Fluchtpunkt San Francisco

(klicke aufs Cover für mehr flüchtende Infos)

Release: 1972
Originaltitel: Vanishing Point


Ein Mann rast mit durchgedrücktem Gaspedal über den Highway. Sein aufgemotzter Dodge Challenger heult auf, als er den Allradantrieb reinknallt und wie vom Teufel gejagdt von der Straße in die Wüste abdriftet. Hinter sich lässt er drei bis vier Polizeiwagen und jede Menge Polizisten, die ihren Augen nicht trauen können. Auch den Grund für diese Amokfahrt verstehen sie nicht, aber wie sollten sie auch, denn schon Kowalski - der Fahrer - hat Probleme damit. Erst Vietnam samt Auszeichnung für Tapferkeit, dann Cop und ein paar dunkle Geheimnisse später nur noch ein heruntergekommener Rennfahrer. Ein letztes mal will es Kowalski jedoch sich und der ganzen Welt beweisen und wettet, den Challenger innerhalb extrem kurzer Zeit quer durch die USA nach Frisco liefern zu können. Voll gepumpt mit Speed und anderen Wachmachern rast er los und wird dabei von einem Radiomoderator zum Helden hochgejubelt, der von Ex-Hippies als der letzte freie Held der USA gefeiert und von der Polizei erbarmungslos gejagd wird. Unterwegs begegnet er in kurzen Rückblenden immer sich selbst und einschneidenden Erlebnissen aus seiner Vergangenheit.
Also ingesamt hab ich die Aussage des Steifens wohl verstanden: Freiheit und Rebellion gegen das System, dass diese Freiheit durch Gesetze unterbinden will. Kowalski ist ausgebrannt, er hat nichts mehr zu verlieren und deswegen sind ihm die einängenden Gesetze, für er sich lustigerweise in seiner Vergangenheit einmal stark gemacht hat, völlig egal. Auf diesem ja fast schon Selbstfindungstrip erfährt er die Freiheit, die er bisher so noch nicht erlebt hat, aber er bekommt es auch mit dem Gesetz zu tun, das ihm diese Freiheit wieder nehmen will. Regisseur Richerd Sarafian setzt auf seine Kritik mit dem Filmende sogar noch eins drauf, denn hier wird deutlich, worin die einzige Möglichkeit für Kowalskis besteht, sich diese Freiheit zu bewahren: Er selbst muss zum Märtyrer werden.
Es gibt natürlich noch viel, viel mehr, was man in "Vanishing Point" hineininterpretieren könnte und ich weiß auch sehr wohl, dass ich das eigentliche Thema nur ganz grob angerissen und umschrieben habe, jedoch will es dabei belassen. Viel mehr will ich noch ein bisschen was zur Umsetzung schreiben, denn darin liegen meiner Meinung nach die Hauptkritikpunkte.
Die Landschaften, durch die der Challenger rast, sind dabei absolut klasse geworden. Endlos lange Highways durch die endlosen Wüsten Nevadas und mitten drin das weiße Muscelcar mit Kowalski darin, der lässig einen Arm aus dem Fenster hängen lasst und das Heulen des hochgezüchteten Motors genießt. Groovig rockige Musik begleitet den einsamen Fahrer, macht ihn euphorisch, lässt ihn breit grinsen und treibt ihn an. All das unterstreicht wunderbar die Aussage des Films.
Was mir beim Anschauen aber wirklich zu schaffen machte, war zum einen der Spannungsbogen und zum anderen Kowalski-Darsteller Barry Newman.
Problem bei der Spannung ist, dass sie wahnsinnig sprunghaft ist. Erst passiert nichts, dann gibt es ein paar schicke Verfolgungen zu sehen. Zusammen mit psychodelischer Rockmusik wird der Puls kurzzeitig in die Höhe getrieben, dann ist wieder Pause angesagt, dann wieder Action, dann wieder Pause, dann wieder Action... und dann... dann endet der Film plötzlich und abrupt. Vieles... sehr vieles muss sich der Zuschauer selber zusammenreimen, was ja prinzipiell nichts schlechtes ist, in diesem Fall hat es Regisseur Sarafian jedoch übertrieben. Seine Mittel, den Charakter Kowalskis zu zeichnen, fruchten nicht und gehen eher nach hinten los. Er versucht Kowalski zu glorifizieren und sorgt allerdings zunächst nur für Verwirrung beim Zuschauer.

Schwächen in der Regie kann allerdings auch Darsteller Barry Newman nicht ausgleichen. Der Kerl hat ungefähr so viel Charisma wie ein Nagel im Autoreifen. Er sieht zwar ziemlich fertig aus, damit hört seine schauspielersiche Leistung allerdings schon auf. Ich hab ihm jedenfalls den ausgebrannten Ex-Soldaten, Ex-Cop und Ex-Rennfahrer, der nichts mehr zu verlieren hat, zu keiner Zeit so richtig abgenommen. Auch seine Entwickelung, die er im laufe des Films durchmacht, muss man sich als Zuschauer quasi selber zusammenreimen. Durch Newman selber wird das nämlich nicht wirklich klar. Da hätte einfach viel mehr Drama sein müssen, ein bisschen mehr Mad Max, ein bisschen mehr Easy Rider, ein bisschen mehr Duell, ein bisschen mehr schauspielersiches Talent oder einfach nur ein völlig anderer Darsteller für diese Art von Rolle.

Fazit:
Ingesamt betrachtet war "Fluchtpunkt San Francisco" ein recht zweischneidiges Schwert. Zum einen waren die Bilder wirklich großartig. Die weiten Landschaften, das Röhren der Motoren, die Musik und die ständige Flucht vor der Polizei wurden gut einfangen. Leider werden aber insgesamt einfach zu viele inszenatorische Fehler begangen und Barry Newman ist in der Hauptrolle quasi nicht erwähnenswert, als dass der Film auch insgesamt als "großartig" bezeichnet werden könnte. Immerhin lässt er sich nicht auf reine Unterhaltung herunter degradieren und klingt durch die erwähnte unbequeme Inszenierung lange nach und regt zum Nachdenken über das Gesehene an. Zumindest das hat der Regisseuer damit auf jeden Fall erreicht.

Kommentare:

tumulder hat gesagt…

Das einzige was mir am Film nicht gefällt sind die überflüssigen Kowalskirückblenden, in diesem Punkt trifft Deine Kritik den Kern. Dennoch, aber das ist sicherlich Geschmackssache, gefällt mir der offene Ansatz.

Doc Savage hat gesagt…

Obwohl die Rückblenden als einzige Szenen Kowalski's Vergangenheit und damit seine jetzige Situation näher beschreiben...

Vielleicht hätte man auch einfach falsch einen Ex-Vietnamsoldaten mit Auszeichnung/Ex-Cop it Auszeichnung/Ex-Prorennfahrer mit Auszeichnung verzichten sollen.

Vielleicht wäre ein einfacherer Charakter für den Zuschauer glaubwürder gewesen.

Wie gesagt, ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was ich von dem Film halten soll. ^^°