Jan Tenner - Special



„Bewegung ist nicht alles!“ sagte schon Ron Jeremy. Auch die Ohren können eine große Rolle spielen (was er wiederum nicht sagte). Oder anders ausgedrückt: Trash und Wahnsinn, Faszination und Entsetzen muss man nicht unbedingt nur mit den Augen aufnehmen. Man kann sie auch hören!

Wahnsinn hören? Wie soll das denn gehen? Ganz einfach! Besorgt euch lediglich die 46 Folgen umfassende Hörspielserie „Jan Tenner“ und ihr habt den ersten Schritt hinab in die Welt des Hörspiel-Trash’s getan.

Wie jetzt? Ihr kennt Jan Tenner nicht??? DEN Jan Tenner! Ein junger, durchtrainierter, gutaussehender, aber leider durchweg drogensüchtiger Student, der keine Chance auslässt, um sich von seinem Mentor Professor Futura mit den neusten Designerdrogen vollpumpen zu lassen? Jan Tenner, der ständig auf Haarsträubenste Art und Weise seine Heimat Westland rettet, um seiner ebenfalls gutaussehenden Kollegin Laura zu imponieren. Jan Tenner, der vor Optimismus nur so sprüht, dass es schon an Naivität grenzt und trotzdem mit immer wieder aus dem dicksten Schlamassel entkommen kann.

Wenn der Osterhase durchdreht - Jan Tenner im Kampf gegen Amok-Eier!

Aber Tenner ist nicht allein, denn wie schon angedeutet hat er noch ein paar gute Freunde, mit denen er abends gerne um die Häuser zieht, ein Bierchen trinkt, abhängt oder eben nebenbei die Welt rettet.
An erster Stelle hätten wir da Professor Futura, der intelligenteste Mensch der Welt, der ein Serum erfunden hat, welches z.B. Mücken in Elefanten verwandeln kann. Aber man wird davon auch unsichtbar, superstark oder superklein. Man kann fliegen, teleportieren, Gedanken lesen und vieles mehr. Ganz nach dem Motto: Neue Folge, neuer Stoff!

Ihm zur Seite steht Laura, die hübsche Assistentin, die eigentlich immer nur dazu da ist, rum zu quieken oder zu sagen, dass Jan sich nicht in Gefahr begeben soll und ihn schließlich immer wieder begleitet, nur um anschließend von ihm gerettet zu werden. Naja, ganz so schlimm es nicht, aber die erste Assistentin des Profs – Tanja – war so. Leider ist sie nach einem missglückten Selbstversuch in Tiefschlaf versetzt und durch Laura ersetzt worden. Böse Zungen behaupten, ihre Nachfolgerin hätte etwas damit zu tun gehabt.

Das Militär wird durch General Forbett vertreten. Er ist Soldat durch und durch. Erst schießen, dann fragen, lautet seine Devise und des Öfteren hätte er schon gerne den ein oder anderen Kontinent mit Atomraketen beschossen, nur weil dort ein paar Außerirdische gelandet sind. Außerdem ist er ein Mann des Volkes und wirkt manchmal ein bisschen wie der Dorfsheriff. Wenn irgendein Farmer mitten in einem degeneriertem Hinterwäldchenstädtchen seinen Sohn verwisst, kann er sich beruhigt zu jeder Zeit persönlich an den General wenden und sich gewiss sein, dass er schon bald mit Jan, Laura und dem Professor angerollt kommt.

Als zusätzlichen Begleiter erhalten die Vier später den Supercomputer „Mimo“, welcher der Bordcomputer des Silbervogels ist – ein erbeutetes Raumschiff. Mimos Lieblingsbeschäftigung ist rum moppern, Befehle verweigern und überhaupt irgendwie meistens sein eigenes Ding zu machen. Kurz: Manchmal ziemlich nerviger Elektroschrott, den alle aber irgendwie mögen.


Abenteuer gibt es viele, Logik eher weniger!

Wie schon erwähnt, lebt Tenner in Westland. Das ist so eine Art Superstaat, denn außer Westland gibt es nur noch Europa. Entweder hat der General also alle anderen Länder weg gebombt, oder der Weltfrieden hat neue Dimensionen erreicht. Ehrlich gesagt, tippe ich aber auf ersteres, denn innerhalb Westlandes scheint es nur ein paar wenige Städte zu geben und alles ist in wenigen Stunden mit dem Auto zu erreichen…

Müssen die Abenteuer zunächst noch auf der Erde bestritten werden, geht es in späteren Folgen ab ins All. Erst mit Raumsonden, die mit einem nicht näher bezeichneten Superantrieb ausgerüstet sind, dann mit einem erbeuteten Raumschiff eines feindlichen Volkes, welches über viele Episoden hinweg die Menschheit bedroht (also die Aliens, nicht das Raumschiff!). Die Wesen dieses Volkes – Leonen genannt – haben vier Arme und einen Löwenkopf, wollen das gesamte Uran der Erde für sich erbeuten und lassen sich dafür allerhand fiese Tricks einfallen. Außerdem haben es Tenner & Co noch mit dem wahnsinnigen Professor Zweistein zu tun, der zwar verdammt diabolisch lachen kann, sonst aber ein ziemlicher Loser ist. Seine selbst bezeichneten Wasserdichten Pläne können in der Regel schnell und unkompliziert oder durch schlagkräftige Argumente vereitelt werden.
Logik spielt meistens keine große Rolle. So werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse meistens auf pure Behauptungen gestützt, als auf aussagekräftige Beweise. Aber wer braucht schon Beweise, wenn sowieso immer den richtigen Riecher hat. Als z.B. radioaktive Strahlung in einem Berg gemessen wird, vermutet Tenner, dass es sich um eine vorzeitliche Station handeln könnte, deren Erbauer schon lange weg sind und die jetzt von einem Computergehirn gesteuert wird. Die Strahlung wird durch eine künstliche Sonne erzeugt und außerdem könnten dort Wesen aus der Urzeit in Tiefschlaf vorsetzt worden sein… Was soll ich sagen: Er hatte recht!!!

Das Beispiel ist natürlich extrem übertrieben, aber so ungefähr kann man sich in der Serie die allgemeinen Schlussfolgerungen vorstellen. Ist natürlich auch ne Möglichkeit, lange wissenschaftliche Studien zu umgehen, damit sich die Laufzeit einer Episode (Kassette… das waren diese eckigen Dinger mit Magnetband… manche erinnern sich vielleicht noch daran) nicht aus versehen von ca. 45 Minuten auf 4.500 Minuten aufbläht.

Jan Tenner - die fliegende Kanonenkugel!

Bei all der naiven Unschuld, welche jede einzelne Folge in gewissen Momenten versprüht, so muss man der Serie doch ein paar Dinge zu gut halten: Abwechselung und Kontinuität zum Beispiel.
Beschränken sich die anfänglichen Episoden auf abgeschlossene Handlungen, geht man bald dazu über, einen verknüpften Handlungsstrang zu verfolgen. Geschehnisse bauen plötzlich auf einander auf, bis es sogar zu einer mehrere Folgen dauernden Jagt nach dem Stein der Macht kommt. Auch danach gibt es immer wieder Folgen, die unmittelbar zusammenhängen. Gleichzeitig entwickelt sich Westland ebenfalls immer weiter. Gibt es am Anfang kaum Raumfahrt oder ähnliches, verfügt der General gegen Ende über einen Raumhafen, mehrere Superlaserkanonen oder eine Mondbasis. Für eine Hörspielserie aus den späten 80igern ganz und gar unüblich.

Gleichzeitig kann man sagen, dass es nur wenige Folgen gibt, die durchwachsen daherkommen. Natürlich sind manche vom Aufbau her einfach nur doof geraten, trotzdem kann man den fleißigen Schreiberlingen (manche haben übrigens auch Perry Rodan Storys geschrieben) eine blühende Fantasie nicht absprechen. Es gibt mutierte Riesenadler, gefährliche Weltraumpflanzen, durchgedrehte Supercomputer, Puppenplaneten, Steinzeitseuchen und vieles mehr. Dem Einfallsreichtum waren keine Grenzen gesetzt. Da wurde auch gerne mal auf schwarze Magie zurückgegriffen, wenn der Pott mit den Sci-Fi-Ideen gerade leer war. Egal, abwechselungsreich ist es am Ende immer irgendwie geworden.

Zimperlich waren die Episodenschreiber übrigens auch nicht. Es wird natürlich nicht explizit erwähnt, aber gerade zum Serienanfang gibt es fast keine Folge ohne Toten (und wenn es nur ein totes Kaninchen ist). Außerdem werden auch gerne mal ganze Städte in Westland verwüstet, in bester Godzilla-Manier dem Erdboden gleich gemacht oder gleich ganze Planeten vernichtet. Sehr ungewöhnlich für eine Kinderserie!

Jan Tenner – eine Hörspielserie, die ich als Kind liebte und die ich nie ganz vergessen konnte. Natürlich ist es eine Kinderserie und natürlich gibt es deswegen eine Menge Logikfehler, aber wer es schafft, diese Tatsachen mal kurz beiseite zu schieben und das Kind in sich heraus zu lassen, der wird bestimmt begeistern werden. Wir können das und deswegen gibt’s auch glanzvolle 5 Zimbelaffen!




Kommentare:

Shane Schofield hat gesagt…

Ja, ja...hat mir als Kind auch etliche Stunden versüßt. War zwar nie meine Lieblingsreihe, hat aber dennoch spaß gemacht:)

Doc Savage hat gesagt…

Ne, Lieblingsreihe auch nicht wirklich. Bin mehr der Drei ??? Typ, aber auf den langen Arbeitswegen kommt Jan Tenner im Auto einfach nur gut! ^^

Da fährt schon morgens mit einem Grinsen durch die Gegend und regt sich nicht ständig über den fucking Verkehr auf.