Drei Spaghetti in Shanghai

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(für mehr schmodderige Infos klicke aufs Cover)

Release: 1974


Zitat vom Klappentext:
Immer wenn mal wieder Not am Mann ist, Agenten entführt wurden und man die irgendwie doch lieber wieder zurückhaben will, ruft das FBI seinen #1 Agenten Robert Wallace zu hilfe. Oder doch bloß #2 Agent? #45 #7895? Auf alle Fälle ist er "The Man", Burt Reynolds ist sein Doppelgänger und das FBI erwischt ihn gerade noch vor seiner Hochzeit um ihn auf seine gefährliche Mission Richtung Asien zu schicken. Dort gehts mal hin und her zwischen Shanghai, Bangkok und Hong Kong um zwischen herumschleichenden Geheimnisvollen und hübschen Informantinnen den Kung Fu Meister Tang zu finden. Dazwischen trifft er noch auf alte Bekannte, zwei italienische Reservegauner. Einer von beiden der Lässige, der Andere als der Stotternde, dafür hat der die ärgsten Grimmassen drauf und zeigt auch gerne die haarige Brust. Beide zusammen stehen auf Kung-Fu-Schüler-Sein und Siebziger-Fashion, dass es im Auge weh tut. Meister Tang hat die Schüler im weißen Gewand, die Bösen sind die im schwarzen Outfit. Die Bösen sind auch richtig böse, sodass sie statt mit den Fäusten lieber mit Pistolen rumwinken. Unschlagbar also? Nicht wenn alle Zusammenhelfen. Doch die beiden Beinahe Kung Fu Gangster wollen lieber den Tresor der amerikanischen Botschaft ausräumen, der Botschafter kämpft sich lieber mit Durchfall rum anstatt die kugelsicheren Geheimwaffenunterhosen auszugeben, Meister Tang kennt sich auch im Agenten-Sein aus und unser FBI Agent wird ständig verprügelt. Wie soll das alles gut ausgehen?

Ja... wie soll das nur gut ausgehen?? Dachte ich mir ebenfalls bei dem allzu verlockenden Klappentext. Klang nach einer wahren Trashperle. Auch der Zusatz „bis heute weder auf Video erschienen noch im TV gelaufen“ machte mich beim Kauf der DVD nicht stutzig. Die Sucht nach Trash war größer, als die Vernunft oder dieses unbestimmte dumpfe Bauchgefühl. Verdammt…

Aber fangen wir kurz woanders an: Verbrochen hat diesen wüsten Mix aus Italo-Klamauk und Eastern der große Bitto Albertino (Black Emanuelle, Yellow Emanuelle, Emanuel im Sexrausch... *lol* ). Der tat sich anno dazumal mit dem legendären Shaw-Bros.-Studio zusammen, um seine Recken in ferne Länder schicken zu können. Kung Fu war damals groß in Mode und so erhoffte sich Albertin (da steckt das Wort Albern schon im Namen *haha*) wohl ein paar schnell verdiente Pesetas… oder Lira… oder italienische Dollars oder wie die damals hießen.

Das asiatische Studio stellte zudem ein paar seiner Kung-Fu-Helden für die Co-Produktion ab. Lo Lieh oder Shih Szu seien da erwähnt, die offenbar etwas bekannter waren. Ich muss leider zugeben, dass ich mich auf diesem Gebiet nicht sehr gut auskenne und daher nicht mehr dazu schreiben kann.
Auf italienscher Seite haben wir Robert Malcolm, Antonio Cantafora (Vier Fäuste - hart wie Diamenten, Vier Fäuste schlagen wieder zu, Vier Fäuste und ein heißer Ofen) und Salvatore Borghese (Ein Käfer auf Extratour, Das verrückteste Auto der Welt und Zwei tolle Käfer räumen auf) – mir ebenfalls größtenteils unbekannt, wobei die Filmbeispiele wohl für sich sprechen.  Jedenfalls war "Crash! Che botte strippo strappo stroppio"  – wie der Streifen auch genannt wird – als lustiger Agententhriller geplant, mit fernöstlicher Kulissen, mandeläugigen Schönheiten, harten Handkantenschlägen und flotten Sprüchen der drei Hauptdarsteller. Auf dem Papier (oder eben auf dem Backcover der DVD) ließt sich die Story auch sehr unterhaltsam. Tatsächlich ist der Streifen vor allem eines: Bescheuert! Und Zäh! Und Langweilig! Und doof! Okay, das sind mehrere Punkte, aber die hat sich der Film auch redlich verdient!

Über die deutsche Namensgebung und Irreführung kann ich ja noch hinwegsehen (Handlungsort ist weder Shanghai und Italiener sind die Hauptpersonen ebenfalls nicht). Die Tatsache, dass größtenteils einfach nichts passiert und die Prügeleien schnell ins belanglose abdriften, kann ich aber nicht mehr ignorieren. Bis weit in die zweite Hälfte labern sich die Hauptdarsteller mit Schnodderschnauze durch die asiatischen Gefilde. Blabla hier, blabla da. In den letzten 15 Minuten machen sie sich überhaupt erst auf den Weg zum Ort ihrer eigentlichen Hauptmission. Dazwischen, ihr ahnt es schon, nur laberrababergelaber! Oh, und Kung Fu! Klar, den darf ich hier nicht vergessen. Wobei die das Kung Fu Training auch eher zum heulen, als zum lachen oder gar zum ernst nehmen ist. Dazu Slapstick zum Fremdschämen. Italo-Klamauk war halt schon immer etwas merkwürdig und hier wurde mir mal wieder verdeutlich, dass ich auf diesen Overacting-Scheiß einfach nicht stehe.
Das einzige, was den Zuschauer ab und zu noch aus der Lethargie reißt, ist die Syncro aus dem nicht minder legendären Brunnemann-Studio (Rainer Brandt, hell yeah!). Da werden in bester Manier die feschesten Sprüche rausgehauen, die gott sei dank für den ein oder anderen Lacher sorgen:

"Was fällt ihnen ein, einfach zu heiraten." - "Was heißt hier einfach... sie unterbrechen gerade meinen dritten Anlauf!"

"Dir beiß ich gleich den Hecksel aus der Spucke, wenn du nicht das Maul aufmachst!

"Das hier ist Captain Wallace - ein Beamter der FDj...eh... des FBI."

"Meistro, weiß du was Heidehonig ist? So geht mir nämlich dein Wort runter."

"Meine Lunge fiebt, gib mal ne Nuckel her."


Interessant wäre die Sache vielleicht noch geworden, wenn der Streifen total ernst gemeint gewesen wäre. Dann haut so eine Blödel-Syncro ja immer um so mehr rein! Ich will da nur mal an „Die 2“ erinnern, wo die Syncro die gesamte Serie in ein anderes Licht – ein sehr unterhaltsames Licht – getaucht hat. Tja, ist aber nicht der Fall, also Schmalz drüber…

Fazit: 
"Drei Spaghetti in Shanghai" ist im Rahmen der "Vergessene Eastern"-Reihe von Voulez Vous auf DVD gepresst worden. Rein von der technischen Umsetzung kann man dem Label auch keine Vorwürfe machen. Das Bild ist gut, die Extras auf der Scheibe ganz nett. Nur wäre absolut nicht schlimm gewesen, wäre der Streifen in Vergessenheit geblieben... Mir persönlich hätte das 94 anstrengende Minuten ersparrt. Wer inbrünstig auf Italo-Klamauk steht und schon immer mal wissen wollte was passiert, wenn dieses 70iger Jahre Subgenre mit einer Kelle Kung Fu gewürtzt wird, kann's aber gerne mal mit dem Streifen versuchen. 1 Punkt für die lustigen Kostüme am ende, 1 Punkt für die Syncro! Unberücksichtigt bleibt der Titelsong, der aber ganz gut fetzt. Immerhin...




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