Blutrache

(klicke aufs Cover für mehr rachsüchtige Infos)

Release: 2004
Originaltitel: Dead man's shoes

Spontankauf Nummer 1
(siehe auch Spontankauf No.2 und No.3)


Gestern hab ich mich zu einem Spontankauf verleiten lassen. Ich schlenderte so durch die DVD-Abteilung als ich plötzlich dieses rot-weiße Cover sah. „Blutrache“ stand groß auf der DVD und daneben der Slogan: „Was 28 days Later für Zombiefilme war, ist Blutrache für das Rachefilmgenre!“ Rachefilm? Ja siaaa, immer her damit! Direkt abends wurde die neue Anschaffung gesichtet. Was mir dann präsentiert wurde, war allerdings schon ziemlich harter Tobak.


Die Story ist einfach: Ein zurückgebliebener Junge wird von Möchtegerngangstern/Drogendealern in einem Englisch Kleinkaff übelst seelisch misshandelt und schließlich in den Tod getrieben. Das ganze sieht man immer wieder in kurzen Flashbacks und allein das fällt schon ziemlich drastisch aus.
Ein paar Jahre nach diesem Verbrechen taucht plötzlich Richard, der große Bruder des toten Jungen auf, der bei der Armee war. Von Anfang an sinnt er auf Rache und begnügt sich zunächst nur damit, die Täter in Angst zu versetzen. Irgendwann zieht er dann los und bringt einen nach dem anderen um, ohne dabei viel Gnade walten zu lassen.


Paddy Considine, der den “Racheengel“ spielt, geht dabei derart in seiner Rolle auf, dass man den Wahnsinn, den Zwiespalt und den tosenden Hass in ihm förmlich spüren kann. Zunächst macht er fast einen friedlichen Eindruck, doch mit der Zeit baut er eine derart beängstigende Aura auf, wie man es selten bei einem Schauspieler erlebt hat. Seine Morde sind dabei sehr kühl in Szene gesetzt und dienen nicht der Effekthascherei. Sie sind nur Mittel zum Zweck, das Resultat von Richards Hass auf die Mörder seines kleinen Bruders und nicht das Hauptaugenmerk des Films.

Die Sympathien liegen dabei trotz seiner radikalen Vorgehensweise klar auf Seiten Richards, denn durch die Rückblenden auf die Misshandelungen wird sein Handeln bedingt nachvollziehbar. Irgendwann stellt der Film die Frage, wer Täter und wer Opfer ist. Wer ist die Bestie und wer der Gejagte? Sogar Richard hat am Ende Angst vor sich selber. In einem sehr emotionalen Dialog wechselt sogar die Rollen und macht sein letztes Opfer zum Täter seines eigenen Todes.

Interessante Frage: Wird der Zuschauer zum Täter gemacht, weil er den Mördern den Tod wünscht? Wird Richard, der im laufe des Films ein kleines Massaker anrichtet durch seinen Racheakt zum Märtyrer? Ich bin kein Philosoph, aber dieser Film würde sich für eine Diskussion sicherlich anbieten!



Fazit:
Das war definitiv kein Film, wie ich ihn erwartet hätte. Kein Actionkino, keine 80iger Jahre Rachestory und bestimmt kein Film, der massentauglich ins Kino gebracht werden könnte! Stattdessen ist er kantig und unbequem und gerade dadurch ein ziemlich krasses und faszinierendes Filmerlebnis, für Menschen, die auch mal einen schwerer verdaulicheren Brocken vertragen können. Ein Film der ähnlich heftig - vielleicht noch ein bisschen heftiger - unter die Haut geht, ist „Straw Dogs“. Nur ist dort die eigentliche Rache im Höhepunkt verpackt und der Film beschäftigt sich vorher ausschließlich mit den Umständen, die zu dem abschließenden Massaker führen.

Da dieser Film nichts mit Trash zu tun hat, ist mir eine Bewertung in Zimbelaffen nicht möglich. Das wäre diesem Machwerk gegenüber auch nicht fair. Auf einer Normal-Skala von 1 bis 10 würde ich aber spontan
8 Punkte
vergeben!

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