Der Schrecken von Kung Fu

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Release: 1968


Ein namenloser Cowboy (Tony Anthony) – nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Larry - gelangt in den Besitz einer kleinen japanischen Schriftrolle. Der Vorbesitzer stirbt mit dem Hinweis, wenn die Schriftrolle zu seinem Besitzer zurückgebracht wird, bekommt der Überbringer 20.000 Dollar. Eine Menge Kohle für die damalige Zeit, also macht sich Larry auf den Weg ins weit entfernte Japan. Dort angekommen gerät er dummerweise mitten in eine Familienfehde. Zwei Brüder bekriegen sich bis aufs Blut wegen eben dieser einen Schriftrolle. Larry gerät schnell zwischen die Fronten und muss erstmal ordentlich Prügel einstecken. Natürlich wäre Larry kein echter Cowboy, wenn er sich davon ins Boxhorn jagen lassen würde. Er beginnt, die Brüder gegeneinander auszuspielen, setzt sich somit eher unbewusst – erst will er ja nur Kohle, später einfach nur Rache – für die Gerechtigkeit ein und befreit am Ende sogar noch ein ganzes Dorf aus der Tyrannei der Brüder.
Bei einem solchen Filmtitel hätte ich eigentlich eine ordentliche Trashgranate erwartet, aber ich wurde eines besseren belehrt. Nix KungFu, nix asiatischer Slapstick, nix dilettantische Schauspieler oder bescheuerte Story. Ich bekam einen atmosphärischen West-meets-East-Mix gehobener Güteklasse geboten, mit gut aufgelegten Darstellern und – zwar im Grunde genommen altbekannter – aber gut erzählter Geschichte.

Daran war die ungewöhnliche Umsetzung natürlich nicht ganz unschuldig. Die Handlung wechselt schon nach wenigen Minuten ins tiefste Japan, durch das sich Larry seinen Weg bahnen muss. Er hat keine Ahnung von der fremden Sprache, keine Ahnung von der fremden Kultur und folgt zunächst einfach nur seiner eigenen Nasenspitze und beweist damit zwar einen guten Riecher, stapft aber auch in ein Fettnäpfchen nach dem anderen.
In diesem Zusammenhang greift der Film recht geschickt Schwierigkeiten z.B. der Kommunikation auf, um sie in entsprechenden Szenen zu verarbeiten. Z.B. der Vergleich der Währung mit selbst gemalten Skizzen oder Verständigung per gemalter Bilder. Solche Sprachdefizite sorgen auch dafür, dass auf weiten Strecken kein Wort gesprochen wird bzw. japanische Dialoge auch für den Zuschauer unbegreiflich bleiben, da sie nicht untertitelt werden.
Somit bleibt das Geheimnis der Schriftrolle, hinter der alle her sind, nicht für den Hauptcharakter bis zum Ende des Films ein Geheimnis, auch der Zuschauer tappt völlig im Dunkeln. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als mit Larry mit zu bangen. Wer von den Brüdern ist denn jetzt der eigentliche Bösewicht? Wem kann Larry vertrauen und was wird er wohl als nächsten tun, um sich aus dem Schlamassel zu befreien. Es ist vor allem dem dauergrinsenden Tony Anthony zu verdanken, dass der Zuschauer bei all den Irrungen und Wirrungen eine starke Identifikationsfigur auf dem Bildschirm hat. Im Alleingang kann er die bis zum Finale völlig undurchsichtige Geschichte tragen, würzt die ein oder andere Szene mit sarkastischen Kommentaren oder Monologen, sorgt steht’s für gute Laune und kümmert sich natürlich auch um gefüllte Särge.
Gute Laune ist übrigens das, was der Film in der Hauptsache verbreiten soll. Insgesamt wird nämlich meistens ein komödiantischer Grundton angeschlagen. Auch wenn’s in der ein oder anderen Szene mal etwas härter zur Sache geht, zeit für einen kleinen abschließenden Gag ist nachher immer noch. So wird’s dann auch zu keiner Zeit wirklich langweilig. Im Gegenteil, denn die Spannung steigt im Verlauf der Geschichte immer weiter an, bis alles in einem großen Showdown endet. Da darf die Action natürlich nicht fehlen, die auch sonst immer mal wieder in ordentlichen Portionen vorhanden ist. Hier sei nur kurz auf ein paar Schwertkämpfe, Larry’s rauchendes Schießeisen und ein altertümliches Maschinengewehr hingewiesen. Untermalt wird das Ganze immer von einem passenden und typischen Italowesterscore.

Fazit:
„Der Schrecken von Kung Fu“ spielt in Japan, fühlt sich aber an wie ein waschechter Spagettiwestern. Dabei hat der Name rein gar nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun, ist sogar eher irreführend, was wiederum aber gut zur Handlung passt. Tony Anthony trägt den Film im Alleingang und hinterher hat man das Gefühl, ca. 85 min. bestens unterhalten worden zu sein.
Eine Empfehlung an alle, die mal einen etwas anderen Western sehen möchten, ohne dabei Gefahr zu laufen, einen Totalausfall zu erleben. Grundsolide 4 Zimbelaffen!


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