Street Fighter

(klicke aufs Cover für mehr Bison'sche Infos)

Release: 1994


Zahlreiche Videospiele haben bereits den Weg auf die große Leinwand gefunden. Zahlreiche Verfilmungen sind leider völlig grottig und was für die Tonne (Stichwort Uwe Boll). Manchmal entstehen aber auch filmische Ergüsse, die so bescheuert sind, dass sie einen ungeahnten Unterhaltungswert entwickeln. „Street Fighter“ ist so ein Streifen!
Ich frage mich wirklich, warum ich diesen Film noch nicht gesehen habe und schäme mich sogar wenig dafür, da ich mich ja als Fan des schlechten Filmgeschmacks verstehe. Vielleicht schreckte ich wie so oft vor dem Phänomen Spieleverfilmung zurück, vielleicht lag es an den vielen negative Einträgen in der ofdb.de (ich sag euch gleich, dass wir dem Streifen dort zusammen mit den Videoraidern wahrscheinlich die beste Wertung verpasst haben), oder lag es an der Tatsache, dass ich mich für ein Van Damme Vehikel einfach nicht in der gleichen Form begeistern kann, wie für manch anderes Debakel meiner geliebten B-Movie-Helden-Truppe. Ebenfalls muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich „Super Street Fighter 2 Turbo“, auf dem die Charaktere des Films beruhen, nie gespielt habe. Überhaupt hatte ich nie für Beat-Em-Ups übrig, was vielleicht auch im Hinblick auf die folgenden Worte ein Vorteil ist.
Wie auch immer… nach langer Diskussion mit Herrn Williams sog der Player die Silberscheibe gerade zu in sein Inneres und der kunterbunte Wahnsinn begann:

General Bison, der gefürchteste, größenwahnsinnigste und überhaupt fieseste Fiesling ever, verfügt nicht nur über Waffen, die es mit denen aller hoch zivilisierten Kulturen aufnehmen können, er hat nebenbei auch 100 Geiseln genommen und erpresst die freie Welt von seiner als Tempel getarnten Basis in Shadaloo um 20 Milliarden Dollar. Die will er verwenden, um seine Untergebenen mit neuen Roten Strampelanzügen und lustigen Helmen auszustatten und natürlich um einen genetischen Supersoldaten zu erschaffen.

Unter den Geiseln befindet sich allerdings der Kumpel von Col. Guile (also gesprochen wie „geil“ geschrieben oder so ähnlich… führte zu zahlreichen lustigen Wortspielen und Kommentaren, das könnt ihr glauben!). Der ist der Befehlshaber der A.N. Truppen in dem Gebiet und macht die Sache zu einer persönlichen Vendetta. Obwohl dem Kommando enthoben, bläst er zum Angriff.
Dann hätten wir da noch Ken und Ryu, die Plastikpistolen verkaufen und zwischen die Fronten der Unterwelt geraten, und ein paar andere, deren Namen ich jetzt vergessen hab (die Frau, der Boxer und der Sumu-Ringer). Aber das tut auch nicht wirklich zur Sache, weil sich alle Charaktere nur irgendwie durch die Laufzeit von knapp 95 Minuten prügeln müssen.
Das ganze sieht dann ungefähr so aus, das die einzelnen Protagonisten auf verschiedene Antagonisten treffen, sich ein paar halbwegs coole Sprüche um die Ohren hauen und danach die Fäuste sprechen lassen. Normalerweise kriegen die Badguys gehörig die Hucke voll. Dabei nehmen die Auseinandersetzungen im Laufe der nicht mehr weiter erwähnenswerten Geschichte zu und enden im Finalen Kampf Guile vs. Bison. Der entpuppt sich als handfestes Handgemenge mit allem was dazu gehört. Guile wirbelt durch die Gegend und verpasst Kopfnüsse, Bison kann fliegen und verschießt Blitze. Nichts, was man nicht schon gesehen hätte, aber bisher noch nicht auf einem solch trashigen Unterhaltungsniveau. Gleiches gilt auch für alle anderen Kämpfchen.
In Steven E. de Souza’s Welt herrschte zum Entstehungszeitpunkt wohl eher der kreative Wahnsinn und Platz für Logik war sowieso nicht. Anders kann ich mir nicht erklären, warum er krampfhaft versucht hat, eine solche Menge Charaktere in eine solch bescheuerte 0815-Story ein zu betten. Aus der Hand des Drehbuchschreibers von „Stirb Langsam“ oder „48 Stunden“ hätte man eigentlich Besseres erwarten können.
Vielleicht war das alles aber auch eiskalt berechnet und De Souza hatte von Anfang an die Absicht einen Film zu drehen, über den man auf keinen Fall nachdenken sollte. Ein Film, der quietschbunt daher kommt, der auf Logik pfeift, der einfach nur Spaß machen soll, genau wie es damals Spaß gemacht, völlig unkoordiniert auf die Controllertasten seines SNES zu hämmern.
Oh, wo wir gerade dabei sind: De Souza hat immer mal wieder versucht, ein paar kleine Gimmiks einzubauen, die den Zuschauer größtenteils aus dem Hintergrund anspringen. Gemeint sind z.B. das Capcom-Faß, die Stimmungsabhängigen Mützen von Bison, die komplette Innenausstattung in seinem Quartier (Knochen-Kronleuchter, Gemälde). Am besten ist aber noch die Spielarmatur vom „Street Fighter 2“ Arcadegame, auf der Bison wie ein Wilder rum drückt, ganz wie im wahren Spieleleben. Einfach köstlich.
Eigentlich versprüht die gesamte Ausstattung des Steifens kunterbunten Frohsinn. Man nehme z.B. die Strampelanzüge der Bison-Wachen oder die mit vielen bunt blinkenden Lämpchen ausgestattete Hardware überall. Der Setdesigner hat sich jedenfalls ordentlich ausgelebt, soviel steht fest. Aber auch handwerklich und musiktechnisch kommt das Ganze solide daher.
Okay, wirklich überzeugend war das jetzt alles noch nicht, oder?! Dann will ich mal erklären, warum „Street Fighter“ das Potential zu einem Trash-des-Monats-Kandidaten hat. Mit einem Wort: Gesichtskirmes!


Bor, was haben wir gelacht, wenn Bison Darsteller Raul Julia (R.I.P.) mit seinen Augen rollte und böse Reden schwang. Wie mussten wir uns Freudentränen aus den Augen wischen, wenn Van Damme bei versuchten Gefühlsregungen beinahe einer Gesichtlähmung erlag und was haben wir gefeiert, wenn Pferdeschwanzmann Vega… also eigentlich generell, wenn der im Bild war. Alle, nicht nur die jetzt erwähnten Schauspieler, sind entweder völlig unfähig oder betreiben wahnwitziges bis phänomenales Over-Acting. Raul Julia gehört klar zur letzteren Sorte. Er ist nicht nur ein begnadeter Schauspieler, er ist auch der heimliche Star des Films und ab sofort unser erklärter Lieblingsbösewicht! Van Damme wurde als Zugpferd leider etwas verschenkt… Dafür gibt’s aber… *Trommelwirbel* …Kylie Minogue als rechte Hand von Col. Guile zu sehen, zum Schluss auch mit engem Tanktop. Ach Kylie, danke!

Was bleibt noch zu sagen (auch Fazit genannt)?!



„Street Fighter“ ist nix für’s Spießbürgertum, nix für Dramenliebhaber oder 0815-Blockbuster-Gucker. Die werden das Potential dieses Streifens nicht mal ansatzweise zu würdigen wissen und ihn mit Sicherheit schlichtweg doof finden. Für uns ist es allerdings eine unglaubliche, quietschbunte Trashgranate. Jede Menge Gekloppe, grandiosgrottige Klamotten, hohle Sprüche, geile Innenausstattung, fiese Schurken, große Feuerbälle, viel PengPeng und natürlich Raul Julia, als übergeschnappter General M.Bison. Da lacht das Herz des Trashfreundes und deswegen – ob ihr es jetzt versteht oder nicht – vergeben wir 4 Köppe und machen „Street Fighter“ zum Trashfilm des Monats April! So, muhahaha!






Ach ja, was ich noch loswerden wollte:

1 Kommentar:

Luc Von Gore hat gesagt…

Absolut genialer trash Film! Die Godzilla Anspielung (Kampf zwischen Honda and Zangief) ist der Wahnsinn ;)