Geheimcode: Wildgänse

(klicke aufs Cover für mehr flambierte Infos)

Release: 1984



Wie du in den Wald hinein schießt, so ballert es auch heraus!

Anfang der 80iger Jahre machte sich Produzent Erwin C. Dietrich (Mädchen, die nach Liebe schreien, Die Mädchenhändler, Mädchen ohne Männer, Die bumsfidelen Mädchen vom Birkenhof, etc.) mal wieder Gedanken darüber, wie er schnell ein bisschen Geld in die Kassen bringen könnte. Softpornos reichten ihm wohl nicht mehr, eine ordentlich Ladung Testosteron musste her!

Kurzerhand rief er seinen alten Kumpel Antonio Margheriti an (Einer gegen das Imperium, Jäger der Apokalypse) und machte ihm ein Vorschlag. Toni bekäme ein dickes Budget und eine Handvoll internationale Schauspieler und Erwin als Gegenleistung alle Einnahmen. Toni schlug ein und ruckizucki entstand eine lose Söldnerfilm-Trilogie. Der erst Teil – Geheimcode: Wildgänse – war auf Grund der Darstellerriege und bestimmt auch des Namens wegen (Die Wildgänge kommen) ein kleiner Hit und genau der Meinung bin ich auch… wenn auch nur in sehr trashiger Hinsicht.

Granaten-Lehmann - eine Stimme räumt den Dschungel auf

Im Goldenen Dreieck blüht das Drogenproduktionsgewerbe wie eh und jeh. Unter der Kontrolle eines fiesen Generals („Ich beziehe meine Macht nicht aus Geld, sondern aus meiner Persönlichen Stärke!“ oder so) werden ganzen Dörfer versklavt. Der DEA, unter der Führung eines extrem naiven Ernest Bognine, ist das natürlich ein Dorn im Auge und so wird Commander Robin Wesley (Lewis Collins) mit der Vernichtung der Lager und der Beschaffung einer Diskette, auf der alle Verkaufspartner aufgelistet sind, beauftragt. Dabei soll ihm seine Superduper-Eliteheinheit helfen.

Und genau da kann der geneigte Genrefan ne Runde abfeiern gehen. In der Truppe geben sich nämlich Synchronsprecherlegenden Manfred Lehmann (Bruce Willis, Dolph Lundgren u.a.), Thomas Danneberg (Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone), Frank Glaubrecht (Al Pacino, Kevin Costner) oder Wolfgang Pampel (Harrison Ford) persönlich die Ehre. Als wäre das nicht genug, hat sogar Hartmut Neugebauer (John Goodmann, Gene Hackmann) neben Lee van Cleef und Klaus Kinski eine Rolle ergattern können. Der absolute Synchro-Overkill also!!!

Unnötig zu erwähnen, dass die Mission nur ein Teilerfolg ist. Nachdem das Transportmittel explodiert ist, sind die Männer auf sich allein gestellt und müssen sich den Weg zurück in die Zivilisation kämpfen. Auf dem Weg dorthin liegen allerdings auch noch ein mit Drogen und Munition beladener Zug und ein weiteres Lager, welches dem Erdboden gleich gemacht werden will.
Antonio Margheriti bekommt hier die Chance, mit Namhaften Schauspielern und einem ordentlich Budget was Feines zu zaubern. Und das tut er auch! Auch wenn gezwungen war, mit einer deutschsprachigen Crew zusammen zu arbeiten, schafft er es dennoch, aus den gegebenen Umständen das bestmögliche herauszuholen. Vor allem dank der tropischen Dschungelkulisse und dem Flair asiatischer Großstätte (inkl. Landschaft etc.) lässt er den Film oft wesentlich teurer wirken, als er eigentlich ist. Die meiste Kohle wird aber sicherlich für die Baller- und Zerstörungsorgien drauf gegangen sein. Die sind nämlich so zahlreich vorhanden, wie Brüste in den Filmen von Erwin C. Dietrich (siehe oben)!
Und immer wenn die Action ihren Höhepunkt erreicht, präsentiert uns Herr Margheriti akribisch zusammengebaute und detailreiche Miniaturmodelle, die er binnen Sekunden bis auf den Grund abfackelt. Das klingt natürlich erst mal ziemlich drollig und ich muss zugeben, dass ich eine verrücktere Spielzeugauto-Verfolgungsjagd wohl noch nie gesehen habe und auch nie mehr sehen werde, aber auf der anderen Seite macht das natürlich einen wichtigen Teil des Charmes dieses Streifens aus. Nicht zuletzt konnte der Regisseur so auf billige Art und Weise die Sucht des gemeinen Fans befriedigen, der in seiner Einfachheit immer gerne nach solchen Zerstörungsanfällen schreit. Neben riesigen Feuerbällen und umher fliegenden Autos sorgen die Modellbauaufnahmen dann auch für ein paar der nachhaltigsten Szenen. Wenn ein Helikopter aus einem Hangar fliegt, in den zeitgleich ein LKW rast, wenn ein Zug samt Brücke in die Luft fliegt oder ein Spielzeughelikopter mit Flammenwerfer ausgerüstet den Feinden am Boden das Schwitzen beibringt, dann sollte man diese Arbeit würdigen und in Ruhe ne Runde abfeiern, finde ich!
Aber nicht nur diese Miniaturmodelle sorgen für die richtige Laune. Eigentlich gibt es immer jemanden, der umgenietet werden muss. Selbst wenn der Film für ein paar Sekunden mal ruhigere Töne anstimmt und gerade so etwas wie ein ernsthaftes Gesprächsthema aufkommt, springen plötzlich maskierte Typen aus einem Gebüsch und ballern wild um sich. Ernsthaft, die Mündungsrohre geben einfach keine Ruhe und solange nicht das letzte Magazin verballert ist, wird dem Zuschauer ne ordentliche Portion Dauerfeuer vorgesetzt.
Tja, und mitten drin Manfred Lehmann und Thomas Danneberg (und Lewis Collins, jaja…). Unsere zwei Synchrohelden als fiese Söldner, die sich markige Sprüche um die Ohren hauen und in verschwitzten Hemden durch den Dschungel rennen dürfen. Dafür, dass man sonst nur ihre Stimmen kennt, machen sie ihre Sache sogar erstaunlich gut. Zwar besetzen beide nur Nebenrollen, aber diese wissen sie anständig zu füllen. Witzigerweise wurden beide von jeweils anderen Sprechern nachträglich synchronisiert, da einer der Beiden Lewis Collins seine Stimme leihen musste… der Bekanntheit wegen. Sei es drum, die beiden haben Spaß an ihrem kleinen Ausflug in die Actionwelt und sind ebenfalls (zumindest Manfred Lehmann) in den nachfolgenden Dietrich/Margheriti-Produktionen zu sehen. Klaus Kinski hingegeben – nur in einer kleinen Nebenrolle – arbeitet auch hier weiter an seinem eigenen Image und sieht meistens so aus, als würde er sich entweder insgeheim über seine Schauspielerkollegen lustig machen oder sich nur schwer zusammenreißen können, um nicht plötzlich alles und jeden in seiner Nähe zusammen zu scheißen! Lee van Cleef und Ernest Bognine wirken eher so, als bräuchten sie schnell noch mal ein paar Dollar für ihren nächsten Cluburlaub, verrichten aber trotzdem routiniert ihre Jobs.

Fazit:
Eine Story aus der Mottenkiste, aber Action bis zum Abwinken! Da ist es auch egal, ob nur Klischees bedient werden oder reaktionäre Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird. Hauptsache die Shootouts sind reichlich, der Bodycount hoch und die Feuerbälle groß! Die typischen Elemente eines Söldnerabenteuers werden hier effizient von Margheriti verwurstet und dank schicker Optik und Darsteller macht das auch noch Spaß. Zwar taumeln letztere halb belustigt, halb bemüht durch die banale Handlung und plagen sich mit teils haarsträubenden Dialogen herum, aber letztlich ist es die Flinte in der Hand die zählt! Keine Längen, viel Dschungelatmosphäre und noch mehr Krachbumm – Geheimcode: Wilgänse ist wahnwitziges europäisches Action-Explotation-Kino und Freunde des B-Films werden an diesem Streifen ihre wahre Freude haben. Versprochen! 4 Köppe


PS: Ich hatte leider das Pech, die geschnittene Version gucken zu müssen. Hier sind fast 14 Minuten geschnitten. Die Handlung betrifft das gewiss nicht (noch einfach und ich mach ein Kinderbuch aus der Story!), sondern vielmehr und einzig die vielen Gewaltspitzen. Man kann sich sicher vorstellen, dass bei 14 fehlenden Minuten nicht mehr viele blutige Einschüsse übrigbleiben. Ich glaube sogar, es war hier kein einziger mehr zu sehen, höchstens ganz kurz angedeutet. Also, egal wie, besorgt euch das ungeschnittene Tape… UND MIR GLEICH MIT!!!

Kommentare:

Harry hat gesagt…

Hab die DVD auch, aber noch nicht gesichtet. Glücklicherweise liegt aber auch das Tape vor. Muss ich glatt mal ne Sicherung machen.

Doc Savage hat gesagt…

Die deutsche DVD von Splendid, ne?!
Teilweise sind die Schnitte wirklich unter aller Sau... echt ne Frechheit, aber ist ja nicht der erste 80iger-Schinken, der so dermaßen zerschnibbelt wurde.

Hab mal versucht, an die schweizer uncut DVD ranzukommen, aber da zahlt man ja extreme Sammlerpreise für... o_O

Harry hat gesagt…

Yep, hab das Ding in nem Package mit den anderen 3 gekauft und je 4 Euronen gezahlt. Da habe ich mal wieder ohne groß nachzuschauen einfach gekauft. Werde jetzt mal die Laufzeiten der anderen überprüfen. In der Schweiz werden übrigens auch für den geschnittenen Murks noch umgerechnet ca. 20 Euronen gefordert.

Doc Savage hat gesagt…

Die anderen beiden sind dann wahrscheinlich "Kommando Leopard" und "Der Commander". Die sind von Splendid uncut gebraucht worden. Zumindest ersterer ist noch ganz wichtig.

Mir fällt gerade auf, dass die Wildgänse auch im Bildformat beschnitten wurden... das wird ja immer besser...

Harry hat gesagt…

Ja, genau. Dazu kam dann noch "Die Rückkehr der Wildgänse".