Kommando - U.S. Navy Seals II


(klicke aufs Cover für mehr knallige Infos)

Release: 1999

wusch – zwoooosch - w'sch

Wegen diverser Meinungsverschiedenheit gehen die beiden Seals Casey Sheppard und Frank Ratliff als Feinde auseinander. Der eine – Casey – zieht sich aus dem aktiven Dienst zurück und wird Schweißer und Künstler. Der andere – Frank – raucht weiterhin Zigarillos, entführt eine Atomphysikerin und zwingt diese, zwei Atomraketen auf einer fiktiven Insel im Beringmeer scharf zu machen. Selbstredend will er damit die Welt erpressen und fordert schlappe 1 Milliarde Dollar. Ebenfalls selbstredend, dass nur ein Mann den Wahnsinnigen stoppen kann. So tauchen dann auch wenig später Casey's ehemaliger Vorgesetzter, Major Donner, in Caseys Atelier auf. Bei der Erwähnung seines Erzfeindes willigt dieser natürlich ein, allerdings mit der Prämisse, sein Team selbst zusammenstellen zu dürfen. In einer kurze Montage werden die Kerlchen kurzerhand von Übungsgeländen, aus Bars, von Bikertreffpunkten und aus Gefängnissen rekrutiert. Zusammen mit Major Donner geht’s ab Richtung verlassener Insel, die – jetzt kommt der Clou – mit Methangas verseucht ist. Daher darf auf der gesamten Insel keine Waffe abgefeuert werden. Was passiert, wenn es doch getan wird, demonstriert Major Donner eindrucksvoll, indem er ein brennendes Feuerzeug an Methangasballons hält: KaBOOM! Soll aber alles kein Problem sein. Die muntere Truppe ist Nahkampferprobt und so kann der Spaß mit Messern, Beilen, Ketten, Stangen und einer Art Säureball verschießenden Luftdruckpistole beginnen.
Ganz großes Tennis! Nix erwartet, alles bekommen – so kann ich Kommando US Seals am besten zusammenfassen. Issac Florentine, der seine Erfahrungen beim Dreh von Power Ranger Episoden sammelte, zeigt hier wieder einmal, was sich selbst mit kleinem Budget so alles bewerkstelligen lässt. Übrigens nicht das erste mal, dass Florentine eine Genreperle im B-Movie-Sektor erstrahlen lässt: Fight of the Dragon mit Dolph Lundgren und Undisputed II mit Michael Jai White und Scott Adkins seien nur beispielhaft erwähnt. Bei Kommando – US Seals wird zudem seine Vorliebe für das Asiatische Kino und die Martial Arts Künste deutlich ersichtlich. Gerade in der zweiten Hälfte fliegen die Fetzen. Die Seals kloppen alles kurz und klein, wobei sich Ihnen auch eine unzählbare Masse an Gegnern in den Weg stellt. Kein Wunder übrigens wenn der Stuntkoordinator und ebenfalls Darsteller Andy Cheng heißt. Dieses Kerlchen war schon Stuntdouble für Jackie Chan (gibt’s die doch??? o_O) und Stuntkoordinator für The Scorpion King oder Welcome to the Jungle.
Für Freunde von Dauerfeuer und Explosionen hat Florentine direkt zu Anfang einiges aufgetischt. Ein Einsatz der Seals artet unerwartet in ein hartes Feuergefecht aus. Bevor man jedoch dazu verleitet wird, eine billige Inszenierung mit rauchigen Explosionen zu erwarten, wird der erste Wachturm von einer großes Explosion zerrissen. Kurz darauf fällt ein Gegner, von Kugeln durchsiebt, von einem Dach und reißt dabei eine hölzerne Tür ein. Der Hammer! Ich musste sogar zurückspulen und mir das ganze zweimal anschauen, so viel Spaß hat das Feuerwerkt gemacht. Die sehr schnell inszenierte Kampfchoreografie ist ebenfalls bemerkenswert weit über dem Genredurchschnitt. Gebrauch von Wackelkamera ist Fehlanzeige. Es schien Florentine einzig und allein um einen hohen Unterhaltungswert und Funfaktor zu gehen, was auch wunderbar gelingt.
Im Gegensatz dazu ist das Drehbuch erwartungsgemäß absolute Standartware. Hey, die beiden Widersacher kennen sich. Hey, der eine ist der Gutmensch, der andere Psychopath. Hey, einsame Insel und – oh staunet – Atomraketen. Eieiei, wenn das mal keine Erpressung nach sich zieht… Reißbrettstory, in der sich die dazu passenden stereotypen Figuren bewegen. Standardmäßig besteht die Truppe als schrulligen Typen (und einer Frau), die alle so ihre Macken und jeder einen eigenen Kampfstil haben. Das reicht ja auch eigentlich, um für Trouble zu sorgen. Einzig Marshall Teague (Major Donnor), vllt. bekannt durch zahlreiche Minirollen, z.B. aus The Rock und Armageddon, sticht mit seinem Bierbauch und seiner (extrem coolen) Säuraballpistole etwas heraus. Damian Chapa (Street Fighter) ist als Oberschurke im Dauer-Overaction-Modus, weiß dadurch aber zu überzeugen. Grenzwertig empfand ich dagegen Michael Worth in der Hauptrolle, der weniger Mimik als ein Holzklotz hat. Ein Holzklotz mit dauerhaft belämmerten Blick… Fast unerträglich, da völlig überdreht gespielt, war auch Kate Connor als Atomphysikerin. Ihr Verhalten und schauspielerische Darbietung erinnerte mich eher an Hochglanzpornos „Oh, Casey, sie haben mich gerettet – treiben wir es gleich hier auf dem Labortisch“.
Das wirklich absolut und unerreichbar beste Gimmick an diesem Streifen ist allerdings die Vertonung! Egal welche Bewegung die Darsteller machen, ob eine Waffe zu Boden fällt, ob jemand kurz nach rechts und links guckt: Alles wird mit einem „Wusch“-Geräusch unterlegt. Ich hab mich teilweise gekringelt vor lachen, da so ein Effekt natürlich viele Szenen ins unbewusst lachhafte zieht. Da läuft ein Seal voran durch einen Tunnel, gibt Handzeichen (Wusch, zwossch, wunsch), der Hintermann bestätigt (wusch, wusch) und einer Dritter blickt kurz nach hinten (zwosch, wosch). Großartig! Das ganze wird offensichtlich mit Absicht betrieben und lässt den Streifen zusammen mit vielen, vielen anderen maßlos übertriebenen Szenen wie eine Parodie auf das Subgenre der Spezialeinheiten-Filme erscheinen. Das meine ich jedoch – als Trashfan – absolut positiv. Denn da sich der der Streifen selbst kaum ernst nimmt, vor übertriebenen Szenen und Dialogen nur so trieft, entfaltet einen ungemein hohen Unterhaltungswert.
Fazit: 
Krasse Sache! Florentine zaubert wieder mal eine Granate aus dem Hut und präsentiert handfeste, weit über dem B-Movie-Durchschnitt liegende Actionware. Darsteller sind alle allesamt austauschbar, Story ebenfalls, aber dafür rappelt es immer wieder gehörig im Karton. Nach der anfänglichen Materialschlacht ist zwar bis zur Filmmitte etwas Leerlauf, dafür zieht sich der Showdown auf der Insel aber auch über die gesamte zweite Hälfte. Langweilig wird’s übrigens dank der teils behämmerten Dialoge nie. Wenn das nächste Wusch-Geräusch ertönt, während Major Donner seine coole Säureballpistole nachlädt und den nächsten Widersacher aufs Korn nimmt, sollte das Grinsen der Fans breiter werden. 80 Minuten geht der Streifen, 75 Minuten davon hab ich abgefeiert, 5 Minuten lang war ich Bier holen/wegbringen. Was will man(n) mehr? 4 Köppe!



 
PS: Ganz nett übrigens die uralten Kino-Trailer auf der ungeschnittenen DVD von Best Entertainment / Screen Power. Sowas sollte es öfters geben!

Keine Kommentare: