Hard Target

(für mehr van dammt'e Infos klicke aufs Cover)

Release: 1993


Irgendwann kriegt man sie alle und so war es auch nicht verwunderlich, dass John Woo nach seinen Erfolgen in Hong Kong nach Amerika ging, um auch dort Ruhm und Ehre zu erlangen. Hat zwar nicht geklappt, wie wir wissen, aber ein paar tolle Actionmovies hat der gute Mann, der in Hong Kong unter anderem ein komplettes Subgenres mit erfunden hat, trotz allem abliefern können. Sein erster Film auf neuen Boden war „Hard Target“ oder zu Deutsch „Harte Ziele“ – ein Titel, der sich absolut dämlich anhört – mit Spagatmann Jean-Claude Van Damme.
Thema ist ein altbekanntes: Menschenjagd! In diesem Fall organisiert von Emil Fouchon (Lance Henriksen), der Obdachlose rekrutiert und ihnen 10.000 Dollar Belohnung verspricht, wenn sie einen Punkt X in der Stadt erreichen (was natürlich nie passieren wird). Startgebühr für den Jäger beträgt 500.000 Dollar und so wie sich das ganze anhört, ist es ein äußerst lukratives Geschäft. Leider vermisst Natasha Binder (Yancy Butler) eines Tages Ihren Vater, der auf den Straßen von New Orleans gehaust hat. Sie wendet sich an einen Kerl, der ihr ziemlich eindrucksvoll ein paar Handtaschendiebe vom Hals gehalten hat – Chance Boudreaux (Van Damme) – und gemeinsam begeben sie sich auf die Suche. Leider vergebens, denn Natashas Vater guckt sich die Radieschen bereits von unten an. Genau so wie alsbald ein Kollege von Chance. Sie kommen Fouchon auf die Schliche und schließlich werden Sie kurzerhand zu den neuen Zielen auserkoren. Es geht quer durch die Stadt, dann durch die Sümpfe voller Plastikschlangen inklusive Zwischenstopp bei einem alten Redneckkumpel und schließlich in eine Lagerhalle voller Karnevals-Requisiten, um den großen Schlusstanz einzuläuten. Eins ist sicher: Chance ist ein *Trommelwirbel* van dammt *Trommelwirbel* hartes Ziel! (welch Wortspiel-Overkill)
„Hard Target“ steht noch ziemlich in der Tradition von z.B. „Hard Boiled“, also den letzten Woo'schen Werken aus Hong Kong. Das wird vor allem in den ausufernden Shootouts und Kämpfen sichtbar, die von Woo wie gewohnt unglaublich stylisch in Szene gesetzt werden. Amerikanisierung ist allerdings ebenfalls spürbar, denn Woo wird nicht müde, vorhandene Klischees aufzugreifen und diese weiter aufzubohren. Mit Klischees meine ich vor allem solche, die sich einem ins Hirn brennen, wenn man in China sitzt, noch nie in den USA war und sich den ganzen Tag amerikanische Spielfilme und Serien anschaut, wenn ihr versteht was ich meine. Tut ihr nicht? Egal… spiel sowieso keine Rolle, weil die Handlung eh nur Mittel zum Zweck ist.
Mal abgesehen vom ersten kurzen Intermezzo und zwischenzeitlichen Bleiniederschlägen muss man allerdings gut die erste Hälfte des Films durchhalten, bis das eigentliche Feuerwerk beginnt. Woo lässt sich Zeit, die Gesichte um die Menschenjagd und die Suche nach dem Vater vor der tollen Kulisse New Orleans ins Bild zu setzen… vielleicht ein bisschen zu viel Zeit, denn hier ist größtenteils Langeweile angesagt. Bis Van Damme und seine Spielgefährtin dann endlich zu Zielen werden. Hier kann Woo dann endlich Beweisen, was für ein unglaubliches Talent er besitzt. Ich kenne keinen anderen Filmemacher, der jeder einzelen Szene eine unglauliche Coolness verleihen kann. Seien es Zeitlupeneinstellungen, Shootouts, Kampfchoreografien (oder auch Knarrenballett genannt) oder einfach nur der Sprung über ein Auto oder das Durchladen einer Waffe. Besonders das Extralange Finale in der Lagerhalle entschädigt gewaltig für die Längen in der ersten Filmhälfte. Hier fliegen die Fetzen im Sekundentakt und Pappmascheköppe gehen reihenweise in Flammen auf. Wieder dabei ist die bewährte Woo'sche „Pumpgun des absolut schrecklichen und übertriebenen Todes +1“. Soll heißen, dass diese Waffen in Woo’s Universum wohl prinzipiell mit Granaten munitioniert sind (ganz zur Freude des Actionfreundes). Natürlich dürfen auch seine Markenzeichen – die Weißen Tauben und Dual-Beretta-Action – nicht fehlen.
Mit Jean-Claude Van Damme hatte Woo einen erfahrenen Actionschauspieler an seiner Seite. Der Belgier versucht sich hier zwar auch in emotionalen Momenten, aber genau so wie Woo kann er sein Talent erst zeigen, wenns zur Sache geht. Fußtritte präsentiert er hier genau so, wie wildes Geballer. Vielleicht hätte Van Damme auf die Schmalzfrisur verzichten können – die ist nämlich manchmal ziemlich ekelig – aber sonst liefert er hier einen seiner besten Filme ab!
Als Widersacher steht den Muscels from Brussels übrigens Lance Henriksen gegenüber, dessen Leistungen auch noch mal erwähnt werden müssen. Alter Falter, dem Typen möchte ich nicht nachts auf der Straße begegnen. Völlig durchgeknallt, aber nicht übertrieben, sondern durch und durch Wahnsinnig spielt Henriksen seine Rolle. Das ist schon fast unheimlich und so beschert er uns ein paar absolut herrlich fiese Momente. Wenngleich er hier wesentlich überdrehter und psychopathischer rüberkommt, ist seine Rolle und seine Darstellung am ehesten mit der in „Stone Cold“ vergleichbar. Es ist den durchgestylten Actionszenen zu verdanken, dass Van Damme da nicht an die Wand gespielt wird. Henriksens Helfershelfer wird übrigens von der Mumie Arnold Vosloo verkörpert.

Fazit:
RummsBumms… da gibbet aufe Omme! John Woo lässt sich noch nicht von der hollywoodschen Politik einengen und dreht einen Actionknaller mit Van Damme, mit dem er ein ordentliches Debüt hinlegt. Hier gibt’s alles, was das Herz des Actionfreundes höher schlagen lässt und noch mehr, denn Woo zieht wirklich alle Register, was die Knallerei angeht, und treibt die Coolness dabei zum Siedepunkt. Wäre er bei der Handlung genauso vorgegangen, wäre der Film der Renner geworden. Dann hätte allerdings Van Damme nicht mehr hineingepasst. Aber was solls! Es ist die Action, die rockt und sie rockt gewaltig. Wem bei „Hard Boiled“, „The Killer“ aber auch bei „Face Off“ die Jeans plötzlich zu eng wurden, der wird auch an „Hard Target“ seine helle Freude haben. 5 Köppe für Action, 3 für die Handlung, macht im Schnitt 4 und das ist auch gut so!


Kommentare:

GeneralUnsichtbar hat gesagt…

Bin zwar stolzer Besitzer der SPIO/JK-DVD, würde aber gerne mal einen ordentlichen Transfer des Director's Cut/Workprint sehen:)

Draven hat gesagt…

Wird Zeit das ich wieder mal die DVD, die mittlerweile wohl meterweise Staub angesetzt hat, rauskrame. Geiler Film :)

Doc Savage hat gesagt…

Der Draven! Willkommen im Ruhrpott des schlechtes Geschmacks. ^^ Naja, so schlecht isser ja gar nicht, sonst hättest du dir den Kommentar gekniffen.