Das Schwarze Loch

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Release: 1979

So schön und doch so inkonsequent...


Zu einer Zeit, als Disney's Führungsetage nicht mehr so recht wusste, in welche Richtung es denn nun gehen sollte und worein man das viele, viele Geld so pumpen könnte, entstanden ein paar interessante Filmische Werke. Eines davon - das erste und meines Wissens einzige Werk mit einer PG13-Freigabe - war "Das Schwarze Loch" von Gary Nelson (unzähliger Serienquatsch und Quatermain II - Auf der suche nach der geheimnisvollen Stand).
Die Crew der Palomino ist auf dem Weg zurück zur Erde. Die Suche nach außerirdischem Leben in den weiten des Alls hat sich als Fehlschlag herausgestellt. Während man also etwas demotiviert durch den Weltraum gondelt, entdeckt der kleine fliegende Blecheimer V.I.N.C.E.N.T ein gigantisches schwarzes Loch. Als man näher ran fliegt, entdeckt die Crew plötzlich ein Raumschiff, welches sich als die Cygnes herausstellt, die mit der selben Mission Jahre zuvor ins All geschickt wurde und bisher als verschollen galt. Bei dem Versuch, sich der Cygnes zu nähern, wird die Palomino beschädigt und muss an dem Geisterschiff andocken. Doch so verlassen wie angenommen ist das riesige Schiff gar nicht. Hans Reinhard herrscht an Bord über eine gesichtslose Robotorarmee. Mehrere Jahrzehnte der Einsamkeit haben allerdings so ihre Spuren an dem Wissenschaftler hinterlassen. Nicht nur, dass er direkt in das schwarze Loch hineinfliegen will, auch die Crew der Palomino will er nicht mehr so richtig gehen lassen.
Mit einem Multimillionen-Dollar-Budget wollte man damals an den Erfolg von "Star Wars" anknüpfen. Die Disney-Studios erfanden dafür sogar eine neuartige Aufnahmetechnik und erschufen gigantische Sets. Leider blieb das Projekt am Ende hinter den Erwartungen zurück, was vor allem an einer deutlich spürbaren Inkonsequenz lag.
Der Ausstattung und den Effekten kann man dabei definitiv nichts ankreiden. Die Raumschiffmodelle sind detailreich modelliert und das Schwarze Loch, welches immer wieder im Hintergrund zu sehen ist, präsentiert sich stets eindrucksvoll. Auch die übrigen Effekte, wie der gigantische Meteorsturm, sorgen immer wieder für tolle Bilder. Nein, die Probleme bei "The Black Hole" liegen woanders.
Zum Beispiel bei diesem möchtegern-lustigen Roboter Vincent und seinem verbeultem Kollegen Bob. So düster der Film über die gesamte Laufzeit daher kommt, desto unpassender wirken die beiden fliegenden Blecheimer mit ihren Kulleraugen. Als hätte sich jemand aus der Führungsetage in letzter Minute dazu entschieden, etwas Kindertaugliches in den Film zu pressen. Und als wäre das nicht genug, muss diese fliegende Stück Metall dann auch noch einen Großteil der Dialoge im Mittelteil übernehmen und der Palomino-Crew den entscheidenen Hinweis über den verrückten Doktor liefern.
Kein wunder also, dass die Rollen seiner menschlichen Schauspielerkollegen allesamt etwas blass ausfallen. Auch wenn alle versiert bei der Sache sind, kann keiner von ihnen wirklich glänzen oder in den Köpfen der Zuschauer hängen bleiben. Einzig Maximilian Schell kann man hier nichts vorwerfen. Er spielt den verrückten Doktor Reinhardt glaubhaft und stets mit dem nötigen Wahnsinn.
Hinzu gesellen sich weitere Widersprüchlichkeiten... Wissenschaftliche Fragen werden zwar zunächst behandelt (wenn auch nur oberflächlich), dann am Ende aber allesamt verworfen, um religiösen Interpretationen den Vorrang zu gewähren. Die Bilder der Endsequenz sprechen da deutliche Worte, in denen das schwarze Loch als eine Verbindung zu Himmel und Hölle dargestellt wird... wissenschaft adé... Überhaupt erscheint das gesamte Ende - dieser infernalische Trip durch das schwarze Loch - im Anbracht der vorran gegangenen Handlung ziemlich unpassend.
Unpassend ist auch das ein oder andere mal die musikalische Untermalung. Gut sind die Kompositionen von John Barry definitiv, nur leider manchmal falsch eingesetzt. Bei einem wilden Lasergefecht erwarte ich einen spannenden Score und nicht heroische Fanfaren, die eher in den Abspann gehören.
Fazit:
Der Film gut, keine Frage! Den Effekten sieht man ihr Alter natürlich an, auch wenn das massige Budget sichtbar ist. Hier und da haben sich dem Alter entsprechende Lächerlichkeiten eingeschummelt, aber auch über die kann man hinwegsehen. Was dem Film am Ende das Genick bricht, ist die platte Story und die inkonsequente Umsetzung. Entweder komplett düster oder Kinderspaß ohne Altersbeschränkung - beides ist jedoch kaum miteinander zu vereinbaren.

Völlig egoistisch betrachtet, kann ich diese Fehler aber verzeihen. Gründe dafür liegen schlicht und ergreifend darin, dass der Film bei mir einen sehr hohen Nostalgiewert hat. Seit ich ihn das erste mal in sehr jungen Jahren gesehen hab, hingen die Bilder in meiner Birne fest. So sehe ich zwar die offensichtlichen Schwäche, kann sie aber gleichzeitig ignorieren, ja sogar genießen. Aber das muss wie immer jeder selbst entscheiden. Total subjektive 4 Köppe ;-)


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