Phantom Commando - Die Rückkehr

(klicke aufs Cover für mehr knallige Infos)

Release: 2008


Die Russen kommen!

Aber nicht über die östlichen Grenzen - da kommt höchstens überteuertes Gas her - sondern direkt aus der Vergangenheit. Von Liebhabern verteidigt, von Kritikern zerrissen, schlittert ein russischer Film per Videoexpress direkt aus den 80igern auf die heimischen TV-Geräte und zwar mit MG-Dauerfeuer, platten Sprüchen und überhaupt viel Brimborium!

Denn nicht nur hier bei der Trash-Academy, sondern auch in Moskau weiß man gute Actionkost zu würdigen und so machten sich ein paar eifrige Mannen daran, die Blaupause des 80iger Jahre Actionkino’s – Phantom Kommando – ganz dreist neu aufzulegen.
Phantom Kommando… was für ein Film. Mindest einmal im Jahr landet diese Granate in meinem Player und jedes Mal jauchze ich vor Freude, wenn Arnie seine trockenen Sprüche raus haut und anschließend ganze Gegnerhorden ins Jenseits befördert. Dieser Film stellt für mich den absoluten Höhepunkt aller Actionflicks aus diesem Jahrzehnt da. Nie war die Sprücheklopfer-und-Action-Dichte höher, nie war die Filmluft Testosterongeladener, ein unantastbarer 5 Köppe NoBrainer!

Umso misstrauischer war ich natürlich diesem Remake gegenüber. Aber ich erzählt erstmal kurz was zur Story (die eigentlich jedem, der in Sachen Actionfilm etwas auf sich hält, bekannt sein sollte… wenn nicht: Ihr Versager!):

John ist Supersoldat im Ruhestand und hat sich mit seiner Tochter in die Berge verzogen. Dort springt er gerne mit einem Fallschirm von Klippen herunter oder schlitzt Melonen auf. Eines Tages kommt sein alter Vorgesetzter vorbei und richtet ihm aus, dass jemand sein altes Team komplett ausgelöscht hat. Als nächstes könnte also John dran sein. Kaum dass diese Worte ausgesprochen sind, wird John auch schon überfallen und seine Tochter entführt. Nach einer wilden Verfolgungsjagd mit einem Schneemobil (im Sommer!) widerfährt John das gleiche Schicksal. Um anschließend seine Tochter wieder frei zu bekommen, soll er den Präsidenten von… eh… Lettland, Estland, Litauen… egal! Er soll den Präsidenten umnieten und wird dafür in ein Flugzeug gesetzt, aus dem er natürlich entkommt und nun seinen persönlichen Rachefeldzug startet. Zusammen mit einer zufällig hineingezogenen Flugbegleiterin spürt er seine Gegner auf einer Insel auf, fliegt hin, tötet alles und jeden und befreit seine Tochter.

Wie gesagt: Same shit, different place.
Was auf den ersten Blick nach extrem dummdreister Klauerei ausschaut, ist auf den zweiten Blick extrem unterhaltsame Actionware. Das liegt lustigerweise genau an dem vorher genannten Kritikpunkt, denn von der erste Minute an füllt man sich in eine längst vergangene Epoche zurückversetzt. Nicht nur, dass die Action handgemacht ist und Kugelhagel und Explosionen ausgiebig zelebriert werden, auch sind Sprüche von ordentlich stumpfer Qualität.

Kostprobe? Als John ins Flugzeug steigt, das Flugzeug anschließend startet, steht der Aufpasser am Flughafen am Fenster und guckt hinterher. Kommentar: „Und... er ist nicht gesprungen! Arnold Schwarzenegger wäre gesprungen!“ Köstlich!

Wie gesagt, man erlebt keine großen Überraschungen. Was hier für Abwechselung sorgt, ist die unterschiedliche Umsetzung. Man weiß, was passiert, aber nicht wie und wo es passiert. John Matrix verfolgt die Entführer nicht mit einem ins rollen gebrachten Jeep, sondern mit einem Schneemobil. John Matrix lässt Sully nicht an einer Klippe fallen, sondern von einem Rohbau. usw. usw.
Natürlich kann ich jetzt nicht nur Huldigungen raushauen, sondern hab leider auch was zu meckern. Was dem Film nämlich doch noch ein wenig zum Verhängnis wird, sind die schwachen Leistungen der Schauspieler. Der bullige Hauptakteur guckt die ganze Zeit immer etwas belämmert und mag zwar Muskelbepackt sein, hätte in den Nahkampfszenen dennoch etwas überzeugendere Arbeit abliefern können. Das er nicht das Charisma von Arnie erreichen konnte, war sowieso von Anfang an klar. Auch auf der Gegnerseite sieht es nicht viel besser aus. Bis auf Sully (ich benenn den jetzt einfach mal nach vorlage...) , der durch sein enormes Overacting heraus sticht, kann sich niemand für die erbrachten Leistungen mit Ruhm übergießen.

Gott sei dank stehen Handlungs- und Actionszenen in einem gesunden Verhältnis zu einander und so kann man sich nach kurzen Hängern immer wieder auf das nächste Feuerwerk freuen. Das fällt zwar insgesamt auch magerer als in der Vorlage aus, in Betracht heutiger Produktion, dafür aber immer sehr zufriedenstellend! Außerdem kriegt man einen ordentlichen Score und Thomas Danneberg im Arnie-Modus dazu serviert!

Fazit:
Nach 80 Minuten ist der Spaß schon wieder zu Ende und Fans wurden höchstwahrscheinlich bestens unterhalten. Ich wurde es, denn alles ist noch beim alten. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die glorreiche Vorlage entweiht wurde, denn dafür haben die Verantwortlichen einfach zu viel Herzblut in ihr Projekt gesteckt. Vielleicht hatte hier und da das Budget negative Auswirkungen und vielleicht hätten die Darsteller auch noch ein bisschen mehr aus sich herausholen können, aber trotzdem haben wir es hier immer noch mit einem fetzigen Actionfilm zu tun. Quasi von Fans für Fans!
Trotzdem… Auch wenn sich der Streifen als Tribut an seine Vorlage und als Hommage an all die fetzigen Actionfilme der 80ige Jahre versteht: Das Original ist und bleibt unerreicht. Und deshalb gibt’s „nur“ vier Köppe!


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PS: Stellt sich nur noch die Frage, wo ich jetzt den Soundtrack herkriege...

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