Feuer, Eis & Dynamit

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Release: 1990


Was macht ein Multimillionär, wenn sein Vermögen in arge Bedrängnis gerät, er aber gleichzeit den Regenwald, die vielen Flusspferde und Wale retten will und obendrein auch noch von Sir Roger Moore verkörpert wird? Jou, genau, er springt aus einem Learjet und lässt sich auf dem Weg nach unten von zwei Fallschirmspringern auffangen. Den eigenen Tod perfekt vorgetäuscht, vermacht er per Video-Testament sein gesamtes Vermögen der "MEGATHON-Stiftung" und ruft zu einem Wettrennen auf. The winner takes it all, in diesem Fall schlappe 135 Millionen Kronkorken. Insgesamt treten am ende 14 Teams an dem dreitägigen Wettkampf mit 8 verschiedenen Extremsportarten gegeneinander an. Darunter auch die drei verzogenen Blagen des "verstorbenen" Millionärs. Aber wen kümmert schon die Handlung, die sowie völlig bescheuert ist, wenn der Film mit über 100 Stunts und allerhand verrückter Ideen wirbt?!
Verrückt trifft das ganze schon ganz gut. Wirklich unglaublich, was dem trash-festen Zuschauer hier geboten wird. Wo soll ich nur am Besten anfangen... bei den nichtsnutzigen Darstellern (außer Sir Moore natürlich), den völlig verblödeten Möchtegern-Humoreinlagen, bei den vielen verrückten Ideen, die nur dazu dienen, möglichst viele Stunteinlagen zu zeigen oder doch eher bei den Teams, der "Schleichwerbung", den geilen 90iger Jahre Outfits inkl. dazugehöriger Synthipop-Mukke. Der Wahnsinn ist fast nicht mehr in Worte zu fassen...
Die Darsteller kann man schnell abhaken. Roger Moore ruht sich auf seinem James Bond Image aus und hat sowieso nur sehr wenig Screentime. Das er natürlich über alle Zweifel erhaben ist und trotz seiner kurzen Auftritte von allen Akteuren am besten wegkommt, muss nicht mehr extra erwähnt werden. Ansonsten hätten wir noch Uwe Ochsenknecht im Angebot, der hier wohl auf seinem Karrieretiefpunkt angelangt war. Er verkörpert den glatzköpfigen Gegenspieler, der sich das Vermögen durch fiese Tricks z.B. per Dynamit erstehlen will. Durch sein permanentes Overaction macht er sich allerdings eher zu einer Witzfigur!
Die drei Kinderchen von Sir Moore braucht man ebenfalls nicht weiter erwähnen, da sie nur dazu dienen, die Lücken zwischen den einzelenen Wettkampftagen zu füllen.
Pünktlich zum Beginn des Megathon-Rennens - womit nach knappen 30 min. Einleitung der eigentliche Wahnsinn beginnt - haben dann auch Gott sei dank alle Teams ihre Sportler zusammen und dürfen sich auf der Eröffnungsfeier voller Stolz präsentieren... und wie! Ich kenne keinen Film, der so extrem auf sein Sponsering hingewiesen hat. Das ist schon keine Schleichwerbung mehr, dass ist ein Faustschlag in die Fresse. Das Productplacement ist bei Rennbeginn so penetrant vorhanden, dass es im Endeffekt schon wieder lustig ist, schon allein weil es aus heutiger Sicht nur noch lächerlich wirkt, wie sich hier die Unternehmen zum Ochsen machen. Es gibt ein Milka-Team (immer Milkafarben und meistens mit Hörnen am Helm), ein Bayer-Team (die Chemo-Experten), ein VW-Team, ein Paulaner-Team (alle in traditioneller Lederkluft und durchweg am saufen), ein Grundig-Team, etc. etc. etc. Mein Persönlicher Liebling war ja Don "Bananen-Popei" Giovanni vom Team Chiquita, der am Rennen teilnimmt, weil Sir Moore ihm noch 200 Franken wegen nicht bezahlter Bananen schuldet. Er muss alle Sportarten selber bestreiten, aber zum Glück hat seine Frau noch eine Chiquita-Bananen-Kanone!

Wie gesagt, entfaltet der Film erst seinen vollen Wahnsinn, wenn es dann zu den Sportarten und den Stunteinlagen geht. Es gibt Geröllhang-Skifahren, Extrem-Mountainbiking, Free Climbing den Staudamm hoch, Kajakfahren, Geschwindigkeits Ski-Fahren inkl. Looping, ein Autorennen ins Tal und zu guter letzt Eis-Schnelllaufen in einer Bobbahn. Dabei versuchen sich alle Team natürlich gegenseitig mit verrückten Einfällen zu überbieten und arbeiten mit ihren ganz eigenen Methoden, wie z.B. der Superkleber vom Bayer-Sportler beim Free-Climbing oder die Raketenski. Zum anderen wurde auf Gedei und Verderb versucht, möglichst viele Stunts hintereinander zu legen, was manchmal zu haarsträubenden Szenen führt, bei denen man sich nur noch an den Kopp packen kann. Das ganze wirkt manchmal ein bisschen wie "Die lustigsten Sportunfälle der Welt" oder soll zumindest an die bewährte Formel der Cannonball-Filme anknüften. Leider kommt hier aber weder der Witz noch irgendwelche Spannung auf... Im Endeffekt sind aber genau diese völlig übertriebenen und unfreiwillig komischen Einlagen, die "Feuer, Eis und Dynamit" zu einer Trashgranate machen.

Fazit:
Mir fehlen ehrlich gesagt die Worte, "Feuer, Eis und Dynamit" gerecht zu beschreiben. 50% des Films bestehen aus halsbrecherischen Stunts. Die andere hälfte besteht aus diletantischen Darstellern, die blödsinnigen Stumpfsinn labern und aus ins Gesicht schagender Schleichwerbung samt Teams, die man nicht für voll nehmen kann. Über die Stunts kann ich nur sagen, dass sie von Willy Bogner wirklich fantastisch mit der Kamera festgehalten wurden und toll aussehen. Bei allem anderen kann ich nur noch die Bilder sprechen lassen.
Der Streifen ist unbedingt mit Gleichgesinnten zu genießen, da er erst in bierseeliger Runde sein volles Aroma entfalten kann. Wer einen Film voller toller Stunts und so - also was interessantes, bildgewaltiges, eindrucksvolles usw. - erwartet, wird hier wahrlich enttäuscht werden. Hier regiert der Trash, also kauft euch einen Kasten Paulaner, schraubt euch ne Tafel Milka rein, legt den Film in euren neuen Grundig-DVD-Player und wartet auf die Pizza aus eurem AEG-Herd! Falls die Schmerzen all zu groß werden, stopft euch einfach Chiquitas in die Ohren oder lasst euch von den Jungs von Bayer helfen! 4 Köppe

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