White Heat

(klicke aufs Cover für mehr verschneite Infos)

Release: 2000


Wer mitten im japanischen Hochgebirge im größten Staudamm des Landes arbeitet, wohl wissend, dass sein Arbeitsplatz im Winter völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist, der muss seinen Job wirklich lieben. Teruo ist genau so ein Mensch. Aufopferungsvoll kümmert er sich um das riesige Bauwerk und ist sich auch nicht zu schade, mit seinem Kumpel in die eisige Kälte hinauszuziehen und verirrte Wanderer zu retten. Als plötzlich eine Gruppe schwerbewaffneter Terroristen den Damm überrennen und die Mitarbeiter als Geisel nehmen, wird Teruo zum unfreiwilligen Helden. Die Geiseln im Stich lassen und den Schwanz einziehen kommt für ihn nicht in Frage und so bekämpft er die bösen Buben quer durch den Schnee und natürlich den Staudamm.

Das Japanische Hochgebirge, ein Staudamm, ein übermotivierter Mitarbeiter und eine handvoll Terroristen, die den Damm plötzlich übernehmen und die japanische Regierung damit erpressen – ein Plot, hervorgegangen aus einer ganzen Palette bekannter Zutaten. Oder anders gesagt: Ja, verdammt nochmal, dass ist ja wie Stirb Langsam 1 bis 3 und ein bisschen Cliffhanger, oder was?!
Tja, genau so isses… Das Konzept von "White Heat" ist tatsächlich alles andere als neu. Die Vorbilder springen einem überdeutlich ins Gesicht. Sowohl bei Handlungs-, als auch bei den Actionszenen wurde reichlich viel abgeguckt und in den neuen Handlungsort integriert. Das wäre an sich ja nichts Schlimmes. Schließlich sind auch andere Die-Hard-RipOffs absolut sehenswerte Actionkracher geworden (dazu zähle ich z.B. auch Alarmstufe: Rot 1). Hier will der Funke aber einfach nicht überspringen, was vor allem an der sprunghaften Inszenierung und dem holprigen Drehbuch liegt. Anstatt sich nämlich auf den Hauptcharakter zu konzentrieren, der in einem atemlosen Trip Schnee und Eis trotzen und sich langsam durch den riesigen Staudamm kämpfen muss, werden lieber zusätzliche Nebenhandlungen eingeführt, die dann erstens noch zu sehr ausgewalzt werden und zweitens nicht so ganz ins Gesamtwerk passen wollen. Ein konsequenter Spannungsaufbau ist so kaum möglich und weniger wäre eindeutig mehr gewesen.

Die Sprunghaftigkeit sorgt zusätzlich dafür, dass der Zuschauer sich des Öfteren selbst zusammenreimen muss, was zum Teufel denn nun gerade eigentlich passiert ist. Ein Beispiel ist die Erstürmung des Staudammes durch die Terroristen. Offensichtlich sprengen diese nämlich sowohl eine Toreinfahrt, als auch einen kompletten Zufahrtstunnel. Direkt zu sehen bekommt man das nicht, man weiß es nur irgendwann, weil der Hauptcharakter z.B. plötzlich im eingestürzten Tunnel steht.
Anders sieht’s zum Glück mit der Action aus. Die ist zwar nicht immer das gelbe von Ei, jedoch noch lange kein Totalausfall. Es gibt diverse Ballereien im Damm, im Schnee oder in Gebäuden. Dazu ein paar gebrochene Nasen und Genicke und sogar einen Showdown mit Helikopter. Allerdings: Alles nichts, was man nicht schon mal gesehen hätte. Auch kann man dem Film ankreiden, dass Actionszenen zu schnell verheizt werden. Potential für mehr ist oft vorhanden und auch zu erkennen, nur hapert es an einer entsprechend sehenswerten Umsetzung.
Teruo als Antiheld funktioniert dagegen ziemlich gut. Auch weil dem Zuschauer auf Seiten der Terroristen nichts als Klischees geboten werden, ist man schnell auf seiner Seite. Deutlich kann man spüren, wie unwohl er sich in seiner Haut fühlt. Es fällt ihm im Gegensatz zu seinen Vorbildern alles andere als leicht, ein menschliches Leben auszulöschen. Die Benutzung von Waffen aller Art ist ihm völlig fremd. Überhaupt verzichtet er auch gerne darauf, wild um sich zu ballern und nutzt lieber alternative Methoden, sich gegen seine Angreifer zur wehr zu setzen.
Ihm zur Seite steht noch Chiaki, die Verlobte eines verstorbenen Freundes, die zwar hübsch aussieht, aber irgendwie meist überflüssig wirkt (einer dieser unnützen Handlungsstränge). Entweder hätte man ihren Part weiter zusammenstreichen oder intelligenter und konsequenter in die Story mit einbauen müssen! Das Potential dazu hätte die Dame jedenfalls gehabt.

Fazit:
Ihr merkt schon, so richtig zünden wollte der Film bei mir einfach nicht. Die offensichtlichen Vorbilder kann „White Heat“ zwar nicht leugnen, was aber nicht sonderlich ins Gewicht fällt, da dies der ungewöhnliche Handlungsort leicht überdecken kann. Was stört, ist eine sprunghafte Erzählweise und dadurch nur träge aufkommende Spannung. Auf der Actionseite ist ebenfalls noch Luft nach oben und so plätschert der Streifen gerne mal so vor sich hin, ohne groß mitreißen zu können. Allerdings – dass muss ich auch ganz klar sagen – ist der Film nicht schlecht! Schon allein der Kulisse wegen bietet er einige Schauwerte und auch die schauspielerischen Leistungen sind solide. Über den Genredurchschnitt kann er sich damit allerdings nicht heben. Noch 3 Köppe!


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