Six String Samurai

(klicke aufs Cover für mehr Infos)

Release: 1998

1957 fiel die Bombe und die Russen kamen, um sich zu nehmen was von den Vereinigten Staaten von Amerika noch übrig war. Nur in einer Stadt herrschte Freiheit - Lost Vegas! Und Herrscher über Lost Vegas war Elvis, der King of Rock'n'Roll höchstpersönlich. Doch eines Tages starb der King und es wurde ein neuer Herrscher gesucht. So machen sich aus dem ganzen Land die besten schwertschwingenden Gitarrenhelden auf den Weg, um der neue König von Lost Vegas zu werden. Selbst der Tod macht sich auf, den Thron zu besteigen und schaltet zwischendurch alle Anwärter aus, die ihm vor die Flinte/ den Bogen laufen.

Buddy (Jeffrey Falcon, sieht im Film aus wie Buddy Holy) will ebenfalls auf den Thron und er lässt sich von seinem Gig in Vegas durch niemandem aufhalten, denn er ist der Beste. Jedenfalls lässt er sich nicht aufhalten, bis er den großen Fehler macht und nen kleinen Jungen vor ein paar grunzenden Neandertalern rettet. Von da an hat er die Göre an den Fersen kleben und strauchelt nebenbei von einer Auseinandersetzung in die nächste. Da wären zum Beispiel ein Gruppe von Kopfgeldjägern in Bowlingklamotten, die bereits erwähnten Neandertaler, mutierte Astronauten, das gefürchtete Spinatmonster (!), durchgeknallte Russen und natürlich der Tod persönlich, gegen den er im Finalkampf - Rock'n'roll vs. Heavy Metal - antreten muss. Doch Buddy lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Wenn er nicht gerade in seinem abgewetzten Anzug und seinem halb auseinander gefallenen Schirm durch die Wüste rennt, während er versucht den immer nur rum schreienden Jungen loszuwerden, schnetzelt er mit seinem Samuraischwert, welches er auf dem Rücken seiner Gitarre befestigt hat, alle Gegner nieder, die sich ihm in den Weg stellen.


Mit einem Budget von ca. 2 Millionen Dollar (Quellen weichen ab) ist "Six String Samurai" ein absoluter Low-Budget-Film, den Jeffrey Falcon und sein Kumpel quasi im Alleingang hochgezogen haben. Falcon, der vorher meist kleinere Nebenrollen in irgendwelchen asiatischen Klopperstreifen übernommen hat, ist hier gleichzeitig als Hauptdarsteller, Produzent, Drehbuchautor, Stuntkoordinator, Choreograf und Bühnenbildner tätig gewesen. Bei seinem Kumpel, Regisseur Lance Mungia, sah es nicht viel anders aus. Einer von beiden (ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht mehr wer) hat sogar seine Anteile an einer Spielzeugfabrik in China verkauft (muss wohl Falcon gewesen sein), um den Film überhaupt fertig stellen zu können.

Was allerdings bei dieser Unternehmung herauskam, ist ein Film, der seines gleichen sucht. Man hat es hier mit einem Streifen zu tun, der zwar durch und durch auf Endzeit getrimmt, aber durch seine total abgedrehte Story absolut unvergleichlich ist.

Mungia, der danach nur noch "The Crow: Wicked Prayer" drehte, zeigt hier, wie man aus wenig Geld viel machen kann. Zwar wirkt die Optik teilweise wegen des niedrigen Budgets sehr trashig, aber die geschickte Inszenierung und die sichere und teils ungewöhnliche Kameraführung lassen das schnell vergessen. Hinzukommt die Optik, die durch und durch eine endzeitliche Atmosphäre verbreitet: Bars in zerfallenen Ruinen oder lange Märsche durch Canyons, Wüsten oder Schrottplätze - hier ist absolut nichts mehr intakt, nicht mal Whiskeygläser! Haupt- wie Nebendarsteller sehen grundsätzlich aus, als hätten sie seit Monaten nicht geduscht und dazu noch kein Plan von Nadel und Faden... wahrscheinlich gibt’s so was auch nicht mehr.
In jeder Szene ist jedenfalls das viele Herzblut, welches Falcon und Mungia in ihr Projekt investiert haben, deutlich zu spüren. So ist Falcon selbst auch hoch motiviert dabei und stellt in den immer wiederkehrenden Nah- und Schwertkampfeinlagen sein Können unter Beweis.


Die Story ist wie bereits erwähnt richtig schön durchgeknallt. Allein die Grundidee, dass nach einem Atomkrieg der neue King von Lost Vegas gesucht wird und sich Buddy auf den Weg macht, hat mich damals dazu gebracht, mir den Film zu besorgen. Alle paar Minuten bekommt man entweder irgendeinen lockeren Spruch von Buddy zu hören, schön in Szene gesetzte Umgebung zu sehen oder einen neuen, noch bekloppteren Gegenspieler als den vorherigen vorgesetzt. Bei allen Charakteren ist ein ordentliches Maß an Overakting festzustellen - sowohl bei Buddy, der kleinen Göre und allen anderen Typen - was stimmig ist. Ernsthafte Schauspielerei kann hier sowieso nicht erwarten. Abgerundet wird die Gesamtinszenierung durch rockige Musik von den Red Elvises (die auch einen Gastauftritt im Film haben), eine Mischung aus russischer Folklore und fetzigem Rock'n'roll. Echt cool!

Bei der Action ist dann allerdings das knappe Budget am deutlichsten zu erkennen. Zwar wirbelt Buddy quasi ununterbrochen mit Schwert, Gitarre, Fäusten und Füßen um sich und verdrischt jede Menge fieser Typen, aber der Gewaltgrad ist kaum höher, als bei der Sendung mit der Maus (weshalb der Film wohl auch ab 12 ist). Wer also einen schlitzigen Splatterstreifen erwartet, in dem Körper per Schwert in zwei Teile zerschnibbelt werden, ist hier auf dem Holzweg. Jedoch sind die Kämpfe durchweg so gut choreographiert (der Kampf gegen den Tod am Ende des Films ist schon fast episch!), dass man als trash-liebender Filmegucker locker darüber hinwegsehen kann. Im Übrigen hätten ausufernde Splattereinlagen den Film nicht besser gemacht - im Gegenteil - wahrscheinlich wäre dadurch die Story viel zu sehr in den Hintergrund gerückt worden.


Fazit:
Schnell, verrückt, solide, dass alles ist Six String Samurai - am ehesten zu bezeichnen als trashiger post-apokalyptischer-Rock'n'Roll-Eastern-Endzeitfilm! Jeffrey Falcon beweist seine Martial Arts Fertigkeiten und Mungia sein Können als Regisseur. Die herrlich abgedrehte Handlung, die darin vorkommenden Charaktere und der niedrige Bekanntheitsgrad heben den Film in meinen Augen auf Kultstatus. Nervig empfand ich eigentlich nur den Jungen, den Buddy die ganze Zeit Arsch kleben hat. Die meiste Zeit gibt das Balg nur Schreilaute von sich und das nervt nicht nur Buddy im Film, sondern irgendwann auch den Zuschauer. Kampfeinlagen, Story und das ganze Drumherum können aber zum Glück meistens wieder davon ablenken. Six String Samurai ist ein echter Geheimtipp und ich lege diesen Film jedem ans Herz, der auf Endzeit, Trash und generell verrückte Film steht. Leute, ihr werden den Streifen lieben! 5 trashig endzeitliche Affenschädel!!!

Kommentare:

Shane Schofield hat gesagt…

Menschen die SIX STRING SAMURAI gut finden, sind automatisch meine Freunde und werden auch bei mir verlinkt. Das nur mal zur Info*gg*(Da ich schon verlinkt bin, hätte ich es natürlich so oder so gemacht...)

Doc Savage hat gesagt…

*hehe*

Yeah!

Danke für die Verlinkung ;)

Horst Hintereisen hat gesagt…

More of this stuff! Staune immer wieder, wie wenig diesen genialen Film kennen... und verstehen (100e Anspielungen, 2-Deutigkeiten).

Empfehlung an jeden, der etwas fürs Trash-Film, Indie-Film, Endzeitfilm oder eben Kunstfilm-Genre übrig hat.

Nicht empfohlen für Mainstream-Junkies, die Hollywoodcrap á la Spiderman xx, Badman xx ... erwarten.