Haywire

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Release: 2011


Mallory Kane ist Ex-Marine(in ?), deswegen natürlich knallhart und für ein privates Sicherheitsunternehmen tätig. Für verschiedene Auftragsgeber erledigt sie im Team diverse Jobs z.B. Geiselbefreiungen oder ähnliches. Bei ihrem neusten Job merkt sie gleich, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Prompt stolpert sie in ein groß angelegtes Komplott und kann einen Anschlag auf ihr Leben nur knapp vereiteln. Von nun an ist Kane auf der Flucht, ohne zu wissen, warum sie überhaupt gejagt wird, wer dahinter steckt, wem sie trauen kann und wie sie aus der Sache heil wieder rauskommen soll. Doch Kane wäre nicht die Beste der Besten der Allerbesten, wenn sie sich nicht auf ihre Intuition verlassen könnte und vor allem auf ihre Eisenfäuste, um die Wahrheit Licht zu prügeln.
 
Steven Soderbergh versucht sich mal wieder am Thema Thriller. So richtig geklappt hat das aber leider nicht. Aber so ist das mit Soderbergh… für viele eine Hassliebe durch und durch. Auf der einen Seite versteht er sich auf coole, ungewöhnliche Inszenierung, auf der anderen Seite kann er seine Fingerchen aber einfach nicht von übertriebenen Stilmitteln lassen, wie z.B. Farbfiltern. So sind dann auch hier alle wärmeren Handlungsorte gelb und alle kühleren Orte blau eingefärbt. Fand ich schon bei Traffic doof und gefiel mir hier immer noch nicht.

Weiteres Manko ist ganz klar das Drehbuch. Denkt man zunächst noch, dass mehr in der anfangs noch sehr undurchsichtigen Story steckt, muss man am Ende leider erkennen, dass es doch nur wieder auf zwei sehr einfache Gründe hinläuft: Verrat und Rache. Kane wird veräppelt, entkommt und klatscht jeden um, der sich gegen sie verschworen hat inkl. kollateraler Schäden. Da der Plot im Grunde so einfach ist, Soderbergh das ganze aber in seiner typischen Art bis zum Erbrechen aufbauscht, wirkt die Geschichte ziemlich überkonstruiert. Geradliniger & direkter wäre sicherlich nicht schlechter gewesen. Dazu kommen immer wieder solch merkwürde Zufälle, die mir persönlich übel aufgestoßen haben: z.b. flüchtet Kane durch eine enge Straße, ist kurz davor geschnappt zu werden, da kommt zufälligerweise ein Taxi vorbei. Später flüchtet sie mit einem Auto rückwärtsfahrend durch einen Wald, ist ihren Häschern fast entkommen, da stoppt plötzlich ein durch die Scheibe springendes Reh ihre Flucht…o_O von solchen unrealistischen Szenen gibt es noch zwei, drei mehr… klar, irgendwie muss die Handlung vorangetrieben werden, in welche Richtung auch immer, aber doch bitte nicht so absurd!

Naja, wie gesagt stimmt aber die Inszenierung des ganzen. Die fällt mitunter nämlich sehr ungewöhnlich aus und verschließt sich damit auch den typischen Blockbusterbildern. Besonders auffällig ist der Umstand, dass in Kampfszenen vollständig auf die musikalische Untermalung verzichtet wurde. Dafür sind Schlag- und Kampfgeräusche umso präsenter, wodurch die diversen Handgemenge ungeheuer intensiv und brachial wirken. Toll! Zusätzlich ist der restliche Film mit einem treibenden Score versehen, der mal nicht nach Hans Zimmer klingt, sondern eher nach Oceans 11-13. Wie gesagt: Ungewöhnlich, aber intensiv. Gerade weil sich der Streifen aber von den bekannten Sehgewohnheiten unterscheidet, hatte er bei mir von vorn herein ein Stein im Brett.
 
Positiv muss ich auch die Muay Thai Kämpferin und ehemalige Psychologiestudentin Gina Carano erwähnen. Die guckt zwar meistens grimmig, was aber absolut ausreichend ist. Vor allem hat sie aber richtig viel Power und jede Menge Charisma. Dank ihrer starken Leinwandpräsenz schafft sie es trotz mangelnder schauspielerischer Erfahrungen sofort, den Zuschaue für sich zu gewinnen und mit zu reißen. Nicht zuletzt freut man sich natürlich auch auf den nächsten Schlagabtausch. Carano ist eben eine verdammt gute Kämpferin und weiß genau, was sie da tut. Das merkt man und das wird in Haywire mehr als deutlich gezeigt – ganz zur Freude actionhungriger Fans. Ich kann nur hoffen, dass Ihre Rolle im sechsten Fast & Furious-Teil ähnlich gut wird. Als Sahnehäubchen tauchen außerdem immer wieder bekannte Gesichter auf. Allen voran Michael Fassbender und Ewan McGregor. Beide darf Carano übrigens nach allen Regeln der Kunst vermöbeln. Auch gegen Channing Tatum darf sie die Fäustchen schwingen. Dazu dürfen sich dann noch Michael Douglas, Antonio Banderas und Bill Paxtion mit der Amazone herumschlagen, allerdings nur mündlich. Man will der alten Garde ja nicht all zu viel zumuten.

 

Fazit:
Leider schwächelt Soderberghs Actionthriller an einem arg konstruiert wirkenden, leicht einfallslosen Drehbuch. Man merkt das lediglich eine Story um die Amazone Gina Carano herum gebastelt wurde, welche ihre Fähigkeiten auf dem Martial-Arts-Sektor formschön in Szene setzen soll (was dann wiederrum auch wunderbar funktioniert). Sei es drum, der Film unterhält trotzdem gut - nicht nur dank der ungewöhnlichen Inszenierung und der Charismatischen Hauptdarstellerin. Mit Soderberghs Stil kommt garantiert nicht jeder klar, aber wer sich drauf einlässt und über die Schwächen im Drehbuch hinwegsehen kann, der bekommt einen netten kleinen Thriller für zwischendurch präsentiert. 3,5 Köppe


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