Babylon A.D.

(klicke aufs Cover für mehr endzeitliche Infos)

Release: 2008

ACHTUNG: SPOILER-WARNUNG!

Wenn die Welt am Arsch ist, wenn der Baustil außerhalb großer Metropolen nur noch als Postapokalyptisch bezeichnet werde kann und größere Städte scheinbar nur noch aus Neonreklamen bestehen, dann schlägt die Zeit der Einzelkämpfer und Söldner. Und genau so einer ist Toorop (Vin Diesel). Der Ärger beginnt damit, dass Toorop mehr aus Not, als aus freiwilligen Stücken einen Transportauftrag annimmt. Transportiert werden soll die junge Frau mit dem schönen Namen Aurora (Mélanie Thierry) aus einem Kloster nach New York. Schnell wird klar, dass es sich bei ihr nicht um eine normale Frau handelt. Sie verfügt über ein enormes Wissen und kann mit Dingen umgehen, mit denen sie nie zuvor Kontakt hatte (z.B. alte russische U-Boote). Ohne jedoch viele Fragen zu stellen zieht Toorop den Transport durch, obwohl selbstverständlich jede Menge andere Leute an der mysteriösen Frau interessiert sind. Von einer misslichen Lage stolpert die kleine Gruppe in die nächste, bis sie irgendwann in New York ankommen und das Geheimnis endlich gelüftet wird.

Des Rätsels Lösung ist ebenso beknackt, wie verwirrend – jedenfalls in der Umsetzung. Aurora ist nämlich ein Klon, geboren von einem Supercomputer, mit einem Superhirn im Schädel in dem das gesamte Wissen der Menschheit gespeichert ist. Erschaffen von Ihrem „Vater“ im Auftrag einer gewissenlosen Religion/Sekte namens „Die Neoliten“, sollte sie selbiger unendliche Macht und Reichtum bescheren, da man sie als Jungfrau Maria an die desillusionierte Bevölkerung verkaufen wollte. Warum? Na, weil Aurora irgendwann mit Zwillingen schwanger wird, ohne jemals körperlichen Kontakt zu einem Mann gehabt zu haben. Auroras Vater hingegen hatte ganz andere Pläne. Seine Intention war, dass ihre superintelligenten Computerhirn-Kinder die Menschheit weiterbringen und verbessern sollten, denn im Gegensatz zu der auf der Stelle tretenden Menschheit haben sich Maschinen wenigstens weiterentwickelt. Das wird aber auch erst ganz am Ende erwähnt. Bis dahin hat weder Stiernacken Vin Diesel noch der Zuschauer irgendeinen Plan, was zu Teufel eigentlich los ist.

Ich weiß auch nicht… Babylon A.D. ist weder Fisch noch Fleisch und kann es längst nicht mit Meisterwerken wie „Blade Runner“ aufnehmen. Zwar ist es ein Endzeitfilm, der wieder einmal ein sehr düsteres Bild von unserem Planeten zeichnet und teilweise sind die Bilder dabei wirklich eindrucksvoll - die verfallenen Straßen in den heruntergekommenen Städten Osteuropas oder die strahlende Metropole New York – alles wurde mit sehr viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt. Und trotzdem verspielt der Film zu viele Chancen und Möglichkeiten. Man hat als Zuschauer nicht die Möglichkeit, sich ausreichend satt zu sehen. Zu schnell wechseln die Schauplätze, zu schnell werden postapokalyptische Kulissen verworfen, um die ohnehin schon dünne Handlung voran zu treiben und so fällt es schwer, den Detail- und Einfallsreichtum in seiner Gesamtheit zu erfassen und würdigen zu können.
Da wie erwähnt auch die Handlung nicht wirklich die einfallreichste und klügste ist, plätschert der Film in Folge dessen seicht vor hin. Die im Trailer angepriesene Action ist dabei schlussendlich auch nicht mehr erwähnenswert. Es gibt ein paar nette Explosionen und Geballer, jedoch stört die immer noch so beliebte Wackelkamera und das dazugehörige Schnittgewitter. Wem bei „Das Bourne Ultimatum“ schon schlecht wurde, wird bei „Babylon A.D.“ nach den Kämpfen und Schießereien wahrscheinlich kotzen müssen oder zumindest einen Moment lang desorientiert dreinblicken. Ehrlich, was soll das? Ist das irgendwie Spannungs- oder Realismusfördernd, wenn man als Zuschauer keinen Plan mehr hat, was da gerade passiert und erst mit Sicherheit weiß, dass der Held noch nicht erschossen oder zu Tode geprügelt wurde, wenn eine Actionszene vorbei ist? Ich glaube kaum!
Die meiste Zeit ist der Film allerdings eh durch ruhigere Töne geprägt und so fallen diese Totalausfälle nicht ganz so doll auf.

Übrigens spielt Vin Diesel seine Rolle überraschend gut. Ja, es ist eine Standartrolle für ihn. Nicht viel Sprechen, grimmig gucken, ab zu was Böses sagen und wenn es hart auf hart kommt, alles zerstören, was sich ihm in den Weg stellt. Trotzdem passt er super in diese zerfallene Welt und man hat keine Probleme, ihm die Rolle und die damit verbundene moralische Zwickmühle abzukaufen. Mélanie Thierry verkörpert auch irgendwie eine typische Rolle: Nett aussehen und ab und zu ein bisschen mit ihren Anfällen nerven. Mehr gibbet dazu nicht zu sagen.
Interessant ist noch zu erwähnen, dass es verschiedene Cuts des Films gibt: Die US-Fassung und die wesentlich längere Fassung fürs europäische Kino. Dabei wurden nach meinen bisherigen Informationen bei der europäischen Fassung trotz längerer Laufzeit sowohl eine spektakuläre Verfolgungsjagd (im Trailer gegen ende ganz kurz angedeutet) und das eigentliche Ende weggelassen, was leider zu noch mehr Unstimmigkeiten bei der EU-Fassung führt. Die US-Fassung ist dagegen wahrscheinlich um etliche Handlungsszenen gekürzt. Man kann also auf einen Super-Directors-Special-Unrated-Cut auf DVD/Bluray hoffen. Ob der Streifen zu den Filmen gehört, die auf Silberscheibe im heimischen Player besser werden als sie es im Kino waren, bleibt abzuwarten.

Fazit:
Babylon A.D. will mehr sein, als er eigentlich ist. Wenn ein Endzeitfilm schon nicht mit einer tiefsinnigen Story ausgestattet ist, sollte er wenigstens von seiner beklemmenden Atomsphäre leben können, aber auch die bleibt trotz vieler netter Einfälle auf der Strecke. Auch wenn Regisseur Mathieu Kassovitz (Die purpurnen Flüsse) eine wahnsinnige Detailverliebtheit an den Tag legt, wird man das Gefühl nicht los, dass er sich in dem Genre etwas übernommen hat. Wenigstens hat er mit Vin Diesel,
Mélanie Thierry und Michelle Yeoh die richtigen Schauspieler für den Job ins Boot geholt. Weil ich so hin und her gerissen bin, die Negativaspekte aber leider überwiegen, gibt es auch nur knappe 3 Köppe.



Keine Kommentare: