Die Blechpiraten

(für mehr Blechschäden klicke aufs Cover)

Release: 1974

Originaltitel: Gone in 60 seconds

Ja genau, DAS Original von diesem Cage/Jolie Dingen!


Eigentlich arbeitet Maindrain Pace als Gutachter für eine große Versicherung, nebenbei dreht er allerdings jede Menge krummer Dinger. Zumeist dreht sich dabei alles um das Klauen von Autos. So auch in seinem neustem Job, bei dem er 48 Karossen aus allen Sparten für 2 Millionen Dollar binnen ein paar Tagen zu den Docks schaffen soll. Alle Wagen mit Decknamen versehen, macht er sich so gleich zusammen mit einer Truppe an die Beschaffung. Keines der Wägelchen stellt große Probleme dar, bis auf eines: Eleanor, ein gelber 1973er Mustang Mark 1. Genau mit diesem verheddert sich Maindrain zum Schluss des Films auch in einer furiosen und halsbrecherischen Verfolgungsjagd. Was tut man nicht alles für einen gut bezahlten Job…
Das ist es also: Gone in 60 seconds! Das Original! Leider nicht nur ein Grund für große Lobeshymnen: Wir haben es hier mit einem Filmvehikel aus dem Jahr 1974 zu tun, also aus einer Zeit, in der solche Car-Crash-Movies sehr beliebt waren. Mit viel Blödelhumor und ohne viel Tiefgang sollte möglichst viel Blech verbeult werden. So waren auch hier dem Regisseur, Drehbuchschreiber, Produzenten, Hauptdarsteller und Stuntfahrer in Persona – H.B. Halicki – die Begriffe Spannung und Dramatik offensichtlich völlig fremd. Bis zur dicken Verfolgungsjagd am Ende plätschert der Film leise vor sich hin, fliegt gerade zu am Zuschauer vorbei. Kommt es mal zu ein bisschen Spannung, wird diese entweder mit völlig unpassender Country-Mukke oder mit lächerlichen Slapstick-Einlagen nieder gemacht. Die Handlung folgt dabei nur einem sehr, sehr groben Rahmen und einen Bezug zu den handelnden Personen kann man wegen den schauspielerischen Totalausfällen auch nicht aufbauen. So muss man sich rund 45 Minuten um die Ohren schlagen, bis man endlich dort angekommen ist, wo man schon die ganze Zeit hinwollte: Bei der längsten Verfolgungsjagd der Filmgeschichte.

Tatsächlich geht diese nämlich fast so lange, wie der ganze Handlungsmüll vorher (fast 40 Minuten) und entstand über mehrere Städte hinweg. Halicki setze sich dabei selbst hinters Steuer seiner Eleanor und improvisierte, was das Zeug hielt. So gibt es zu Beispiel einen Unfall auf einer Brücke und mehrere heran brausende Einsatzwagen. Geplant war das nicht, aber Halicki hat es einfach filmen lassen und später in die Jagd eingebaut. An anderer Stelle verliert er kurz die Kontrolle über seinen Mustang und wickelt sich mit 100 Sachen (mph!!!) um einen Telefonmast. Die Dreharbeiten mussten bis zu Halickis Genesung unterbrochen werden, aber zurück am Set war seine erste Frage, ob alles im Kasten wäre. Von diesen Fast-Katastrophen gibt es noch einige mehr im Endprodukt zu sehen, was gerade dieser finalen Jagd eine wahnsinnige Authentizität gibt.
Da der Film komplett aus eigener Tasche finanziert wurde, musste Halicki die Kosten außerdem steht’s niedrig halten. Alle Stuntwagen gehörten ihm selbst, gedreht wurde teilweise in seiner eigenen Werkstatt, in der er nebenbei immer noch ganz normal Autos reparierte, um wieder Geld in die Kasse zu bekommen. Zusätzlich engagierte er echte Feuerwehrmänner, Sanitäter oder Polizisten. Teilweise wusste sogar die Passanten auf den Straßen nicht, was gerade vor sich ging. Es gibt z.B. eine Szene, bei der ein Mann von Polizisten an einer Tankstelle festgenommen wurde. Blöd nur, dass dort gleichzeitig eine Bikergang halt machte. Diese äußerten dann auch gleich ihren Ummut über die Verhaftung eines vermeintlich Unschuldigen.

Wenn man also berücksichtigt, dass die meisten der handelnden Personen entweder aus dem öffentlichen Dienst oder direkt aus Halickis Verwandtschaft rekrutiert wurden, kann man Ihnen auch das nicht vorhandene Talent verzeihen. Das einen die Handlung völlig kalt lässt oder man ihr manchmal nur schwer folgen kann, ist dem quasi nicht vorhandenen Drehbuch geschuldet, denn zum Drehbeginn standen nur ein paar wenige festgelegte Dialogzeilen fest. Der Rest war komplett improvisiert. Zwar kann das die total spannungsarme Inszenierung nur bedingt entschuldigen, aber zumindest relativiert sich mit diesem Wissen der eine oder andere grobe Schnitzer und der vielleicht aufkommende Unmut beim Zuschauer.
Fazit:
Wäre auf der DVD nicht dieses informative Vorwort gewesen, in welchem dem Zuschauer die vorgenannten Produktionsumstände erklärt worden, ich hätte sämtliche Handlungsszenen glatt weggespult. Langwierig, unübersichtlich und unspannend zieht sich die erste Hälfte. Trotzdem muss man Halicki seine einfache und gleichzeitig einfallsreiche Idee zu gute halten. Spätestens wenn Halickis Charakter dann aber aus seinem Mustang zu den Cops hinüber schaut und mit einem Kommentar zu seinem heutigen schlechten Horoskop das Gaspedal durchtritt, wird auch der Zuschauer wieder wachgerüttelt. Was folgt ist eine irrsinnige Verfolgungsjagd durch mehrere Städte, bei der man für die erste Hälfte mit Blechschäden im Sekundentakt entschädigt wird.

Man sollte sich bereits im Vorfeld darüber bewusst sein, dass das Original nichts mit dem Remake aus dem Jahr 2000 zu tun hat. Wer das Remake mag, wird mit diesem Film hier wahrscheinlich nichts anfangen können. Denn wo das Remake ein ersetzbares Hochglanzvehikel nach Hollywood-Maßstäben ist, ist das Original dank Halicki’s tollkühner und grundehrlicher Inszenierung halsbrecherischer Stunts zu einem Klassiker geworden und Halicki konnte allen zeigen und beweisen, dass er seinen Spitznamen – The Car Crash King – zu recht trug! 3,5 Köppe

.5

Wer mehr über den Streifen und seinen Regisseur wissen will, der guckt am besten in die üblichen Quellen (z.B. HIER).



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