2012

(klicke aufs Cover für mehr zerstörungswütige Infos)

Release: 2009


Unser Roland lässt mal wieder die Kacke dampfen! Diesmal gibt’s aber keine Universal-Soldaten, keine Aliens, keine Riese-Gummiexe, keine Megaeiszeit, keine wütenden Mammuts, sondern schlicht und ergreifend den Weltuntergang. Mit Erklärungen will sich unser Roland dabei gar nicht lange aufhalten, denn er hat gute Drehbuchschreiber rangeschafft, die zwar vorher nur Seifenoper-Dialoge geschrieben haben, dafür aber ziemlich günstig waren. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie sich schnell ihre eigene kleine naive Welt schaffen, in der man bloß nicht nach dem „Warum“ fragen sollte, weil sonst alles wie ein Kartenhaus zusammenfallen würde. Das Zusammenfallen überlassen wir dann lieber unserem Roland (und seinen 200 Millionen Dollar), der schon immer eine Zerstörungswut in sich hatte, von der Michael Bay bis heute nur träumen kann.
Aber zurück zum Anfang. Ein riesige Sonneneruption bringt irgendwelche Teilchen/Neutrinos/Dingsis in einem riesigen Wassertank in einer tiefen, tiefen Kupfermine irgendwo in Indien zum Lambada tanzen, wie das blubbernde Wasser eindeutig zeigt. Ziemlich schnell wird den Anwesenden klar, dass es in ein paar Jahren zu einer Erdkrustenverschiebung kommen wird und dass der glorreiche Präsident der USA schnellstens was tun sollte. Und er macht tatsächlich was! Ich glaube, ich verrate nichts neues, wenn ich euch erzähle, dass in China, in der tibetanischen Hochebene riesige Archen durch kleinen chinesischen Kinderhändchen gebaut werden. Ein Ticket kostet 1 Milliarde EURO, weil der Dollar auch im Jahre 2012 noch im Arsch ist. Doch die Katastrophe beginnt früher, als vorausgeahnt. Und so steckt Jackson (John Cusack) samt Ex-Frau, deren Freund, Kindern und Russen schon bald bis über beide Ohren im Schlamassel der untergehenden Welt. Als er jedoch von einem irren Radiomoderator von den Schiffen erfährt, beginnt eine abenteuerliche Reise nach China. Irgendwie muss es ja schließlich möglich sein, sich vor dem drohenden Untergang retten zu können.
Spätestens, als Jackson mit seiner Karre (einer Limosine) vor dem Haus der Ex vorfährt und die Erde zu beben anfängt, weiß auch der letzte Zuschauer, dass das Spektakel gleich beginnen kann… Und wie es beginnt. Das ist einfach unfasslich. Riesige Erdspalten, einstürzende Hochhäuser, einstürzende Highways, einstürzende… ach, es stürzt einfach alles ein! ALLES! Und jedes Mal entkommen unsere Protagonisten im letztmöglichen Augenblick. Der ausufernden Dramatik werden dabei keine Grenzen gesetzt! Das wird auch nicht besser, als ein Supervulkan im Yellowstone Nationalpark hochgeht, Lavabrocken durch die Luft fliegen, Asche über dem gesamten Land niedergeht, ein Flutwelle sämtliche Kontinente überzieht oder gleich ganze Städte im Meer versinken. Dieser ganze Bombast ist so dermaßen Over-the-Top, dass es einem die Schuhe auszieht, wobei ich sagen muss, dass es mir gegen Ende schon fast zu viel wurde. Pure Sinnesüberreizung bei völligem Realitätsverlusst - allerdings auch nur in the holy USA!
Da kann man schon fast von Glück reden, wenn die triefig-schnulzigen Szenen samt passenden, pathosgeschwängerten Dialogen schnell wieder den Wind aus den Endorphinsegeln nehmen. Keine Chance wird ausgelassen, um ordentlich mit der Emotionskeule um sich zu schlagen. Wie gesagt: absolutes Seifenoper-Niveau, vorgetragen von Darstellern, die sich allerhöchstens hölzern durch diese Szenen schlagen können. Überhaupt bleibenden die handelnden Personen bei dem ganzen Effektgewitter ziemlich hinter ihren Möglichkeit zurück bzw. können sich manchmal nur durch Overacting halbwegs glimpflich aus der Affäre ziehen. Unnötig gewordene Charaktere finden meistens ein schnelles Ende, was aber egal ist, denn eine Beziehung zu den Gestalten auf der Leinwand kann der Zuschauer wegen der vorgenannten Punkte eh nur schwerlich aufbauen und so muss man sich mitunter schon anstrengen, um die konstruiert-furchtbaren Schicksale der Leute zu bangen.
Bei wahren Trash-Freunden sorgt das alles schnell für entzückte Lacher, denn an der einen oder anderen Stelle sprüht dieser Schmonz gerade zu vor unfreiwilliger Komik. Zum Beispiel werden zu völlig unpassenden Momenten flache Witze gerissen, alle Ausländer in der deutschen Syncro sprechen mit einem lustigen Akzent (bei den Indern hört sich das standesgemäß knuffig und bei den Russen eher dämlich), Cusack glotzt die ganze Zeit Löcher in die Luft, Woody Harrison ist als irrer Radiomoderator voll in seinem Element und Danny Glover (Lethal Weapon 1 - 4) als Präsident ist sowieso ein Fall für sich. Als die riesige Flutwelle auf das Weiße Haus zu rollt und Danny so was wie „Ich komme nach Hause!“ (seine Frau ist bereits aus der irdischen Welt geschieden) blubbert, hörte ich ihn in meinem Kopf ganz deutlich etwas anderes sagen: „Ich werd’ zu alt für diesen Scheiß!“
Eins ist sicher: Die 200 Millionen US-Dollar sind eindeutig für die Effekte, und nicht für's Drehbuch draufgegangen. Der Schnulzfaktor nimmt genauso rasant zu, wie Rolands Zerstörungswut, und erreicht in der zweiten Hälfte gleich mehrere wahnwitzige Höhepunkte. Eine mit Brechen und Biegen zusammen geschusterte dramatische Szene jagt die Nächste, genauso wie eine Flutwelle der anderen folgt. Da wird’s am Ende schlimmer, als die Motivationsrede des Präsidenten aus Indepence Day (10 mal hintereinander). Es ist sogar noch Platz für ein (in meinen Augen völlig unpassendes und unnötiges) Happy-End, denn nach Aussage der Wissenschaftler ist die Zerstörung der Welt schlussendlich doch nicht so schlimm wie erwartet. So gondeln dann alle Überlebenden fröhlich nach Afrika, denn der Kontinent hat sich angehoben und wurde nicht überspült. Oder mit anderen Worten: Afrika hat wie immer nix mitbekommen, immer noch Bürgerkrieg!
Leute, ich hab nur einen einzigen Rat für euch alle, die ihr den Film noch nicht gesehen habt: Gebt euer Hirn vorher zum Pfandleier. Nachdenken lohnt sich vorne und hinten nicht, denn „2012“ ist die teuerste B- (ich möchte schon fast sagen Trash-) Produktion ever! Zerstörung, Vernichtung, Tot und Verderben + GZSZ-Dialoge, muffige politische Korrektness, Inkonsequenz undHappy-Happy-Alles-wird-Gut-Botschaft = verdammt gute, aber auch verdammt saublöde Unterhaltung, die irgendwie einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Unser Roland hat es jedenfalls mal wieder geschafft, alles das richtig zu machen, was er schon immer richtig machte und alles das falsch zu machen, was er ebenfalls schon immer falsch gemacht hat. Herzlichen Glückwunsch! Dafür gibbet von uns solide 3 Zimbelaffen.



PS: Ach du meine Güte, jetzt hätte ich ja beinahe die geradezu genialen Logiklöcher vergessen! Die sorgen nämlich für immens viele Kopfklatscher. Also noch mehr, als der Film sowieso schon verursacht. Weil ich jetzt aber zu Faul bin, alle aufzuzählen – Nein – eigentlich weil sich Tumulder schon die Mühe gemacht hat, ein paar PLOTHOLES niederzuschreiben, verlinke ich einfach seinen Beitrag. ;-D


PPS: Und noch mal ein kleines Video, dass so schon mal hier zu sehen war, nach Sichtung des Endproduktes für mich persönlich allerdings noch mehr an Aussagekraft, Bedeutung und Coolness dazu gewonnen hat:

Kommentare:

tumulder hat gesagt…

Und schaut mal hier. Ich glaube John Cusack wurde in den gefährlichen Szenen von Jackie Chan gedoublet. Schlechte Maske klar, ist aber wohl kaum jemanden aufgefallen.:D

Doc Savage hat gesagt…

Das Bild sah so dermaßen dämlich aus, dass ich es nicht nehmen wollte.

Obwohl es viel über den Film aussagt... irgendwie. ^^

antony hat gesagt…

Gestern habe ich den Film "2012" gesehen und finde ihn gut genug. Roland Emmerich hat wieder einen spektakulären Film gemacht.

Doc Savage hat gesagt…

Ich will nicht falsch verstanden werden: Der Film ist gut! Bombastisch! Die Zerstörungssequenzen sind unvergleichlich und glaube, den Weltuntergang wird so schnell keiner mehr verfilmen können, ohne sich an Emmerich messen zu müssen.

Aber Zerstörungsorgien sind eben nicht alles... bzw. noch weniger Handlung wäre vielleicht sogar mehr gewesen. ^^

GeneralUnsichtbar hat gesagt…

Visuell hatte der Film ja was drauf...aber das war ansonsten pures RTL-II-Kino alà "Apokalypse" mit Beau Bridges. Und dieses extrem klischeehafte und zuckersüße Happy-End mit der gar nicht so subtilen Immigrationspointe ("Es heisst ja nicht umsonst DAS KAP DER GUTEN HOFFNUNG") gab dem Streifen echt den Rest. Nicht zu vergessen, dass die Ex-Olle von Cusack und ihre Kinder den neuen Kerl/Stiefdaddy Gordon 10 Minuten nach seinem Tod vollkommen vergesen haben. Niemand trauert um Gordon, das gibt ne Ninja-Herausforderungskarte!

200-Mio.-Dollar-Sci-Fi-Channel-Trash ist das, mehr leider nicht. Wann macht Emmerich mal wieder was vom Kaliber von UNIVERSAL SOLDIER?!