Red Hill

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Release: 2010

Highnoon im Outback von Australien


Hilfssheriff Shane Cooper hat sich in das verschlafene und titelgebende Örtchen Red Hill versetzen lassen, damit seine hochschwangere Frau ein wenig mehr Ruhe bekommt. Doch schon der erste Tag kommt für ihn einem Supergau gleich. Als Jimmy Conway, Ex-Bürger von Red Hill und Ex-Insasse, aus dem Gefängnis ausbricht, stehen die Zeichen im Dorf auf Sturm. Sheriff Old Bill versammelt seine Männer, um sich auf die Ankunft Conways vorzubereiten. Shoot to Kill lautet seine Devise, denn für alle steht fest, dass Conway schreckliche Rache an den Bürgern von Red Hill üben wird. Cooper ist mitten drin in der dieser holprigen Talfahrt, versteht aber zu Beginn nur Bahnhof. Erst nach und nach kommt er hinter die dunklen Geheimnisse von Red Hill, was sein Gewissen ordentlich auf die Probe stellt.
Eines steht bereits fest, wenn man den Klappentext ließt: Für das Drehbuch wird der Film mit Sicherheit keinen Blumentopf gewinnen. Die Story ist von Anfang an so vorhersehbar, wie Ketchup auf Pommes-Schranke und von der ersten Minute merkt man, dass in dem Kaff etwas oberfaul ist. Conway kommt in die Stadt, begeht ordentlich Selbstjustiz, wobei sich das ganze natürlich durch ein Vorfall aus seiner Vergangenheit rechtfertigt. Ich glaube, es dürfte niemanden verwundern, dass Conway unschuldig hinter Gitter gebracht wurde.

Allerdings ist diese Vorhersehbarkeit absolut zweitrangig. So kann man sich nämlich ganz und gar auf die Inszenierung von Patrick Hughes, der mit „Red Hill“ sein Spielfilmdebüt feiert, konzentrieren. Die ist nämlich nicht nur durchweg spannend geraten, sondern auch in sehr schönen Bildern verpackt. Als Vorbild könnte man „No Country for old men“ ins Feld führen, von dem sich Hughes offenbar mehr als einmal hat inspirieren lassen, ohne ihn jedoch zu kopieren.
In den ersten 30 Minuten wird die Langsamkeit geradezu zelebriert. Schweifende Blicke über das ausgedehnte Hinterland Australiens, langsame Kamerafahrten durch die verlassenen Straßen von Red Hill (eigentlich nur eine Straße), Cooper, der nicht zur Arbeit fährt, sondern läuft. Spätestens mit dem ersten Schuss Conways steigt dann die Spannungskurve und mit ihr auch die Zahl bleihaltiger Auseinandersetzungen. Die sind allesamt von ordentlicher Härte und äußerst konsequent umgesetzt. Wer erschossen wird, der fällt um. Keine Zeitlupe, keine Pirouetten, sondern PENG und weg. Zimperlich geht Conway mit seinen Opfern weiß Gott nicht um. Dass er dabei selbst den besten Jäger der Stadt mit einem Colt vom Dach ballert, muss man wohl einfach mal so hinnehmen. Gerade diese übermächtige und unverletzliche Darstellung der Figur Conway’s sorgt immerhin auch für einen gewissen mystischen Touch im Film.
Hilfssheriff Cooper ist bei der ganzen Rache-Angelegenheit ein bisschen außen vor, aber trotzdem hat seine Figur zwei wichtige Aufgaben. Zum einen zeigt sie den Unterschied zwischen der alten Dorfpolizeigarde vom Land und der neue Polizei-Generation, die längst nicht sofort schießt und dann erst fragt, die mitfühlend ist und loyal dem Gesetz gegenübersteht, ohne sich in Vorurteilen zu ergeben. Zum anderen gibt sie dem schweigsamen Killer Conway so etwas wie ein Gewissen und zieht ihn so - wie sich selbst als einzige rechtschaffene Figur im Film - auf die Seite des Zuschauers.
Regiedebütant Patrick Hughes hat seine Hausaufgaben gemacht und präsentiert einen Western im modernen Gewandt und von hoher atmosphärischer Dichte, auch wenn diverse Vorbilder schnell ersichtlich werden. Dank düsterer und harter Inszenierung kommt „Red Hill“ auch mit der nötigen Konsequenz daher. Die braucht es, um den Zuschauer bei der vorhersehbaren Story bei der Stange zu halten. Unterstützt werden sowohl ruhige als auch actiongeladene Momente durch einen stimmigen Score. Wer sich also auf diesen Neo-Western aus Australien einlassen kann, der wird einen spannenden Film erleben, der noch eine Weile im Gedächtnis bleibt und sich äußerst positiv vom sonstigen Einheitsbrei abhebt. Verdiente 4 Köppe!

PS: Was diese dämliche Szene mit dem Panther sollte, will sich mir jedoch immer noch nicht so ganz erschließen…

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