Rampage

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Release: 2009

Wraak is meedogenloss
(frei nach der holländischen DVD-Hülle)


Bill ist ruhiger Kerl Anfang 20, der augenscheinlich zurzeit nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Er hat einen miesen Kfz-Job, scheint gesellschaftlich eher der Außenseiter zu sein und wohnt bei seinen Eltern im Keller. Die wollen Ihren Filius aber ganz gerne aus dem Haus haben bzw. hegen den Wunsch, dass er endlich in die Pedale tritt und seinem Leben eine neue Richtung gibt. Doch während seine Eltern noch auf ihn einreden und auch sein Kollege Evan auch nur mit leeren Floskeln um sich wirft, brodelt in Bill etwas ganz anderes. Etwas viel bedrohlicheres. Per Onlineversand bastelt er sich nach und nach einen komplett kugelsicheren Anzug zusammen und als seine Eltern das Haus verlassen, verlässt auch Bill sein trautes Heim um seinem Hass freien Lauf zu lassen. Oder steckt doch mehr dahinter... ?
Fuck, Uwe, was hast du da denn für einen kranken Scheiß gedreht?! Dieser Satz ging mir während und nach der Betrachtung durch die Birne - und das noch nicht einmal im negativen Sinne. Denn was Uwe Boll da auf den Zuschauer loslässt, ist alles andere als ein angenehmer Film. Wenn ein Streifen mehrere Tage im Gedächtnis nachschwingt, dann hat das schon etwas zu bedeuten. Dabei beginnt alles recht harmlos. Die Handlung beginnt zwei Tage vor Bills grausamer Tat und wir begleiten den jungen Mann durch seinen tagtäglichen Alltag. Morgens trainiert er wie ein wilder, begleitet von jeder Menge Negativberichten aus dem Radio. Auch sein Job ist nicht der Beste und sein Kollege Evans ist ein Möchtegern-Weltverbesserer, der lieber redet und niemals handelt. Man hat schnell den Eindruck, dass dieser unauffällige Junge aus unserer Mitte ne Menge Wut im Bauch hat. Zusammen mit schnellen Cuts auf die folgenden Ereignisse wird er für den Zuschauer bald zum sprichwörtlichen Bild einer tickenden Zeitbombe, wobei sich der Zuschauer mit zunehmender Lauflänge immer unwohler in Bills Nähe fühlt. Nur Blöd, dass die Kamera die ganze Zeit an seinem Arsch klebt.
„All talks, no action“ kommentiert Bill die Ausführungen seines Freundes Evan gerne, aber wie soll diese Aktion aussehen. Nach knapp 30 Minuten wissen wir es. Dann nämlich knippst Bill mit einer Autobombe das Polizeirevier aus, fährt in die Innenstadt des kleinen Städtchen uns eröffnet mit seinen beiden Uzis wahllos das Feuer auf alle Menschen, die seinen Weg kreuzen. Auch hier schwebt die Kamera permanent hinter seinem Rücken, abgewechselt von Einstellungen seines Gesichts - quasi ein umgekehrter Egoshooter, bei dem der Zuschauer Bills nach Zielen suchende Augen sehen, seinen Herzschlag und die dumpfen Todesschreie getroffener Passanten hören kann. Nicht selten kommentiert Bill seine Taten mit zynischen Kommentaren, wodurch die realitätsbetonte Darstellung nur noch mehr an Intensität und Brutalität gewinnt. Wenn er zum Beispiel eine vor Schreck erstarrte Frau in einer Häuserecke entdeckt, ruhig seine Waffen nachlädt und sie dann völlig emotionslos mit den Worten „Here we go!” mit einer langen Salve niederstreckt, dann wirkte das auf mich ziemlich schockierend. Trotz actionlastiger Inszenierung ist das alles nicht cool, sondern eher unangenehm.
Schon nach kurzer Zeit macht sich während des eigentlichen Amoklaufs ein unglaubliches Gefühl von Ohnmacht breit und Boll lässt es bis zum Abspann auch nicht mehr zu, dass der Zuschauer dieses Gefühl abschütteln kann. Je weiter Bills Amoklauf fortschreitet, desto deutlicher wird dem Zuschauer jedoch Bills eigentlicher Plan. Auf die ganze Menschheit zu scheißen und am Ende selbst in Gras zu beißen hatte er nämlich von Anfang an nicht vor. Ich für meinen Teil war z.B. ganz und gar nicht auf Bills Seite. Was er da in seinem Heimatstädtchen abgezogen hat, stieß mir übel auf und ich hab ihm nichts gutes mehr gewünscht. Umso überraschter und verwirrter war ich, als sich mir plötzlich ein Twist eröffnete, der lange Zeit nicht ersichtlich ist. Denn – Achtung: Spoiler – Bill verfolgt die ganze Zeit einen perfiden Plan, der darin endet, dass er seinen Kumpel Evan tötet, ihm die Schuld die Schuhe schiebt und pünktlich zum Feierabend wieder bei seinen Eltern auf der Couch sitzt, wobei er im Keller einen Haufen Geld von einem Bankraub untergebracht hat, den er unterwegs ebenfalls begangen hat. Bitte was?! Da schießt jemand die halbe Stadt nieder, räumt ne Bank aus und soll mit einer solchen Tat davon kommen??! Holy shit…
Das ist harter Tobak. Als Zuschauer ist man jetzt nämlich gezwungen, sich über Bills Taten selbst Gedanken zu machen. An die Hand nimmt Boll hier niemanden. Er zeigt nur schlicht und einfach, was Bill innerhalb von zwei Tagen tut und das auf eine schonungslose und realitätsbetonte Art und Weise. Dabei liefert er kaum Erklärungen und wenn, dann nur sehr oberflächliche. z.B. nimmt Bill weder Drogen, noch spielt er „Killerspiele“ oder hört Heavy Metal - was jedoch wirklich in ihm vorgeht, wird höchstens in den meist improvisierten Dialogen ersichtlich. Auch wenn darin vielleicht ein großer Kritikpunkt des Films liegt, eröffnet diese Tatsache ebenfalls den größten Diskussionsraum.
Handwerklich gibt’s an dem Film gewiss nicht auszusetzen. Der ein oder andere tiefgreifendere Dialog wäre ganz nett gewesen. Ab und zu driftet Boll auch immer wieder gerne in eine actionbetontere Inszenierung in Form von Verfolgungsjagden und Explosionen in Zeitlupe ab, bleibt aber meistens dem Stilmittel der wackeligen Verfolgerkamera treu. Es ist auch diese Art der ungeschliffenen und brutalen Inszenierung, mit der Boll das geringe Budget geschickt verdecken konnte. Auch an den Darstellern gibt’s nichts zu meckern. Vor allem Brendan Fletcher (Bill) weiß zu überzeugen und spielt seine Rolle, ohne den Charakter zu einem namenlosen Monster verkommen zu lassen. Viele Dialoge sind übrigens, wie schon kurz erwähnt, improvisiert, so wie es Boll z.B. schon bei Tunnel Rats von seinen Schauspielern verlangte. Manche Szenen sind sogar nicht einmal gestellt. Die Bingospielenden Rentner in dem Bingo-Restaurant, durch das Bill wohlgemerkt in voller Kampfausrüstung stapft, hatten keine Ahnung, dass da gerade ein Film gedreht wird. Umso Erschütternder wirken vor diesem Hintergrund ihre (ausbleibenden) Reaktionen.
Nur eine Meinung über diesen Streifen zu haben, ist schwer möglich. Für schwache Gemüter ist „Rampage“ sicherlich nichts und diverse Szenen werden eben auf diese schwachen Gemüter schlichtweg schockierend wirken. Manche werden den Film völlig unreflektierend als reinen Actionfilm abfeiern, während sich andere noch lange nach der Sichtung mit der Thematik dank fehlender Erklärungen auseinander setzen werden. Gekonnt überlässt es Boll jedem Zuschauer selbst, wie er darüber denken möchte bzw. ob er überhaupt dazu in der Lage ist, sich kritische Gedanken zu machen. Dafür sollte dem Herrn, der über Jahre hinweg so immens viele Negative Kritiken bekommen hat, endlich mal Respekt gezollt werden. Von meiner Seite aus jedenfalls gibbet ordentliche 3,5 Köppe und ernst gemeintes: „Mach weiter so, Uwe!“

,5


PS: Mal wieder ein absolutes Hightlight der DVD ist der Audiokommentar von Meister Boll persönlich. Neben vielen Erklärungen rund um den Film und seine Entstehung, lammentiert Boll über eigene Ansichtungen bezüglich FSK, Mainstreamfilme oder zu billiges Essen. Schnell wird klar, was der Mann doch für ein Hass auf Hollywood, die Filmindustrie und ganz Amerika hegen muss. Echt krass teilweise wie radikal seine Ansichten zu bestimmten Themen sind. Gleichzeitig beweist er ebenfalls eine ordentliche Portion Größenwahn, wenn er seine Filme (Rampage, Darfur, Tunnel Rats) auf eine Stufe mit großen Blockbustern setzt und sie für gleichberechtigte Oscaranwärter hält. Ach Uwe... eigentlich biste doch n' lustiger Typ! ^^


Hulk on TV... again!

ABC plant eine Pilotfolge. Mit etwas Glück können wir den zornigen Grünling also bald wieder im TV bestaunen. QUELLE

Das Trash-Academy-Team hätte in diesem Zusammenhang allerdings einen Wunsch zu äußern:

WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!
WE WANT LOU FERRIGNO BACK!

King of the hill

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Release: 2007

Shoot! Frag! Game over



Ein Mann (nennen wir ihn einfach mal Wayne) fährt so dumdidum durch die spanische Pampas. An einer Tankstelle trifft er auf eine Frau (nennen wir sie Wanda). Die knallt er ganz spontan auf dem Klo, lässt sich dabei aber dummerweise seine Brieftasche klauen, womit das ganze Schlamassel dann auch seinen Lauf nimmt. Wayne fährt ihr nach und landet noch tiefer in der Pampa… und zwar so tief, dass da höchstens noch ein Zaun kommt und dann nix mehr. Da plötzlich pfeift ein Schuss durch Luft, Wayne bleibt stehen und im nächsten Moment kommt jemand angelaufen und schießt ihn an, was Wayne zu einer plötzlichen Flucht veranlasst. Hilferufen is nicht, da sein Handy im klassischen Funkloch der Schecklichkeit feststeckt. Da können auch Wanda, die er wieder trifft, und zwei Polizisten, die aus dem nirgendwo auftauchen, seinen Tag nicht mehr retten. Wayne’s Flucht vor den unbekannten Schützen endet schließlich in einem Geisterdorf, wo er versucht, seinen unfreiwillig erworbenen Freiwildschein an seine Verfolger zurück zu geben.

SPOILERWARUNG

Was zum Geier wollte mir „King of the Hill“ sagen? Gabs da überhaupt eine tiefgreifendere Aussage? Da wird ein Typ durch den Wald gejagt und zwar von zwei Kindern mit Gewehren. Zwei Blagen, die mit ihren Knarren auf alles Lebendige schießen, das ganze als Spiel betrachten und jeden Sinn für Realität verloren haben. Zwei Charaktere, die aus der Essenz allerVorwürfe, welche gegen gewaltverherrlichende Spiele ins Feld geführt werden, geformt wurden. Das war’s an Erklärung…

Man könnte jetzt die gesamte zu Grunde liegende Diskussion neu aufrollen und versuchen, diese Stück für Stück auf den Film zu übertragen, trotzdem werden aber alle Diskussionswege irgendwann in einer Sackgasse enden. Warum? Weil der Film für tiefgründigere Besprechungen überhaupt keine Grundlage bietet. Spätestens im zweiten Teil verliert er sich in Belanglosigkeit. Ausgerechnet dann, wenn die Jäger ein Gesicht bekommen. Denn spätestens dann erwartet der Zuschauer mehr Hintergrundinformationen, die er aber einfach nicht bekommt. Es ist halt so, wie es ist und damit feddich.

Hinzu kommt, dass die Handlung gerne mal böse Logiklöcher aufweist oder zu konstruiert wirkt. Das beginnt damit, dass plötzlich aus dem Nichts Personen auftauchen (Polizei), die dann Angesichts einer Leiche nicht mal ihr Funkgerät benutzen und wenn unsere Haupfigruen dann flüchten, nehmen sie nicht mal die Waffen der Polizisten mit... warum das? Weil der Film nach auf 85minuten Laufzeit gekommen wäre, deswegen!

Alles macht "King of the Hill" nicht falsch. Auch wenn die Story anfangs nur langsam in die Gänge kommt, zieht die Spannung spätestens mit dem ersten Schuss ordentlich an. Die erste Filmhälfte hetzt man mit den Flüchtenden durch die absolut toll gefilmte Hügel- und Waldlangschaft. Ständig schwebt über jeder Szene die drohende Gefahr durch die gesichtslosen Jäger, die ihre Opfer durch Zielfernrohre beobachten. Die Bedrohnung durch den ungekannten Feind wird manchmal durch ausgefallene Kameraperspektiven erzeugt, manchmal reicht auch schon durch das Dickicht tönende Hundegebell.

Wenn jetzt die Charaktere nicht völlig austauschbar wären, würde dem Zuschauer eine ordentliche Identifikationsfigur an die Hand gegeben und hätte man einen höheren Blutzoll geliefert, der so manchen Kritikpunkt einfach ertränkt hätte, wäre der Streifen sicherlich noch was geworden. So verkommt "Koth" (Koth... *hihihi*) leider zu einem Nichtssagenden pseudokritischen Rohrkrepierer, der selbst mit seiner sehr versierten Kameraarbeit und dem angenehm hohen Realismus nicht lange im Gedächtnis bleibt. Da können auch die Ego-Shooter-Szenen nicht mehr viel reißen. Sorry Leute, hat bei mir voll nicht gezündet... 2 Köppe


Red Hill

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Release: 2010

Highnoon im Outback von Australien


Hilfssheriff Shane Cooper hat sich in das verschlafene und titelgebende Örtchen Red Hill versetzen lassen, damit seine hochschwangere Frau ein wenig mehr Ruhe bekommt. Doch schon der erste Tag kommt für ihn einem Supergau gleich. Als Jimmy Conway, Ex-Bürger von Red Hill und Ex-Insasse, aus dem Gefängnis ausbricht, stehen die Zeichen im Dorf auf Sturm. Sheriff Old Bill versammelt seine Männer, um sich auf die Ankunft Conways vorzubereiten. Shoot to Kill lautet seine Devise, denn für alle steht fest, dass Conway schreckliche Rache an den Bürgern von Red Hill üben wird. Cooper ist mitten drin in der dieser holprigen Talfahrt, versteht aber zu Beginn nur Bahnhof. Erst nach und nach kommt er hinter die dunklen Geheimnisse von Red Hill, was sein Gewissen ordentlich auf die Probe stellt.
Eines steht bereits fest, wenn man den Klappentext ließt: Für das Drehbuch wird der Film mit Sicherheit keinen Blumentopf gewinnen. Die Story ist von Anfang an so vorhersehbar, wie Ketchup auf Pommes-Schranke und von der ersten Minute merkt man, dass in dem Kaff etwas oberfaul ist. Conway kommt in die Stadt, begeht ordentlich Selbstjustiz, wobei sich das ganze natürlich durch ein Vorfall aus seiner Vergangenheit rechtfertigt. Ich glaube, es dürfte niemanden verwundern, dass Conway unschuldig hinter Gitter gebracht wurde.

Allerdings ist diese Vorhersehbarkeit absolut zweitrangig. So kann man sich nämlich ganz und gar auf die Inszenierung von Patrick Hughes, der mit „Red Hill“ sein Spielfilmdebüt feiert, konzentrieren. Die ist nämlich nicht nur durchweg spannend geraten, sondern auch in sehr schönen Bildern verpackt. Als Vorbild könnte man „No Country for old men“ ins Feld führen, von dem sich Hughes offenbar mehr als einmal hat inspirieren lassen, ohne ihn jedoch zu kopieren.
In den ersten 30 Minuten wird die Langsamkeit geradezu zelebriert. Schweifende Blicke über das ausgedehnte Hinterland Australiens, langsame Kamerafahrten durch die verlassenen Straßen von Red Hill (eigentlich nur eine Straße), Cooper, der nicht zur Arbeit fährt, sondern läuft. Spätestens mit dem ersten Schuss Conways steigt dann die Spannungskurve und mit ihr auch die Zahl bleihaltiger Auseinandersetzungen. Die sind allesamt von ordentlicher Härte und äußerst konsequent umgesetzt. Wer erschossen wird, der fällt um. Keine Zeitlupe, keine Pirouetten, sondern PENG und weg. Zimperlich geht Conway mit seinen Opfern weiß Gott nicht um. Dass er dabei selbst den besten Jäger der Stadt mit einem Colt vom Dach ballert, muss man wohl einfach mal so hinnehmen. Gerade diese übermächtige und unverletzliche Darstellung der Figur Conway’s sorgt immerhin auch für einen gewissen mystischen Touch im Film.
Hilfssheriff Cooper ist bei der ganzen Rache-Angelegenheit ein bisschen außen vor, aber trotzdem hat seine Figur zwei wichtige Aufgaben. Zum einen zeigt sie den Unterschied zwischen der alten Dorfpolizeigarde vom Land und der neue Polizei-Generation, die längst nicht sofort schießt und dann erst fragt, die mitfühlend ist und loyal dem Gesetz gegenübersteht, ohne sich in Vorurteilen zu ergeben. Zum anderen gibt sie dem schweigsamen Killer Conway so etwas wie ein Gewissen und zieht ihn so - wie sich selbst als einzige rechtschaffene Figur im Film - auf die Seite des Zuschauers.
Regiedebütant Patrick Hughes hat seine Hausaufgaben gemacht und präsentiert einen Western im modernen Gewandt und von hoher atmosphärischer Dichte, auch wenn diverse Vorbilder schnell ersichtlich werden. Dank düsterer und harter Inszenierung kommt „Red Hill“ auch mit der nötigen Konsequenz daher. Die braucht es, um den Zuschauer bei der vorhersehbaren Story bei der Stange zu halten. Unterstützt werden sowohl ruhige als auch actiongeladene Momente durch einen stimmigen Score. Wer sich also auf diesen Neo-Western aus Australien einlassen kann, der wird einen spannenden Film erleben, der noch eine Weile im Gedächtnis bleibt und sich äußerst positiv vom sonstigen Einheitsbrei abhebt. Verdiente 4 Köppe!

PS: Was diese dämliche Szene mit dem Panther sollte, will sich mir jedoch immer noch nicht so ganz erschließen…

The Crazies


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Release: 2010

"Fürchte deine Nachbarn"


Frühlingsanfang in einem kleinen Kaff namens Ogden Marsh irgendwo im Hinterland von Iwoa. Sheriff David Dutten (Timothy Olyphant) fährt zum ersten Saisonspiel der örtlichen Baseballmannschaft. Da plötzlich torkelt ein stadtbekannter Trinker mit Flinte in den Händen auf den Platz. Dutten greift ein und muss den vermeintlichen Trunkenbold in Notwehr erschießen. Von da an überschlagen sich die Ereignisse, denn wie sich herausstellt ist im Sumpf vor den Toren der Stadt ein Militärflugzeug abgestürzt, dessen Ladung sich nun über das Trinkwasser gleichmäßig auf die Bevölkerung von Ogden Marsh verteilt. Wäre ja alles halb so wild, wenn das Zeug aus den Menschen nicht Zombiehafte Monster machen würde, die allen Nichtinfizierten mit Vorliebe sofort an die Gurgel gehen. Kaum hat der Sheriff das Herausgefunden, da rollt auch schon das Militär an und riegelt die ganze Stadt ab. Für Dutten und seine Frau beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem sie nicht nur ein Katz und Maus Spiel gegen das Militär gewinnen müssen, welches irgendwann zur völlig Auslöschung der Zivilbevölkerung übergeht, sondern auch mit Infizierten in den eigenen Reihen zu kämpfen haben.

Bei „Crazies“ handelt es sich um ein Remake des gleichnamigen Klassikers von Georg Romero, dessen Name jedem halbwegs erfahrenen Horrorfilmgucker ein Begriff sein sollte (wenn nicht: SHAME ON YOU!). Zwar wusste ich schon vorher, worum es im Remake und somit auch in diesem Film hier geht, gesehen habe ich die Vorlage aus dem Jahre 1973 bisher nicht. So konnte ich mich allerdings ganz auf den Film einlassen und musste nicht ständig unbewusst Vergleiche ziehen. Noch ein paar weitere Infos: Romero trat als Produzent auf und Regie führte Breck Eisner, der damals mit dem Remake von Sahara mächtig viel Sand an den Kinokassen fressen musste. Keine gute Referenz für weitere Filme des Herren könnte man meinen, aber manche Menschen lernen ja bekanntlich auch aus Fehlern.

So geschieht z.B. der erste „Unfall“ auf dem Baseballfeld schon nach wenigen Minuten Spielzeit. Soll heißen, Eisner dreht sofort ordentlich an der Temposchraube und die Geschehnisse schreiten schnell voran. Man findet das Flugzeugwrack im Sumpf, kommt der Gefahr im Trinkwasser auf die Schliche, zieht gekonnt ein paar Schlüsse und schon rückt das Militär an, um Haupt- und Nebendarsteller ratzfatz im wahrsten Sinne des Wortes auseinander zu klamüsern. Das Militär dient als allmächtiger, gesichtsloser Schatten, dem wenig entgegen zu setzen ist und so bleibt Sheriff Dutten keine andere Möglichkeit, als die permanente Flucht. Nach der angenehm flotten Erzählweise im ersten Teil, die sich zum Glück zu keiner Zeit überschlägt, gibt es in der zweiten Hälfte leider ein paar kleinere Talfahrten. Manche Szene wirkt zu sehr eingefügt (z.B. das ende mit den Rednecks), so als ob Eisner unbedingt die 90min. Marke knacken musste. Schlimm ist das nicht, aber es fällt eben doch auf.

Storymässig erfindet „Crazies“ das Rad weiß Gott nicht neu, ist jedoch auch nah am Zeitgeist, der vor kurzem noch durch H1N1 oder die Schweinegrippe weltweit in Atem gehalten wurde. Innerhalb der Erzählweise gibt es somit auch die typischen Versatzstücke des Genres zu beobachten: Stetige Dezimierung der flüchtenden Gruppe, Misstrauen innerhalb der Flüchtlinge oder Gefahr durch Infizierung. Anderseits lässt die Art des Films auch gar nicht viel anderes zu und so fällt dies kaum ins Gewicht. Was mich dagegen störte, waren ein paar blöde Logikaussetzer der Hauptpersonen. Da verliert man seine Shotgun bei einem Feuergefecht und holt sie später nicht wieder zurück, obwohl noch Munition drin ist. Und später laufen dann alle gemeinsam die menschenleere Straße entlang, obwohl sie stunden zuvor noch von einem Kampfhubschrauber aufgespürt wurden. Ehrlich, das muss doch nicht sein - und das würde doch niemand tun, der vom Militär offiziell zum Freiwild erklärt wurde, oder?!

Positiv kann man dem Film noch seine Hauptdarsteller zu gute halten, allen voran Timothy Olyphant. Dieser spielt in seiner charismatischen Art einen facettenreichen Charakter, der auch seine sensiblen Seiten zeigen kann. Keiner der Nebendarsteller fällt negativ auf, wobei Joe Anderson als Hilfssheriff Russel sogar positiv aus der Riege der Stichwortgeber im Gedächtnis bleibt.

Fazit:
Sicherlich wäre noch Luft nach oben gewesen, aber viel falsch macht Eisner auch nicht! Schnell fiebert man mit den Hauptfiguren mit und lässt sich gerne von der permanenten Gefahr und der Flucht davor mitreißen. Zum Glück hat sich Eisner nicht auf eine weichgespülte 0815-Inszenierung eingelassen und präsentiert sein Remake immer noch angenehm kantig. Sowohl Schockeffekte, als auch der Blutgehalt und die Action im Allgemeinen werden dabei gezielt und schauwertig eingesetzt und halten den Spannungsbogen permanent hoch bzw. den Zuschauer bei Laune. Sehr nettes Survivalkino, das (wie immer für Genrefans) absolut sehenswert ist! Knappe 4 Köppe!