Duell der Giganten

(für mehr Kung-Fu-nsinn klicke aufs Cover)

Release: 1975

The flying Guillotine vs. The one armed boxer aka. The Master of the flying Guillotine


Was für ein krasser Alternativtitel! Und er lügt nicht mal, denn hier dreht sich alles um das Aufeinandertreffen der gleichnamigen Kampfsportler. Nebenbei gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer ungewöhnlicher Klopperkerle zu sehen, die bei einem großen Turnier ihre Kräfte messen dürfen. Doch jetzt noch mal kurz von vorne:
Der blinde Meister Fung Cheng bekommt per Flugpost die Nachricht überbracht, dass seine beiden Schüler vom Einarmigen Boxer (Jimmy Wang Yu) ermordet worden sind. Jetzt ist für den Alten Rache angesagt. Als Meister der fliegenden Guillotine – eine Art Haube mit Rasierklingen innen und außen und mit einer lange Kette zum werfen und zurückholen, mit der man seinen Feinden die Köppe von den Schultern reißen kann – zieht er los, um den Einarmigen zu finden und zu töten. Schon Konfuzius sagte: „Willst du Rache üben an einem Einarmigen, so springe durch ein Strohdach, Köpfe ein paar Hühner und zünde dein Haus an. Mache allen klar, dass du es mit deinen Absichten verdammt ernst meinst.“ So tat es auch der blinde Meister und während im Hintergrund seine Hütte abfackelt, stampfte er entschlossen aus dem Bild.
Kaum ist dies geschehen, fetzt auch schon das Intro los. Was für ein Kracher! Nicht, dass mich der Vorspann nicht schon voll zufrieden gestellt hätte, aber dieses Intro rockte gewaltig. In einer ziemlich miesen Version hab ich Vorspann und besagtes Intro nach langer Suche dann auch bei der VideoTube gefunden. Zieht euch den Ausschnitt rein und ihr bekommt ein Gefühl dafür, was euch in den nächsten knapp 90 wahnwitzigen Minuten blüht. (für Interessierte: Der Song stammt von der deutschen Krautrockband „NEU!“ Und heißt „Super“ -> siehe/höre Trailer)

Währenddessen vertreibt sich der einarmige Boxer die Zeit mit der Ausbildung seiner Schüler. Zur Demonstration seiner verinnerlichten KungFu-Kräfte balanciert er auf einem großen Weidenkorb und läuft an der Decke entlang, was seine Schüler mit einem gemeinsamen „Ohhhhhh“ bewundernd zur Kenntnis nehmen. Weil er aber auch ein bisschen seine Freizeit genießen möchte, guckt er sich zusammen mit seiner Rasselbande später das große Kampfsportturnier einer rivalisierenden Schule an. Eigentlich hatte der Meister dieser Schule mit der Teilnahme des Einarmigen Boxers gehofft, sind doch solche abgedrehten Kämpfer, wie der Mongole, der Fakir, der Mann ohne Messer der doch welche hat und ein indischer Guru, der seine Arme verlängern kann, dabei. Die Bilder geben euch einen weiteren kleinen Eindruck von dem, was man während des Turniers zu sehen bekommt.
In der Zwischenzeit hat es auch Meister Fung Chen fast zum Turnier geschafft. Vorher muss er aber noch einen Penner in einem Restaurant köpfen, der sich für den Einarmigen Boxer ausgibt. Das er damit einen Fehler begangen hat, will er natürlich nicht zugeben und antwortet auf die Aussage: „Das war doch nur ein harmloser Irrer!“ mit den Worten „Was soll mich das kümmern… ich werde all diese verdammten Einarmigen umbringen!“
Sehr konsequent! Aber dass der blinde Alte keine halben Sachen macht, hat er eigentlich schon im Vorspann klar gemacht.
Zurück zum Turnier: Hier hauen sich immer noch die vielen lustigen Armleuchter ordentlich auf die Nase. Nur das Duell der Giganten will sich noch nicht ankündigen. Überhaupt hat Jimmy Wang Yu bisher wenig Screentime. Nicht, dass man das ausgiebige Gekloppe nicht genießen könnte, aber was ist hier los? Die Antwort kommt prompt geflogen, nämlich in Form von Minigranaten, die Fung Chen bei seiner Ankunft auf dem Turnierplatz um sich wirft. Kurzerhand mischt er die bunte Meute so richtig auf. Schnell werden für den in die Flucht geschlagenen Einarmigen Boxer noch ein paar fiese Zwischengegner rekrutiert, dann kündigen sich auch schon die finalen Battles an. Diese gestallten sich dann auch in ähnlicher Weise abwechselungsreich, wie schon beim Turnier gezeigt. Allerdings mit dem großen Unterschied, dass wir jetzt endlich unsere Wuxia-Ikone Wang Yu die Fäuste… tschuldigung… die Faust schwingen sehen. Mit einem Arm hat jedoch auch der starke Boxer keine Schnitte gegen die bezahnte Untertasse von Fung Chen, also muss für den Finalkampf eine List her, die in der hauptsache Axt-Katapulte beinhaltet.
Jimmy Wang Yu, einstiges Aushängeschild der Shaw Brothers, war hier für Drehbuch, Regie und Hauptrolle in Personalunion tätig. Es fällt auf, dass dies nicht der erste unter seiner Führung Film ist, denn von technischer Seite kommt „Duell der Giganten“ durchaus versiert daher. Wang Yu zeigt uns (dem Alter des Films entsprechend) solide choreographierte Kämpfe, die er dazu passend mit der Kamera eingefangen hat. Auch die Handlung – sofern man mal davon absieht, dass sie auf eine Briefmarke passt – lässt er nicht ins Genretypische verfallen. Hier ist es nicht der Gute, der nach Rache durstet. Er ist derjenige, der Dreck am Stecken hat. Wang Yu sah sich gerne in der Rolle des Antihelden, dem er mit seiner Erfindung des Einarmigen Boxers ein Gesicht geben wollte.
Bei der Fliegenden Guillotine und dem einarmigen Boxer handelt es sich übrigens zwei alte Bekannte. Die Guillotine hatte bei den Shaw Brother bereits ihren Einstand gefeiert. Wang Yu lieferte später mit seiner Einarmigen Boxer Figur sein Regiedebüt ab. Beide Charaktere waren beim asiatischen Publikum sehr beliebt und so ließ Wang Yu weitere Abenteuer mit seinem einarmigen Antihelden folgen.

Ich gebe es zu: Ich habe keine Ahnung von diesen ganzen alterwürdigen Wuxia-Kung-Fu-Zeug, welches in den späten 70igern den Markt überflutete. Die Anzahl der gesichteten Filme aus diesem Genresektor kann ich an einer Hand abzählen. Was ich aber nach einiger Recherche und persönlicher Sichtung sagen kann: Duell der Giganten ist ganz großes Tennis! Seien es die beiden Hauptcharaktere, die vielen merkwürdigen Kämpfer, die Dialoge, die Action oder die kaum ersichtliche Handlung, die das ganze irgendwie zusammenhält – alles macht einen absoluten Over-The-Top-Eindruck und genau deswegen macht dieser Streifen so unglaublich viel Spaß. Langeweile Fehlanzeige, hier regiert der Schwachfug und er regiert mit eiserner, erbarmungsloser Hand. Who is da maaan? Jimmy Wang Yu is da maaaaaaan! 5 Köppe dafür!



Kommentare:

Ong-Bockel hat gesagt…

"Duell der Giganten" ist ein absolut genialer Böller! Schau Dir unbedingt auch den Vorgänger "Eine Faust wie ein Hammer" an. Ist zwar nicht ganz so prall, erzählt aber die Vorgeschichte (Warum hat Wang Yu nur einen Arm? Warum will der Alte Rache?) und hat auch 'ne Menge kurioser Fighter und Stile an Bord. Der absolute Knaller ist jedoch Wang Yu's "Das Todeslied des Shaolin". Der ist so durch und fertig... man kommt aus dem Jauchzen nicht mehr raus!!! :)

Doc Savage hat gesagt…

Ich bin derzeit schon hinter der Scheibe her, ist aber nicht ganz einfach da ran zu kommen...

Hast du noch vergleichbare Knaller zu "Duell der Giganten" auf Lager? (außer dem Vorgänger) Denn mal ehrlich: Der Film hat an dem Abend echt alles in Grund und Boden gerockt! :-D

Ong-Bockel hat gesagt…

Ich schau mal, was ich bei "Faust" und "Todeslied" machen kann. Melde mich in Kürze wieder! :)

Ong-Bockel hat gesagt…

Gehen wohl beide klar. Melde mich per PM im GF, wenn sie hier sind...

Doc Savage hat gesagt…

Na deine Kontakte möchte ich mal haben! Oder heißt der Kontakt zufällig Harry? ^^