Blackjack

(klicke aufs Cover für Infos)

Release: 1998


Gerade frisch aus dem Urlaub zurück zieht Herr Dolph los, seinem alten Kumpel zu helfen, dem fiese Russen sein geliebtes Casino abjagen wollen. Bei einer kurzen Kamerafahrt durch die Spielhalle wird auch gleich ganz geschickt der Titelname eingebaut, auf den in dieser Form später allerdings nie wieder eingegangen wird. Kurz darauf gibt’s auf auch schon die ersten gebrochenen Nasen und abgesäbelte Krawatten dank Rasierklingenkarten, was zugegeben ein ziemlich cooler Einstand für unseren Helden ist.
Herr Dolph wird von seinem Kumpel gebeten, auf seine kleine Tochter aufzupassen, die auf der Abschussliste der fiesen Russen steht und kaum sind die beiden zurück in der Villa, rückt auch schon ein Killerkommando an. Zusammen mit der ersten Zeitlupeneinstellung weht sofort ein frischer Hauch von Woo durch den Raum. Für einen kurzen Moment vergisst man sogar die billige TV-Optik und kann sich der typischen Woo’schen Gewaltästhetik hingeben. Aber wirklich nur kurz, denn alles ist irgendwie viel zu schnell vorbei und es folgt erstmal viel Blabla, unterstrichen von melancholischen Saxophontönen (die allerdings meistens ziemlich passend wirken).
Dank teils extrem sprunghafter Szenen (gerade noch alles ruhig und in der nächste Szene voll der Emotionsausbruch) erfahren wir plötzlich, dass Dolphs alter Casinokumpel tot ist und er jetzt Papa wird. Außerdem hat er bei einem kleinen Blendgranatenunfall ein Problem mit der Farbe Weiß, das jetzt wie Kryptonit auf den blonden Schweden wirkt. Nur gut, dass Herr Dolph grundsätzlich Perlwoll statt Weiser Riese benutzt und eine Sonnenbrille trägt. Natürlich ist das mit der Weiß-Phobie ein interessanter Aspekt, der auch entsprechend umgesetzt wird (z.B. ein Kampf in einem Milchbad), aber auf die Dauer ist es schon ein wenig nervig, wenn Lundgren im Angsicht der Farbe Weiß jedes mal willenlos zusammenklappt.

Weil Fred Williams damals auch noch ab und zu Geld verdienen musste, bekam er von Woo übrigens auch noch einen Rolle. Und zwar als weiterer Kumpel von Dolph und Chef einer Bodyguardtruppe. Leider hört keiner auf ihn und bei dem Versuch seine Klientin – ein Model – zu beschützen, fängt er sich ne Kugel ein. Nach kurzer Überlegung springt Dolph für ihn ein. Screentime: 10 Minuten (davon 5 Minuten stehen und 5 Minuten im Krankenbett liegen). Immerhin hat er dafür 2 dicke Zigarren gratis bekommen. Sehr schade eigentlich, denn Williams hätte noch einiges rausreißen können. So müffelt sein Auftritt ein wenig, wie verschenktes Potential.
Schnitt auf den Killer, der aussieht, als könne er keiner Fliege was zu leide tun. Er kann zwar böse gucken und Theaterstücke zitieren, ist allerdings auch eine Heulsuse und hat irgendwie so gar keine Badguy-Ausstrahlung. Warum zum Teufel er das Topf…eh… Topmodel jagt, weiß auch noch niemand, aber bei den ständigen in den Mund gelegten Dialogen wird des Rätsels Lösung bestimmt nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Während Dolphs Mitbewohner seine Kumpels bei der Baader-Meinhof-Gruppe (wtf?!) befragt, findet Dolph heraus, dass sein Topfmodel 1000 Tabletten pro Tag schluckt (wtf² ?!) und davon ein ganz kleines bisschen süchtig geworden ist (finger weg von Drogen, liebe Kinder!). Um sie wieder fit zu machen, tanzen die beiden ne Runde Salza, denn seit Knight Rider weiß ja wohl jeder, dass gegen Schlaftrunkenheit entweder Bewegung oder reiner Sauerstoff hilft.
Um das blonde Blödchen in Sicherheit zu bringen muss sich extra ein Bodyguard in Kleider schmeißen. Das bringt aber leider nix, weil der Killer per Richtmikrophon schon längst weiß, wo er suchen muss. Kaum ist die Autokolonne unterwegs, kommen auch schon von überall her Motorräder angesaust. Es kommt zur zweiten großen Ballerorgie des Films. Dolph macht sich zwar als beidhändig ballernder, Motorradfahrender Supermann und Herr der Bullettime ziemlich gut, aber woher hat der Killer plötzlich die ganzen Helfer? War das wirklich nötig? Egal, Hauptsache wieder Action!

Nach der dicken Schießerei ist erstmal wieder Ruhe angesagt. Dolph und Mitbewohner finden zwar einiges heraus, wirklich spannend ist das allerdings nicht. Außerdem fängt die Trulla langsam an zu nerven. Entweder rumflennen oder treudoof gucken. Ne, ne... schauspielerisches Talent sieht anders aus. Endlich erfahren wir den Grund des Killers: Er ist des Modesl Ex-Männchen, der es nicht ertragen konnte, dass sie mehr Erfolgt hatte, als er selbst (Er: gescheiteter Schauspieler… sowohl im Film, als auch im wirklichen Leben *haha*). Geographie ist übrigens auch die Stärke des Films. Ich kenn mich ja auch nicht wirklich in den Staaten aus, aber seit wann liegen stillgelegte Fabrikgelände direkt neben dem Times Square??? Egal, da ist jedenfalls das Versteck des Killers.
Und weil sich Herr Dolph heute mal scheiße benehmen will, wird er dort von dem Hänfling zuerst K.O. geschlagen und dann reizt er den Kerl auch noch. Gar nicht clever, einen völlig Irren Typen zu reizen, der den Kumpel auch noch als Geisel hat. Spätestens ab der Modenschau erwartet man anschließend sehnsüchtig den großen Showdown, doch der lässt auf sich warten. Wie Kaugummi wird die Handlung künstlich in die Länge gezogen, wobei die Dramatik wie ein Schluck Wasser in der Kurve wirkt. Nach viel zu langen weiteren 10 Minuten kommt es zu einem kurzen Gunbattle, Dolph kuriert sich von seiner Perlweiß-Phobie und nach 110 Minuten hat der Spuck ein Ende.
Naja, nicht ganz. Das Blödchen hat sich in den Schweden verknallt, Fred ist wieder auf dem Damm und zum schnulzigen Ende gibt’s noch mal einen coolen Kartentrick.
Gerade hatte John Woo den Kracher „Face Off“ in die Kino gebracht und sich damit eigentlich alle Tore geöffnet, da drehte er ausgerechnet eine TV-Produktion. Warum wissen nur die Götter. Wenigstens hatte er Lundgren an Bord, der seine Rolle gewohnt engagiert angeht. Ihm kann man hier absolut kein Vorwurf machen, auch wenn er gerne mal komische Grimassen zieht. Ansonsten hat es den Eindruck, als hätte Woo seine ganze Energie in die Actionszenen gesteckt. Hier trägt jede einzelne Kugel Woo’s ganz persönliche Handschrift und er zeigt, was man alles aus wenig Budget heraus holen kann. Der Rest des Films hätte dagegen auch von einem x-beliebigen Regisseur herunter gekurbelt werden können. Das Drehbuch hat so viele Logiklöcher wie ein Schweizer Käse und viele Szenenwechsel fallen durch ihre Sprunghaftigkeit negativ auf. Neben den Actionszenen (die höchstens 20% ausmachen) herrscht gerne mal Spannungslosigkeit. Von der dichten Atmosphäre aus anderen Woo-Filmen ist herzlich wenig zu spüren, was aber auch der ständig billig aussehenden TV-Optik liegt.
Story pfui, Action hui. Von Woo ist man weeeeeeesentlich besseres gewohnt und würde Dolph nicht mitspielen, wäre der Film wohl noch schlechter weggekommen. Als Fan des schwedischen Hünen kann man jedoch ruhig mal einen Blick riskieren. 2 Köppe

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