Driven to Kill

(für mehr Infos klicke aufs Cover)

Release: 2009

"They took his daughter. So he's taking them down."


Steven Seagal ist Ruslan, ein russischer Ex-Mobster der fiesesten Sorte. Nach ein paar Jahren Gefängnisaufenthalten, kehrt er der Kriminalität den Rücken, zieht nach Kalifornien und schreibt Bücher über zwei Typen, die abwechselnd Pappbecher platt kloppen, wobei unter einem der Becher ein Stahlnagel versteckt ist. Faszinierend, wie man doch sein Geld verdienen kann! Weil man aber daraus keine anständige Story basteln kann, will seine Tochter den Sohn des Mafiabosses von New Jersey heiraten und das gefällt Letzterem gar nicht, soll sein Filius doch in seine Fußstapfen treten. Noch vor der Hochzeit wird Ruslans Ex-Frau brutal ermordert und seine Tochter schwer verletzt. Kein wunder also, dass Ruslan ziemlich angepisst ist und nun die Täter sucht, um gar schröckliche Rache zu vollziehen!
Na bitte, geht doch! Endlich mal wieder ein Lichtblick in des Lords so angeschlagener Karriere. Handlungsort ist New Jersey, gedreht wurde in Kanada, spielt aber beides keine Rolle, denn schon die ersten Szenen zeigen uns deutlich, dass die grausamen Ostblock-Look-Zeiten endgültig vorbei sind (hoffentlich). Dieser Eindruck hält sich dann konstant die restliche Lauflänge über. Auch die Lokations sind zahlreich, werden oft gewechselt und sorgen somit auf Grund der vielen Schauwerte für eine gewisse Dynamik. Zwar kann nicht jeder Schauplatz das geringe Budget verbergen, aber Regisseur Jeff King (der zuvor „Kill Switch“ mit Seagal drehte) tut wirklich sein Bestes, um so oft wie möglich von diesem Umstand abzulenken – meistens mit knallharten Actionszenen.
Auf die erste Schießerei muss der geneigte Fan allerdings 20 Minuten warten, in denen diverse Charaktere eingeführt. Hier gibt’s übrigens keine großen Überraschungen, denn alle Rollen sind klar definiert und auf den ersten Blick durchschaubar. Es gibt einen geldgierigen, hinterhältigen Rechtsanwalt, einen kaltblütigen Gangsterboss, welcher Ruslans Erzfeind ist und als Endgegner herhalten muss und natürlich jede Menge Helfershelfer, welche teilweise recht spektakulär aus dem Leben scheiden müssen. Insgesamt wird natürlich nicht viel Zeit für die Nebendarsteller verschwendet, denn bei Seagals Masse kann einfach keiner neben ihm bestehen. So tut er dann auch das, was er eigentlich schon immer getan hat: Stoneface aufsetzen, Handkante in Anschlag bringen und die Pistolenläufe glühen lassen! Unzerstörbar, Unverwundbar, Allwissend. Immer mit dem richtigen Riecher hängt er sich an die Fersen seiner Gegner, kloppt sich durch Lagerhäuser, Striplokale, Parkhäuser und liefert sich mit seinem Erzfeind samt Spießgesellen in einem Krankenhaus einen netten Showdown.
Genau so wollen wir (damit meine all diejenigen, die es irgendwie geschafft haben, Seagal-Fan zu bleiben) unseren Kampfmoppel sehen! Der ist nämlich überraschend motiviert bei der Sache, nuschelt zwar noch genauso viel rum wie eh und je, legt dafür aber bei den Kämpfen mal wieder selbst Hand an. Er rennt sogar einem Gegner hinterher… so richtig rennen mit Geschwindigkeit und allem drum und dran… ich hab Seagal seit… bor… Nico? Hard to Kill? Egal, ist in seiner DTV-Ära definitiv nicht oft vorgekommen, was hier aber auch viel über Seagals körperlichen Zustand aussagt. Auch was Stuntdoubles angeht wurde wieder etwas kürzer getreten. Mit Sicherheit schwirren hier und da noch welche durchs Bild, aber meist kaschiert King solche Szenen so gut, dass man es eigentlich nicht bemerkt.
Das führt jedoch auch dazu, dass die eine oder andere Kampfszene etwas an Intensität verliert. Zum Beispiel der Messerkampf im Striplokal. Hier werden Seagal und Gegner ausschließlich Messer fuchtelnd in Nahaufnahmen gezeigt. Die könnten beide auch gegen eine Wand kämpfen, wenn keine Umschnitte erfolgen würden. Eine Totale der ganzen Angelegenheit wäre sicherlich spannender gewesen. Dafür wird bei sämtlichen Auseinandersetzungen nicht mit diversen Gewaltspitzen gegeizt. Blutige Einschüsse, Einschusslöcher noch und nöcher, gebrochene Knochen, Messerstecherei, Ballerei, ein paar kleinere Explosionen. Zwar hat sicherlich auch hier das geringe Budget größere Actionszenen verhindert, aber dank der Konstanz und der sehr soliden Präsentation wird der Zuschauer gut bei Laune gehalten. Nicht überragend, aber im Gegensatz zu vielen, vielen vorangegangenen Seagalstreifen absolut zufriedenstellend, für den einen oder anderen Hardcorefan vielleicht sogar begeisternd.

Fazit:
Schnörkellos und unkompliziert kommt „Driven to Kill“ ohne Überraschungen oder andere Seltsamkeiten daher und wirkt somit irgendwie erfrischend. Seagal kloppt alles kurz und klein und hat den üblichen Gesichtsausdruck drauf, der im Zusammenhang mit einigen Onlinern bzw. altbackenen Kommentaren auch gerne mal zu unfreiwilliger Komik führt. Dafür isser aber auch gut drauf!
Die Handlung schreitet trotz einiger Ungereimtheiten flott voran und sowohl die Schauplätze, als auch die Action gehen in Anbetracht des Budgets vollkommen in Ordnung. Die Rache- und Selbstjustizstory ist natürlich grenzwertig, aber so was interessiert doch sowieso niemanden, der sich den Film freiwillig anschaut. Jeff King hat seit „Kill Switch“ auf jeden fall dazu gelernt und liefert einen feinen B-Actioner ab, der auch gleichzeitig eine kleine Erleuchtung in Lord Steven’s angeschlagener Filmografie darstellt. Mit Blick auf seine letzten Werke kann ich hier ruhigen Gewissens 4 Zimbelaffen verteilen!


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