Universal Soldier

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Release: 1992


Universal Soldier - Ein Zwiegespräch


Jack Logan: Hallo werte Leser der Trash-Academy. Mein Kollege Sam Burton und ich haben uns mal wieder zusammengefunden, um euch einen weiteren Klassiker zu präsentieren.

Sam Burton: So ist es, Jack. Diesmal handelt es sich um einen Klassiker aus dem Actiongenre und es ist uns eine große Freude, den Regisseur zu einem kleinen Interview begrüßen zu dürfen.

JL: Meine Damen und Herren: Der Roland Emmerich!

Ein kleiner Mann betritt das Zimmer. Er trägt ein Baseballcap über seinen ergrauten Haaren und grinst die beiden mit einem nervösen Dauergrinsen an, so als hätte er sich gerade ein bisschen Koks auf dem Klo gegönnt. Er schüttelt Jack und Sam die Hände und fängt sofort an zu reden.


Roland Emmerich: Hi, mein Name ist Roland Emmerich, aber ihr könnte mich ruhig Rolli nennen! Ich bin Regisseur, wisst ihr, und dazu noch einer der es aus Deutschland nach Hollywood geschafft hat. Mein Blick ist genauer als ein Laser, mein Verstand schärfer als ein Diamant und meine Vorstellungskraft stärker als Ralf Möller! Mit anderen Worten, ich bin einer der Besten.

Beide: Eh… ja… hallo… Rolli!
Rolli: Ich bin heute hier, um euch etwas über einen meiner Filme zu erzählen. Damals, als die Computereffekte noch nicht so gut waren wie heute und man auf handgemachte Action zurückgreifen musste, drehte ich einen Film, der mir den Durchbruch in Hollywood verschaffte. Es waren dazu nur ein paar wenige Zutaten nötig, die ich schnell zusammen hatte.

SB: Womit wir ja schon voll im Thema wären. Was waren das denn für Zutaten?

Rolli: Zunächst brauchte ich zwei namhafte Actiondarsteller. Van Damme und Lundgren boten eine gute Mischung aus bekannten Gesichtern, bis dato erfolgreicher Karriere und Preis-Leistungsverhältnis. Außerdem muss eine Frau her, die keiner so wirklich kennt, die aber auch nur irgendwie gut aussehen muss.

JL: Klingt einleuchtend. Aber die Story… also ich weiß ja nicht, aber Cyborgs, Vietnam, Supersoldaten… das war doch schon 1992 ziemlich ausgelutscht.

Rolli: Story ist bei mir prinzipiell immer nebensächlich. Man nehme einfach ein paar bekannte und vor allem erprobte Klischees und reihe sie aneinander. Einen bösen Typen, am besten wahnsinnig – Dolph Lundgren - , und einen herzensguten Typen – Jean Claude Van Damme. Beide verfeinden sich natürlich direkt am Anfang und zwar in Vietnam, weil das bei den Amis so gut zieht! Danach sterben beide, werden von der Regierung wieder zum Leben erweckt und zu Supersoldaten umfunktioniert. Natürlich kann das nicht gut gehen. Der eine ist ja schließlich wahnsinnig und der andere… naja, der andere eben nicht.

SB: Und die Frau…

Rolli: Dazu wollte ich gerade noch was sagen. Neben Ihrer Aufgabe, hübsch aus zu sehen, hat sie auch noch die Aufgabe, Erinnerungen zu aktivieren. Ein bisschen Techtelmechtel und so! Van Damme brennt mit dem Mädel durch und wird wieder klar im Kopf. Gleichzeit denkt Dolph, er wäre immer noch Krieg, tötet alles und jeden und macht dann jagt auf Van Damme. 90 Minuten später gibt’s einen Showdown, in dem die Angelegenheit ein für alle mal geklärt wird.

JL: Simpel und zweckmäßig also.
Rolli: So ist es. Der Rest besteht eigentlich nur aus Action! Action! Action! Um die platte Story zu verdecken, brauchen wir blutige Einschusslöcher, überschlagende Autos, riesige Feuerbälle und vor allem harte Zweikämpfe. Und Verfolgungsjagden mit Trucks, wobei ein Truck mit Handgranaten beworfen wird, während er an einem Abhang entlang fährt. Natürlich muss auch eine Tankstelle in der Wüste hochgehen und eines dieser typischen Motels am Highwayrand muss durchlöchert werden.

SB: Dabei sind die Grenzen zwischen Gut und Böse jederzeit klar abgesteckt.

Rolli: Natürlich! Die Figuren lassen da keinen Interpretationsspielraum. Genau so verhält es sich mit der Story, die so einfach gestrickt und meistens auch vorhersehbar ist, dass sie fast schon B-Movie-mäßig daherkommt. Aber schließlich will ich meine Fans ja nicht zu eigenen Überlegungen animieren oder sie damit überfordern oder irritieren. Nein, ich will Sie verwöhnen, und deswegen hab ich meinem Film auch einen richtig teuer aussehenden Hochglanzlook verpasst und serviere eine Mischung aus Kitsch und brutaler Action. Am ende siegt natürlich die Gerechtigkeit und für die weiblichen Zuschauer gab’s Van Damme nackig auf der großen Leinwand.

JL: Was fürs Herz und was fürs Auge!

Rolli: Du hast es erfasst. So was lieben die Amis! Ich will mich ja nicht selbst loben, aber mit „Universal Soldier“ hab ich einen Film kreiert, der einfach nur großartig ist. Wie alle meine Filme übrigens auch. Nur so nebenbei! Schnörkellose Actionkost. Natürlich war der Streifen tierisch erfolgreich, denn wie gesagt weiß ich um die Gunst meiner amerikanischen Zuschauer zu buhlen.

SB: Noch was zu den Hauptdarstellern?

Rolli: Na, die kamen mir natürlich überaus gelegen. Nicht nur, dass sie bereits genügend Erfahrung im Fäuste schwingen hatten, ihr begrenztes schauspielerisches Talent passte auch hervorragend zu ihren Rollen. Beide spielen von den toten auferweckte Soldaten und müssen nur grimmig gucken. Van Damme’s Charakter weiß zudem nach seinem Erinnerungsflashback nicht mehr so richtig, wie er sich menschlich verhalten soll. Da passt sein vertrottelter Hundeblick wie Faust aufs Auge.
Beide: Rolli, was würdest du dem Film für ein Wertung geben, wenn dich jemand fragen würde?

Rolli: Also wenn mich jetzt jemand fragen würde, wie viel Punkte ich für meinen eigenen Film vergeben würde – und das habt ihr ja gerade getan -, würde ich ihm folgendes Antworten:

1 Punkt für Jean Claude van Damme, wegen seinem Hundeblick
1 Punkt für Dolph Lundgren, wegen seinem passenden Overacting
1 Punkt für Ralf Möller, wegen der kurzen Szene im Supermarkt
1 Punkt für die Action, die immer gut zu unterhalten weiß

SB: Warum nur 4 Punkte?

Rolli: Für 5 Punkte reicht es leider nicht ganz, weil ich selber zugeben muss, dass ich im zweiten Drittel etwas zuviel Fahrt rausgenommen hab und sich somit die eine oder andere Länge eingeschlichen hat. Heute kann ich auch nicht mehr sagen, warum ich das gemacht habe, hatte ich doch noch gut 2 Mio. Dollar für Effekte übrig… Ach ja, meine Villa in Miami… jetzt fällt’s mir wieder ein. Ein Prachtexemplar von Villa ist das geworden.

JL: Ahaaa jaa… noch irgendwelche abschließenden Worte, Rolli?
Rolli: Mein Name ist Roland Emmerich. Ich bin der Macher Independence Day. Ich habe Godzilla nach Amerika geholt und habe die Welt in 2012 dem verdammten Erdboden gleichgemacht. Ich bin der Gott aller Katastrophenfilme, Herrscher des muffigen Pathos und der kitschigen Dialoge! Der Master of Disaster! Der dickste Fisch im Teich, der große Klops! UND BAY KANN MICH MAL!!!“

Ohne auf weitere Fragen, bricht der Mann plötzlich in wahnsinniges Gelächter aus und rennt von der Bühne. Jack Logan und Sam Burton schauen ihm verwirrt nach.

Beide: Verrückter Kerl… aber man muss ihn einfach gern haben!




Anmerkung der Redaktion:
Sehr geehrter Herr Emmerich, falls sie diesen Text lesen, möchten wir im Vorfeld ein paar Sachverhalte klären. Wie unsere Kollegen, Herr Burton und Herrn Logan, erst nach der Aufzeichnung mit Erschrecken feststellen mussten, handelte sich bei dem Mann, der sich als ihre Person ausgab, um einen entflohenen Insassen aus der benachbarten Psychiatrischen Anstalt. Selbstverständlich würden wir ihnen niemals unterstellen, drogensüchtig zu sein oder Michael Bay zu hassen. Und sie müssen uns wirklich glauben, wenn wir sagen, dass wir alle ihre Filme schon immer toll fanden. Sogar 10.000 BC… irgendwie!

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