Belly of the beast

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"A Father's Rage knows no limits!"

Release: 2003


Steven Seagal spielt Jake Hopper, einen Ex-CIA Agenten, dessen Tochter zusammen mit der Tochter eines Senators bei einem Urlaub in Thailand von einer muslimischen Terrorgruppe entführt wird. Kurzerhand entschließt er sich, die Mädchen selber zu retten und deckt dabei mehr als nur eine einfache Entführung auf. Der fiese General Jantapan hat die Entführung durch die Terrorgruppierung nur vorgetäuscht und hält die Mädels bei sich zu Hause gefangen. Insgeheim hofft er nämlich, dass die USA ihn mit Truppen unterstützt, um so ein für alle mal gegen die Terroristen vorgehen zu können. Doch natürlich hat er seine Rechnung ohne Hopper und seinen CIA Kumpel Sunti gemacht! Gemeinsam und mit göttlich-buddhistischer Unterstützung, die Hopper tatsächlich vor bösen Thai-Voodoo beschützen kann, walzen sie alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt, bis sie schließlich Jantapan gegenüberstehen.

Na geht doch! Es ist tatsächlich möglich, die Story nachzuvollziehen und akkurat zusammen zufassen, auch wenn die gesamte Handlung wieder völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Das ist bei einem der späteren Werke (z.B. Submerged) ja nicht mehr selbstverständlich. Wäre es kein Seagalstreifen, wäre der ganze Buddha-Voodoo-Quatsch mit Sicherheit überflüssig gewesen, aber da sich der Lord so stark dem Buddhismus verpflichtet fühlt und der Film auch noch in Thailand spielt, sollte man sich über den Schuss Mystik nicht all zu sehr aufregen und das ganze einfach hinnehmen. Hauptkritikpunkt - neben ein paar wirklich beknackten Logiklöchern und „What-the-fuck“-Momenten, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen will - an der seichten Story ist eigentlich nur, dass sich der Lord auf die Seite der Terroristen stellt, indem er dem Anführer das Leben rettet, wohl wissend, dass die Terrorgruppierung für etliche Bombenanschläge verantwortlich ist. Hätte ich Seagal so nicht zugetraut, kämpft er doch sonst immer gegen das Unrecht. Wahrscheinlich musste er sich aber ganz einfach aussuchen, wo in diesem Fall das größere Unrecht lag. Naja, obwohl, General Jantapan hat seine Tochter in seiner Gewalt und Familie geht schließlich vor. Und wer weiß: Vielleicht kommt Jack Hopper ja irgendwann noch mal nach Thailand zurück, um den Terroristen ordentlich in den Arsch zu treten, so wie sich das gehört!

Gegen das Unrecht kämpft der Kampfbuddha übrigens dann auch in sehr eindrucksvoller Form. Kein geringer als Siu-Tung Ching übernahm hier die Regie und macht seine Sache schon aufgrund seiner Erfahrung aus Filmen wie "Hero" oder "House of Flying Daggers" richtig gut. Allein Thailands Kulisse bietet dem Regisseur enorm viele Möglichkeiten, den Film nach mehr aussehen zu lassen, als er vom Budget her sein konnte. Sein Hauptaugenmerk liegt jedoch klar auf den Actionszenen und die sind für B-Film-Verhältnisse weit über dem Durchschnitt. In langen Zeitlupeneinstellungen (vor allem beim Showdown) fängt er die Gewaltorgien super ein und lässt damit die Herzen der Genre-Fans höher schlagen. Wer „Hero“ mit Jet Li in der Hauptrolle kennt, kann sich die Actionszenen in „Belly of the beast“ ziemlich gut vorstellen, denn mit Realismus hat das ganze herzlich wenig zu tun. Nicht nur, dass oft mit Wirework gearbeitet wurde, auch choreographiert Siu-Tung alle Kämpfe in übertriebener und unrealistischer Form. So lässt er Seagal z.B. stylisch durch eine Holzwand eines Wagons hechten und noch im Flug mehrere Typen umrotzen (gefühlte 50 Schüsse ohne nachzuladen) oder gegen Ende einen Pfeil im Flug mit einem Katana spalten. Das hat natürlich nichts mehr mit seinen älteren Produktionen zu tun, in dem die realitätsnahe Härte eines Kampfes im Vordergrund stand, aber dafür sind alle Shootouts und Combats verdammt schick anzusehen.


Was jedoch bei der ganzen schicken Klopperei stört - wenngleich das einem normalen Actionfan wahrscheinlich weniger auffallen dürfte – ist die Tatsache, dass Seagal extrem oft gedoubelt wird. Das liegt hier aber eher weniger an seiner Körperlichen Form, sondern mehr an der Choreographie. Okay, sein Körperumfang hat wieder zugenommen, aber er hat zu diesem Zeitpunkt seiner DTV-Karriere noch nicht diesen müden, unmotivierten Blick in den Augen. Teilweise sind die Doppelgänger jedenfalls zu offensichtlich. Da werden zwischendurch akrobatische Einlagen von einem Seagaldoppelgänger hingelegt, dass man als Zuschauer mit Erinnerungen an des Lords Frühwerke und seine eigentlichen Fähigkeiten nur noch verzweifelnd mit dem Kopfschütteln kann. Bei aller Verzückung bei den Actionszenen, aber ein bisschen mehr Aikidokampfkunst wäre mir bei den Hand-to-Hand-Kampfeinlagen vielleicht doch lieber gewesen.


Fazit:
Steven ist gut drauf und darf in Thailand so richtig die Sau raus lassen. Auch wenn die Story bescheuert ist, dient sie als halbwegs verständlicher Aufhänger für einen vernichtenden Rachefeldzug. Regisseur und Choreograph Siu-Tung Ching lässt keine Chance ungenutzt, um den Film mit möglichst spektakulärer Action voll zustopfen, was Ihm sicherlich auch dank seiner Erfahrung bestens gelingt. Ohne großartig viel Wert auf Realismus zu legen, bedient sich Siu-Tung reichlich an Wireworks, was zusammen mit schicken Zeitlupeneinstellungen zu viel Unterhaltung bei den Fans führt. Auch wegen dem nicht unerheblichen Mystikeinfluss, dem Buddhismus-Voodoo und den übertrieben inszenierten Kämpfen gehört „Belly of the Beast“ zu den ungewöhnlichsten Filmen aus Seagals Sortiment. Und aus der Reihe seiner DTV-Produktionen mit Sicherheit zu den Besten. Knappe 4 Affenköppe!

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