auf Steven Seagal zu sprechen ist, sollte sich diesen Streifen definitiv mal zu Gemüte führen. 4,5 Köppe!


, 5

Keine Kommentare: