Soldier Boyz


(für mehr stupide Infos klicke aufs Cover)

Release: 1995

"Er brauchte die härtesten, mutigsten Männer, die er finden konnte ...
Er fand sie im Gefängnis von L.A."


Wer braucht schon Drehbuch, Handlung, Logik oder gute Schauspieler, wenn man fette Action liefern kann. Das dachte sich wohl auch Louis Morneau und drehte zusammen mit Michael Dudikoff einen hyperreaktionären Ballerstreifen, der an der Ladentheke für ordentlichen Umsatz sorgte und für Dudikoff der letzte große Erfolg sein sollte.
Zur Geschichte: Toliver (Dudikoff) sitzt im Knast. Aber nicht als Sträfling, sondern als ziemlich unbrauchbarer Erziehungshelfer. Früher muss er wohl Elitesoldat gewesen sein, den eines Tages kommt ein General mit einem Kumpel vorbei und bittet ihn, die Tochter des selbigen aus den Klauen von Moc (Cary-HiroyukiTagawa) – einem bösen Rebellenanführer in Vietnam – zu befreien. Toliver will 10 Mille für Jugendeinrichtungen und ein paar Knastbrüder für den Einsatz. Alles klar, abgemacht. 5 Minuten später befindet sich die gesamte Truppe bereits in Vietnam.
Natürlich gibt es einen Schwarzen und einen Mexikaner aus rivalisierenden Gangs, ein Mannsweib, einen Vergewaltiger, einen Milchbubbi und einen Nazi, der – was ich ganz witzig fand – irgendwann einen Nervenzusammenbruch bekommt und rumheult, wie ein kleines Schulmädchen. Alle hassen sich gegenseitig und der Nazi hasst sowieso alle. Beste Voraussetzung also, um die Mission durchzuziehen. Bevor es jedoch losgeht, vermöbelt Toliver die Bande noch mal ordentlich, um zu zeigen, wer der Boss ist. Kurz danach gehts dann ab in den tiefsten Dschungel, um dort jeden umzunieten, der wie ein Feind aussieht!
Also ehrlich: Wer sich das Drehbuch ausgedacht hat, dem gehört entweder sofort die Schreiblizenz entzogen oder ein Oscar verliehen. Das ist mit Abstand die strunzdämlichste, zusammengeflickteste und gleichzeitig trashig genialste Story, die ich bisher bei dem B-Film erlebt habe. Wie kann man bitte allen ernstes eine solche Truppe – allen voran einen Vergewaltiger - nach Vietnam schicken, um eine Frau zu retten?! Und dann diese Dialoge - gestellter und unechter geht es kaum! Manchmal kann man sich einfach nur noch beömmeln, bei dem Mist, den die Jungs (und Mädels) da teilweise von sich geben. Die Krönung wird erreicht, wenn sich die Knastis tatsächlich irgendwann wie eine Elitekampftruppe aufführen, in der jeder für jeden einsteht und die sich gerne auch mal einem gesamten Battallion entgegenstellen, einfach damit sie hinterher weniger Feinde abmurksen müssen!
Jedes noch so kleine Klischee findet man hier wieder. Ob es jetzt die streitlustigen Teammitglieder sind, die sich am liebsten sofort gegenseitig killen würden und hinterher dicke Freunde werden, oder der böse Rebellenanführer, der das macht, was böse Rebellenanführer eben so machen (eigene Leute bei Befehlsverweigerung erschießen, einen dicken Helikopter fliegen, böse gucken) – Klischees über Klischees. Wobei die Schlitzaugen natürlich durchweg böse und durchtrieben sind und somit einem typischen, extrem fragwürdigen Feindbild vergangener Zeiten entsprechen.
Wo das Drehbuch und alles drum herum gänzlich versagt, lässt Morneau dann zum Glück aber die Waffen sprechen. Denn eins muss man dem Regisseur lassen: Actionszenen beherrscht er perfekt. Es geht schon mit der Kulisse los, die sofort kuschelige Dschungelatmosphäre ausstrahlt und in der sich der geneigte Actionfan sofort heimisch fühlen dürfte. Ganz im Stil alter Cannonfilme, wie z.B. Missing in Action oder American Fighter! Und damit wäre auch der Bogen zur Action geschlagen, denn die kommt genau so daher. Schon bei dem ersten blutigen Einschuss, von denen es im Verlauf des Streifens massenhaft zu sehen gibt, fühlt man sich sofort in die 80iger zurückversetzt. Es wird wild fuchtelnd rumgeballert, mit Granaten geworfen, quasi nicht nachgeladen und die Feinde drehen formschöne Pirouetten, während hinter ihnen riesige Feuerbälle in den Himmel steigen. Das obligatorische Bambuscamp mitten im Dschungel zerlegt sich am Ende in riesigen Explosionen und unsere Experten rotzen ganze Feindeshorden breitbeinig locker aus der Hüfte weg. Ja, bei all der Action lacht das Fanherz!

Fazit:
„Soldier Boyz“ ist verdammt schnelle, extrem dumme und dazu noch fragwürdige Actionunterhaltung auf hohem B-Movie-Niveau. Louis Morneau pfeift auf eine Story oder talentierte Schauspieler (die Teammitglieder sind noch untalentierter als Dudikoff, was schon was heiße soll) und setzt dafür voll und ganz auf ausuferndes Feuerwerk und viel Kunstblut. Insofern beherrscht er sein Handwerk und weiß das knappe Budget bestmöglich zu nutzen. Natürlich funktioniert Streifen nur, wenn man sein Hirn abschaltet, nicht mal ansatzweise über das Geschehen nachdenkt und sich auf einen solch reaktionären Nobrainer einlassen kann. Ich sach ma 3,5 Zimbelaffen, wobei der Film die +0,5 Äffchen für die Szene bekommt, in der das Mikrofon kurz aber deutlich durchs Bild schwingt.

,5

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