My Name is Bruce

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Das Fantasy Filmfest ist vorbei und und damit – um das gleich mal vorweg zu nehmen – auch die letzte Chance, Bruce Campbell auf der großen Leinwand zu sehen! Eine DVD wird sicher noch kommen, aber wenn ich da so an „Bobba Ho Tep“ denke, bei dem eine deutsche DVD Auswertung mehrere Jahre auf sich warten ließ… naja, lassen wir das. Wie dem auch sei: Mit „My name is Bruce“ hat sich Bruce Campbell selbst ein Denkmal gesetzt und der Applaus am Ende der Vorführung war absolut berechtigt.

Bruce Campbell spielt Bruce Campbell, einen mittlerweilen erfolglosen und völlig ausgebrannten B-Movie darsteller, der sich an seinen längst Vergangenen guten Ruf klammert und dazu verdammt ist, noch miesere Fortsetzungen zu miesen Filmen zu drehen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob er durch eine Puppe ersetzt wird, die todesmutig auf einen Plastimutant geworfen wird. Zwar hat er immer noch eine Menge Fans, hält sich selbst aber für was besseres und geht dementsprechend ruppig und großkotzig mit ihnen um. Großkotzig und Überheblich, dass sind übrigens Begriffe die am besten auf den „My Name is Bruce“-Campbell zutreffen. Immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen, durchgehend schlecht gelaunt und grundsätzlich abwertend über alles und jeden sprechend, haust er in einem Wohnwagen und fröhnt zusammen mit seinem Hund dem Alkohol.

"Come on, buddy! Hooch for the pooch!"

Doch nachdem ein paar Jugendliche auf einem chinesischen Friedhof den chinesichen Gott und Wächter Guan-Di wiedererweckt haben, nimmt das Schicksal seinen Lauf. Einer der beiden Jungs, der größte Fan von BC, enführt seinen Helden kurzerhand, damit er gegen Guan-Di antreten kann. King Campbell hat natürlich keine Ahnung, auf was er sich da einlässt. Eigentlich macht er nur mit – wie sollte auch anders sein – weil er sich die Dorfschönheit verguckt hat. Anfangs geht er noch von einem Scherz aus, doch dann verlässt ihn ziemlich schnell seine Furchtlosigkeit und schließlich kommt auf dem Boden der Tatsachen an und… kämpft!

"It's time to do some Pearl Harbor on that demon ass!"

Nicht zu fassen, was Mr. Boomstick himself hier für eine Show abzieht. Dabei steht natürlich nur einer im Mittelpunkt, nämlich er selber. In einer Mischung aus Selbstbeweihräucherung und Verarschung der eigenen Person, nimmt er nebenbei noch den ein oder anderen seiner eigenen Filme und das gesamte B-Film-Genre auf die Schüppe. Zusammen mit seinem bekannt-beliebten Overacting ergibt das eine Explosive Mischung aus locker aus der Hüfte geschossenen Sprüchen und verrückten Situation. Die kommen dann auch gleich allesamt in altbekannter Form daher. Soll heißen es folgt ein Insider dem nächsten. Auch an etlichen Szenen hat man sich bedient und es wird den Fans wirklich nicht leicht gemacht, was wo und wann ein Tribut an alte Werke darstellt.

"~Guan-You, Guan-me, Guan-Di, Guan-Di was his name.~"

Die Story dagegen ist bekannt und ist wohl noch am ehesten mit z.B. „Galaxy Quest“ zu vergleichen. Jedoch tut das eigentlich nichts zur Sache, denn sie ist eh nur dazu da, damit sich BC in seiner ganzen verrückten Schaffenskraft ausleben kann. Campbell ist so gut drauf, wie zu seinen besten Zeiten und genau das macht den Film zu keiner Zeit in irgendeiner Weise langweilig. Als weiteres Highlight (neben Bruce natürlich) gibt es noch ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Da wäre z.B. der Schmied aus „Army of Darkness“ oder Ted Raimi, der gleich in drei Rollen gleichzeit durch Bild wuselt – eine Rolle bekloppter als die andere (kann und will ich jetzt gar nicht weiter beschreiben).

Fazit:

Die One-Man-Show von Bruce Campbell ist eine wahre Pracht für alle Fans, die nach Begutachtung mit Sicherheit das Gefühlt nicht mehr los werden, dass der Streifen nur für sie erschaffen wurde. Überall ist mit aller Kraft versucht worden, den Fans so viel Bruce Campbell und so viel Bruce-Tribut wie möglich zu bieten. Das ganze wirkt jedoch nicht aufgezwungen oder abgedroschen, sondern durchgehend frisch und unverbraucht. Dabei ist es einfach herrlich, wie viel Selbstironie Mr. Campbell an den Tag legen kann. Er liefert hier den eindeutigen Beweiß, dass er erstens noch lange nicht zum alten Eisen gehört, zweitens jede Menge Talent und einen ausgeprägten Sinn für Humor hat und drittens nicht nur auf seine B-Filme reduziert werden sollte. Bruce Campbell kann mehr, lautet der Ausruf!
Ich gebe zu, dass ich ein großer BC-Fan und daher den Film gar nicht genug loben kann, aber bis auf ein paar wenige Hardcore-Insider-Gags werden über „My Name is Bruce“ auch Menschen lachen können, die noch nichts mit dem Chin-King zu tun hatten. Vorraussetzung ist eigentlich nur eine gewisse Liebe zum Trashfilm und ein entsprechend schräger wie schwarze Humor (was eigentlich meistens einhergeht ;).


Volle Affenkopfpunktzahl! Hail to the King, Baby!




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