Robo Vampire

(für mehr topflappige Infos klicke ich aufs Cover)

Release: 1988


Sam Burton betritt einen großen Raum, der ausschaut, wie ein typisches Klassenzimmer. Die Schultische sind an die Seite geschoben worden, an der Tafel steht in großen Buchstaben „Willkommen“. In der Mitte des Raumes ist ein Stuhlkreis aufgebaut, wo bereits mehrere Personen sitzen und sich anschweigen. Hauptsächlich Frauen. Junge, ziemlich gut aussehende Frauen, wie Sam auffällt, als er sich zwischen zwei der der Damen auf einem freien Platz niederlässt. Neben ihm ist nur ein weiterer Kerl in der Runde zu sehen und der ergreift auch gleich das Wort:
„Willkommen könnt ihr an der Tafel lesen und willkommen möchte ich euch heißen“, säuselt er mit nasaler Stimme, „Wie ich sehe, haben wir ein neues Mitglied in unserer Runde. Möchten sie sich kurz vorstellen?!“

„Was? Wer? Ich? Eh, ja, hi! Mein Name ist Sam Burton und ich habe ich ein Problem.“

„Hallo Sam!“ schallt es ihm wie aus einem Mund entgegen.

„Hi Sam“, haucht ihm auch die barbusige Blondine neben ihm ins Ohr und streichelt dabei über sein Knie, was Sam einigermaßen irritiert.

„Wir sind alle wegen unserer Probleme hier, aber gemeinsam werden wir sie lösen. Schildere uns doch bitte dein Problem, Sam“, säuselt der Mann, der die Runde begrüßt an und sich als Gruppenleiter herausstellt, weiter.

„Tja also, es ist so. Alles begann vor ein paar Tagen mit einem schrecklichen Erlebnis. Es war schon spät, aber ich hatte noch Lust auf ein kleines Abenteuer. Also lud ich mir ein paar Freunde ein und wir legten los. Es wurde ziemlich bizarr, wisst ihr…“
„Oh, ich liebe bizarr, weißt du“, haucht ihm diesmal die Dame zu seiner anderen Seite ins Ohr. Sie hält ihm ihre Hand hin, welche er auch bereitwillig schüttelt. „Mein Name ist übrigens Sandy“, fügt sie augenzwinkernd hinzu, was Sam wieder etwas durcheinander bringt.

„Schöner Name… Sandy… also mit bizarr meinte ich eigentlich, dass alles überhaupt kein Sinn ergeben hat. Zuerst war da dieses Koks, was insgesamt den einzigen erkennbaren roten Faden darstellte. Damit fing eigentlich alles an. Aber nicht genug, wurden plötzlich Vampire eingeführt. Hoppelvampire! Ja, diese Viecher hoppelten durch die Gegend und sind von einem Taoisten als Drogenkurriere ausgebildet worden. Das war natürlich völliger Nonsens, aber plötzlich wurden sie von einem Anti-Drogen-Cop aufgemischt, der nach einem fatalen Unfall zu einem Robocopartigen Ding umfunktioniert wurde. Das Kostüm sah wirklich beschissen aus. Das ist kaum noch in Worte zu fassen. Zusammengehäkelte Topflappen waren das, mehr nicht.“

„Aha!“ unterbricht ihn Gruppenleiter, „Rollenspiele unter Drogen. Bisher nichts ungewöhnliches, aber fahren Sie bitte fort.“

„Warum zum Geier sollte ich einen Ford fahren?“ fragt Sam, der solche Wortwitze schon fast zwanghaft umsetzen muss. Außer ihm lacht leider niemand… Mit traurigem Gesichtsausdruck fährt also fort.
„Nachdem Topflappen-Robo also von der Plus-Minus-Maschine zum Leben erweckt worden ist, zieht er los, um gegen die Vampire zu kämpfen. Gleichzeitig wurde aber die Tochter eines Priesters von Dschungelrebellen entführt und soll jetzt von einem Experten befreit werden. Das hat aber mit der Topflappen-Geschichte gar nichts zu tun. Wirklich krass war allerdings eine Tote Schwester, die wirklich ziemlich schäbig war und die mit Ihrem Vampirbruder – der eine Affenkopfmaske trägt - im Tod vereint sein will. Dabei macht sie mit selbigem irgendwann rum, wobei beide aber vom Topflappenrobo gestört werden.“

„Das…ehh… hört sich wirklich interessant an…“ stammelt der Gruppenleiter und schaut in die ebenfalls verwirrt dreinblickenden Gesichter der übrigen Gruppenmitglieder.

„Interessant?! Das war der größte Mist, den ich je erlebt habe. Wie ein schlechter Drogentrip. Wie ein Schlag ins Gesicht… ach was sag ich, zwei Schläge ins Gesicht. Dann wird Topflappenrobo aber erstmal aufgemischt. Seine Verfolger schießen mit einer Bazooka auf ihn, wobei deutlich zu erkennen ist, dass es sich um eine Plastikpuppe auf einem Holzgestell handelt. Das konnte Robo aber auch nicht umhauen, denn dank der Plus-Minus-Maschine stampft er bald wieder unbeholfen durch den Dschungel. Und was liegt normalerweise direkt neben dem Dschungel?! Natürlich Großstädte. Dort verfolgt er nämlich den Affenkopfbruder von der untoten, schäbigen Schwester, was an Dramatik kaum noch zu überbieten ist. Affenkopf hüpfte voraus, Robo stakste hinterher. Und das in einem Tempo, über das selbst meine Oma lachen würde. Am Ende pustet Robo aber alles um und auch die tote Schwester darf bei ihrem Kampf gegen bösen Taoisten noch mal Brust zeigen.“
„Darf ich auch mal zu deinen Partys kommen? Dann puste ich auch alles um!“ fragt ihn die barbusige Blondige neben ihm. Auch sie hält ihm ihre Hand hin und Sam schüttelt sie, wobei er sich hier irgendwie nicht am rechten Ort fühlt. „Mein Name ist übrigens Mandy,“ stellt sie sich vor.

„Sandy und Mandy! Namen, wie aus Pornofilmen!“ juckst Sam, wobei die beiden Mädels erstaunt nicken.

„Woher wusstest du das?!“

Hätte Sam ein Glas Wasser gehabt, hätte er jetzt einen Schluck getrunken, um ihn dann wieder auszuprusten. Als Profi, der er nun mal ist, weiß er aber mit einer solchen Situation umzugehen: Lächeln und nicken, Sam, immer schön lächeln und nicken.

„Also weiter im Text! Die TopflappenRobo-Hoppelvampir-Story ist vom Umfang her ungefähr gleichzusetzen mit der Priestertochter-Befreiungsgeschichte. Letztere kommt allerdings wesentlich professioneller daher… wenn man hier überhaupt davon sprechen kann. Der Anführer stürmt mit einer kleinen Gruppe Söldner ein Lager im Dschungel, die Gegner werden Reihenweise niedergemäht und die Frauen am Ende befreit. Hinterlässt alles im Allem keinen so großen Eindruck, wie Topflappen und Hoppelvamps. Aber auf der anderen Seite möchte ich euch fragen: Wie bitte geht es noch absurder. Und ich glaube, ich brauche auch nicht erwähnen, dass es sich um völlig talentfreie Laiendarsteller gehandelt hat, oder?!“
Der Gruppenleiter weiß mittlerweile nicht mehr, was er sagen soll, muss er aber auch nicht, denn in diesem Moment wird die Tür aufgerissen und Jack Logan kommt herein gestürmt.

„Sam, verdammt wo bleibst du denn?! Wir warten alle auf dich!“

„Wieso ihr auf mich? Ich warte hier eher auf euch!“

Er fixiert seinen Kollegen kurz, dann dämmert ihm, was passiert ist.

„Dies ist nicht die Selbsthilfegruppe für Trashfilmgeschädigte?!“

„Nein, ist es nicht“, sagt Sandy zu seiner linken.

„Dies ist die Gruppe der anonymen Nymphomaninnen!“ sagt Mandy zu seiner rechten.

Beide legen ihre Arme um Sam, der zunächst ein wenig verstört reagiert, dann aber ein breites Grinsen aufsetzt.

„Oh Jack, geh doch schon mal vor, ich hab hier noch zu tun!“

„Ja sicher… das war ja wieder klar, ey… falls du schon alles ausgeplaudert hast, könntest du dann bitte noch ein Fazit ziehen?!“ knurrt ihn Jack an und verschwindet, ohne auf weitere Ausführungen zu warten, um ein wohlverdientes kühles Bier trinken zu gehen.

„Aber klar doch, Mister Logan!“ Wie auf Kommando dreht sich Sam zu einer unsichtbaren Kamera um. Das Geschehen pausiert plötzlich und Sam spricht den Leser direkt an.
„Hört mir zu, werte Leser der Trash-Academy. Robo Vampire ist ganz harter Tobak. Das ist nichts für den Durchschnittskonsumenten. Nichts für Anfänger in Sachen Trashfilmen. Robo Vampire kann bei unbedachten Konsum schwere Hirnblutungen auslösen und es ist unbedingt ratsam einen Holzhammer für eine spontane Selbstnarkose bereit zu halten. In diesem Film ergibt erstens nichts einen Sinn, da er nach dem Godfrey-Ho-Prinzip (Aus Zwei mach Eins) zusammengebastelt wurde, und außerdem ist diese Hoppelvampir-Topflappenrobo-Story das verrückteste, was ich je gesehen habe. Von wegen Godfrey Ho: Zwar ist der Film von einem gewissen Joe Livingstone oder so, aber hinter diesem Namen verbirgt sich niemand anderes, als der Großmeister Ho himself.
Das Schnittgewitter, die daraus entstandene Geschichte, die Effekte, die totale Unfähigkeit ALLER Beteiligten… Das macht Robo Vampire zu einem der härtesten Totalausfälle, die ich bisher genießen durfte. Es gibt nur wenige Trashgranaten, die es mit diesem Wahnsinn aufnehmen können und daher vergebe ich im Namen der Academy 5 Köppe und erkläre Robo Vampire zum Trashfilm des Monats. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mich um die Ladys hier kümmern.“

PS: Außerdem hat die DVD bei der Erstellung der Bilder mein Laufwerk dahin gerafft...

Kommentare:

chewieee hat gesagt…

hatten wir die review nicht schon mal oder hast du mir einfach zu oft von dem film erzählt?

Doc Savage hat gesagt…

Ne, hab mich bisher nie getraut, über den Schmonz zu schreiben! ^^